Hölstein
Mit dem Partizipationsprozess «Futurum» beschreitet das Dorf zeitgemässe Wege

«Es geht um richtungsweisende Wege», fasste Gemeinderätin Marina Saladin zusammen. Und um «Partizipation», wie Gemeindeverwalter Fritz Kammermann ergänzte. In Hölstein steht der nächste Schritt in der Entwicklung der Gemeinde bevor.

Daniel Aenishänslin
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Ortsschild Hölstein

Ortsschild Hölstein

Kenneth Nars

Nach dem Workshop vom vergangenen Sommer ist die Bevölkerung nun eingeladen, das «Futurum» zu besuchen. In den ehemaligen Räumen des Werkteams Hölstein präsentieren mehrere Stationen, welche Projekte der Gemeinderat als aktuell dringend erachtet. Entwickelt wurde die vorgeschlagene Marschroute in Zusammenarbeit mit Regionalplaner Gerry Thönen. Dass der Gemeinderat das «Futurum» hoch priorisiert, unterstrich er, indem er in corpore zur Medienorientierung erschien.

«Es geht um Qualität, nicht um Quantität», betonte Gemeindepräsident Gabriel Antonutti, «es gibt auch Nachholbedarf.» Im Fokus steht der Schulraum. 211 Primarschüler und Kindergärtlerinnen werden heute in Hölstein mit seinen 1100 Haushalten ausgebildet. Der Gemeinderat geht davon aus, dass es in naher Zukunft 40 Kinder mehr sein werden.

Angedacht sind eine zusätzliche Turnhalle, da die heutige alleine nicht reicht, um den Schulsport abzuhalten. Eine zweite Turnhalle mit Standort Rübmatt sei «zwingend», urteilt der Gemeinderat. Wichtig sei auch, dass der Kindergarten Neumatt II zu einem vollwertigen Kindergarten aufgewertet werde. 18 Kinder besuchen dort den Kindergarten in einem Provisorium, das für zwei Jahre geplant war und inzwischen 30 Jahre Bestand hat.

Steuererhöhung nicht nötig

Ausser dem Ersatzbau für den Kindergarten Neumatt II seien keine neuen Schulbauten nötig. Indem die Schulanlagen Holde II und Rübmatt aufgestockt werden, soll der entstehende Raumbedarf gedeckt werden. Die bauliche Substanz mit Ausnahme des Kindergarten-Provisoriums bezeichnet der Gemeinderat als «grundsätzlich gut», jedoch nicht durchgehend hindernisfrei. «Alle unsere Vorschläge sind für Hölstein bezahlbar, ohne dass der Steuerfuss angehoben werden müsste», bemerkte Antonutti.

Der Finanzplan sieht bis 2023 vor, fünf Millionen Franken in den Strassenbau zu investieren, eine Million in den Gebäudeunterhalt, sieben Millionen in Abwasser und Wasser und vier Millionen in die erwähnte neue Sporthalle. Demgegenüber stehen mögliche Einnahmen. Sie könnten aus den Landreserven der Gemeinde generiert werden. Die 5800 Quadratmeter der Husmatt sollen bis vier Millionen Franken wert sein. Weitere Grundstücke liegen an der Hauptstrasse und am Bündtenweg.

Die Stationen des «Futurum» behandeln nicht ausschliesslich die Ideen des Gemeinderats. Vorschläge aus der Bevölkerung haben es auch auf die Plakatwände gebracht. Der wohl aussergewöhnlichste Vorschlag bezieht sich auf einige Hölsteiner Quartiere mit Hanglage. Diese Lage könne älteren Dorfbewohnerinnen und -bewohner so viel Mühe bereiten, dass sie gezwungen würden, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Die Lösung des Problems sei eine Luftseilbahn ab Hölstein-Station mit Halt auf allen Höhenlagen. Es geht um die Zukunft. In Hölstein darf man zurzeit über alles nachdenken.

Gemeinderat ist gefordert

Auf die Hölsteiner Gemeinderätinnen und -räte wartet ein Mammutprogramm. Von Mitte April bis Ende Juni führen jeweils zwei Mitglieder des Rats Interessierte durch das Futurum. «Damit wir aufkommende Fragen unmittelbar beantworten können», sagt Gemeinderat Rolf Tschudin. Die Ausstellung an der Hauptstrasse zeigt die Projekte, die der Gemeinderat den Hölsteinern vorschlägt. Nach dem geführten Rundgang wartet ein Fragebogen. «Man muss nicht stimmberechtigt sein, um seine Sicht einzubringen», sagt Gemeinderat Andreas Appenzeller. Auch Personen ohne Schweizer Pass und solche unter 18 Jahren dürfen sich einbringen. Die gesammelten Erkenntnisse werden in einer Broschüre publiziert, die im Herbst erscheinen soll.

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