Amtsgericht Dornach
Mann für Mord an Vater zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt

Ein 27-jähriger Mann aus dem Schwarzbubenland wurde am Donnerstag zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seinen Vater mit einem Brotmesser ermordete.

Thomas Immoos
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In Handschellen wird der Angeklagte von zwei Polizistinnen in Dornach zum Prozess geführt.

In Handschellen wird der Angeklagte von zwei Polizistinnen in Dornach zum Prozess geführt.

Deutlich über dem Antrag des Verteidigers, aber auch unter jenem des Staatsanwalts liegt die Gefängnisstrafe, die ein 27-Jähriger antreten muss: Sechs Jahre Gefängnis lautet das Urteil, welches das Amtsgericht Dornach am Donnerstag fällte. Der Mann, C.S.*, hatte vor anderthalb Jahren nach einem heftigen Streit mit einem Brotmesser auf seinen Vater eingestochen, der zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Die Gerichtsverhandlung fand am Mittwoch statt.

Der leicht behinderte Mann hatte sich über Jahre hinweg von seinem Vater herabgesetzt gefühlt. Auch an jenem verhängnisvollen Abend war dies der Fall, sodass die lange aufgestaute Wut ausbrach. Der Sohn ergriff ein Brotmesser, stürmte auf den Gartensitzplatz und stach mehrfach ein im Bereich der Schulter seines Vaters.

An der Gerichtsverhandlung hatte der Staatsanwalt auf eine Haftstrafe von acht Jahren und zwei Monaten plädiert und die Tat als vorsätzliche Tötung qualifiziert. Dies vor allem deshalb, weil der Sohn unmittelbar vor der Tat in seiner Wut gesagt hatte: «I bring di um.» Ob er diesen Satz wirklich gesagt hatte, dazu wollte sich C.S. vor Gericht nicht mehr äussern. Er erinnere sich nur daran, dass er gesagt habe: «Jetzt längt’s!»

«Heftige Gemütserregung»

Für den Verteidiger Viktor Müller hat C.S. in einer «entschuldbaren, heftigen Gemütserregung» gehandelt. Deshalb bewertete er die Tat als Totschlag und beantragte eine Haftstrafe von 45 Monaten. Nach Abzug der Untersuchungshaft und des bereits angetretenen Massnahmenvollzugs solle die Strafe auf 30 Monate lauten.

Das Amtsgericht unter dem Vorsitz von Markus Christ sprach den Sohn des Totschlags für schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Wegen seiner psychischen Erkrankung wird der Vollzug der Strafe zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgehoben. Schon vor dem Prozess war C.S. von der Untersuchungshaft in das Massnahmezentrum St. Johannsen in Le Landeron überführt worden.

Markus Christ würdigte gegenüber der bz die Fortschritte, die der Täter seit der Verhaftung gemacht hat. Er habe seine Gefühle inzwischen gut unter Kontrolle und es könne eine gute Prognose gestellt werden. Dass trotzdem eine Strafe verhängt wurde, die über dem Antrag des Verteidigers liegt, begründet der Gerichtspräsident: «Es handelt sich bei der Tötung eines Menschen um ein schweres Delikt.»

Man habe allerdings die persönlichen Umstände, etwa die Behinderung und die fehlende Konfliktbewältigungskultur in der Familie, berücksichtigt. Den umstrittenen Satz «I bring di um» wollte man nicht überbewerten. In heftigen Streits werde dieser Satz schnell dahingesagt, ohne dass es zu einer Eskalation komme. Trotzdem habe er C.S. mit seiner Tat «überreagiert». Zudem sei hier auch im Zweifel, ob der Satz überhaupt so geäussert wurde, zugunsten des Angeklagten entschieden worden.

Weiterzug noch offen

Bei guter Führung werden bei einer Haftstrafe ein Drittel erlassen, sodass der Täter nach vier Jahren wieder frei sei. Die stationäre therapeutische Massnahme ist auf fünf Jahre angelegt; damit liegt sie über der Dauer der Haftstrafe.

Vonseiten des Staatsanwalts habe er Signale erhalten, das Urteil nicht weiterzuziehen. Denn der Staatsanwalt hatte schon in seinem Antrag geschrieben, C.S. «eventualiter» wegen Totschlags (statt wegen vorsätzlicher Tötung) zu verurteilen. Ob der Verteidiger gegen das Urteil appellieren wird, ist noch offen. «Ich muss das Urteil, das ich erst seit wenigen Stunden habe, erst mit meinem Klienten besprechen», sagt Viktor Müller.

Initialen geändert

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