Laufen
«Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema»: Trauerbewältigung am Kaffeetisch

Das neue Angebot von Pia Küng stösst auf Anklang. Mit Kaffee und Kuchen können Hinterbliebene über ihre Erfahrungen mit Trauer und dem Verlust geliebter Menschen sprechen.

Gaby Walther/Wochenblatt
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Trauerbegleiterin Pia Küng hilft Hinterbliebenen, über den Verlust geliebter Menschen zu sprechen.

Trauerbegleiterin Pia Küng hilft Hinterbliebenen, über den Verlust geliebter Menschen zu sprechen.

Gaby Walther

Kommt überhaupt jemand und getraut sich, über seine innersten Gefühle zu sprechen? Vor einem Monat lud Pia Küng zum ersten Mal ins Trauercafé ein und wurde angenehm überrascht. Zwei Frauen und vier Männer erschienen im reformierten Kirchgemeindehaus in Laufen. Alle Teilnehmenden beklagten den Verlust von geliebten Menschen aus ihrem Umfeld.

«Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Trotzdem ist es wichtig, darüber zu reden und sich für die Trauer Zeit zu nehmen», ist die in Röschenz wohnhafte Trauerbegleiterin überzeugt. Als ehemalige Spitex-Mitarbeiterin und Sterbebegleiterin hat sie sich in ihrem bisherigen Leben stark mit dem Tod auseinandergesetzt und liess sich deshalb während anderthalb Jahren zur Trauerbegleiterin ausbilden. «Das Wichtigste bei der Trauerbegleitung ist das Zuhören. Getrauert wird unterschiedlich», weiss Küng inzwischen aus Erfahrung.

Betroffene erzählen anhand von Bildern von ihren Erfahrungen

So würden Männer oftmals anders trauern als Frauen. Sie würden sich oft verbieten, zu weinen und verarbeiteten die Trauer mit Sport oder Arbeit. «Doch jede Träne ist es wert, vergossen zu werden.» «Pfützentrauern» nennt Pia Küng das Verhalten bei kleinen Kindern. Sie seien traurig und dann beim Spielen wieder glücklich. Wichtig sei es aber, auch kleine Kinder in die Sterbe- und Trauerbegleitung zu involvieren. Die Vorschläge der zweifachen Mutter klingen unkonventionell, aber plausibel: Fotos von der Beerdigung, von der Urne und den Blumen machen, um das Ereignis für die Kinder in Erinnerung zu behalten, den Sarg anzumalen oder den Toten zu besuchen.

Im Laufner Trauercafé ist der Ablauf konventioneller. Mit einem Würfel mit aufgemalten Symbolen drücken die Teilnehmenden ihre aktuelle Stimmung aus und erzählen etwas über sich. Es folgt eine Pause mit Kaffee und Kuchen, anschliessend wird auf ein spezifisches Thema eingegangen. Beim ersten Mal lautete das Thema «Überleben». Fotos mit verschiedenen Motiven wie Computer, Medikamenten, Alkohol, Natur oder Arbeit sind auf dem Tisch ausgebreitet, und die Anwesenden erzählen mit Hilfe der Bilder, wie sie die erste Zeit der Trauer bewältigt haben. In einer Schlussrunde werden nochmals Gefühle, Eindrücke und Erwartungen thematisiert.

Möglichst niemandem zur Last fallen

«Die sechs Personen haben den Austausch sehr geschätzt und einige bekräftigten, dass sie das nächste Mal wiederkommen möchten», sagt Pia Küng im Rückblick auf die aus ihrer Sicht gelungene Premiere. Die Gründe, weshalb Menschen das Trauercafé besuchen, können unterschiedlich sein. Sie haben zwar Familie und Freunde, doch möchten sie niemandem zur Last fallen. Oder sie haben plötzlich sehr viel Zeit, weil die Partnerin, die sie so lange gepflegt haben, verstorben ist. Der Austausch mit anderen Menschen in ähnlicher Situation tue gut.

«Ich begleite als Trauerbegleiterin Menschen, aber ich mache keine Therapie», betont Pia Küng. Wenn sie merke, dass jemand den Absprung ins Leben zurück nicht mehr finde, verweise sie auf weitere Hilfsangebote oder Therapien. Das Trauercafé ist kostenlos. Finanziert wird es von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Laufental. Willkommen sind alle, egal welcher Konfession. Eine Anmeldung ist laut Küng nicht erforderlich.

Trauercafé Laufen - die nächsten Termine: 15. Februar, 15. März, 12. April, 10. Mai, 14. Juni, Kirchgemeindehaus, Schutzrain 15, Laufen. E-Mail: trauerbegleitung@gmx.ch