Münchenstein
Lärmschutz ja, aber lieber Loggias statt Wand

In Münchenstein will der Kanton im Quartier Lange Heid auf der Reinacherstrasse entlang 135 Metern zwischen Bruderholzstrasse und Therwilerstrasse eine Lärmschutzwand errichten, die 2,5 Meter hoch werden soll.

Boris Burkhardt
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In der Reinacherstrasse in Münchenstein will der Kanton eine Lärmschutzwand bauen. Die Gemeinde zieht einen Flüsterbelag vor.

In der Reinacherstrasse in Münchenstein will der Kanton eine Lärmschutzwand bauen. Die Gemeinde zieht einen Flüsterbelag vor.

TOENGI

Der Gemeinderat begrüsst prinzipiell, dass sich der Kanton um Lärmschutz bemüht, wünscht sich aber eine etwas raumplanerfreundlichere Alternative wie einen Flüsterbelag in Verbindung mit Lärmschutzloggias.

Quartier wird «eingekesselt»

Gemeindepräsident Walter Banga fürchtet, das Quartier werde mit einer zweiten Wand neben der Bruderholzstrasse zu sehr «eingekesselt». Die Lange Heid sei bereits durch die wenig ansprechende Aussenraumgestaltung und den teilweise vernachlässigten Unterhalt einzelner Gebäude «nicht attraktiv». Deshalb habe der Gemeinderat bereits eine Quartierentwicklung in Auftrag gegeben, um das Wohnumfeld in der Langen Heid generell aufzuwerten. Solange solle der Kanton die Planung der Lärmschutzwand zurückstellen: «Wir möchten gemeinsam eine Lösung suchen.»
Die geplante Lärmschutzwand nutze ausserdem nur einer von vier Liegenschaften. Die einzelnen Liegenschaftsbesitzer haben laut Banga selbst Vorschläge gemacht, wie der Lärm eingedämmt werden könnte zum Beispiel mit sogenannten «Lärmschutzloggias», die eine Art halboffener Flur vor dem Gebäude sind.
Beim Kanton ist man etwas verwundert über den jetzigen Einspruch aus Münchenstein, wurde die Gemeinde doch laut Lärmschutzspezialist André Schenker frühzeitig wegen der Planung konsultiert. Die geplante Lärmschutzwand an der Reinacher-strasse ist demnach Teil des kantonalen Lärmsanierungsprogramms, dessen Abschluss der Bund bis 2018 fordert. Wie weit die Lärmbelästigung im betroffenen Abschnitt über dem gesetzlichen Grenzwert liegt (60 Dezibel tags, 50 nachts in reinen Wohngebieten), will Schenker wegen «laufenden Verfahrens» nicht sagen. Auch wie realistisch die alternativen Lärmschutzmethoden sind, will er öffentlich noch nicht beurteilen.
Baselbiet Pionier beim Lärmschutz
Er versichert aber, dass das Baselbiet schweizweite Pionierarbeit beim Lärmschutz leiste: Kaum ein anderer Kanton sei bereit, bei den lärmmindernden Fahrbahnbelägen neue Methoden auszuprobieren. So sei 2010 die «Pilotstrecke» mit einem sogenanntem «Flüsterasphalt» in Gelterkinden angelegt worden, von der der Kanton bisher durchweg positive Rückmeldungen bekommen habe. Eine weitere Teststrecke sei sogar auf der Münchensteiner Reinacherstrasse geplant, allerdings im rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen Heiligholzkreisel und Stöckacker-strasse. Zudem werde der Kanton unter anderm in Hölstein lärmmindernde Beläge von regionalen Entwicklern testen.
Die bisherigen «Flüsterbeläge» innerorts sollen langfristig eine Lärmminderung von drei bis vier Dezibel bewirken, was laut Schenker der gehörten Halbierung des Verkehrs entspricht. «Wir wissen aber noch wenig über die tatsächlichen akustischen und mechanischen Eigenarten der Beläge», erklärt er: «Ein normierter Standardbelag hält 20 bis 30 Jahre; beim Flüsterbelag wissen wir nicht, ob es fünf, zehn oder 15 sind.» Über fünf Jahre werde die Entwicklung der Pilotstrecken deshalb überwacht und gemessen.

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