Unwetter
Krisenstab hat beim Hochwasser in Frenkendorf zu dick aufgetragen

Am Samstag wurde Frenkendorf nach heftigen Regengüssen von Hochwasser heimgesucht. Doch es war gar kein Geologe zur Risikoabschätzung vor Ort. Dies wurde von der Polizei jedoch so mitgeteilt.

Andreas Hirsbrunner
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In Giebenach verwandelten sich am Samstagabend Strassen in Flüsse.ZVG/Graf, Kocher

In Giebenach verwandelten sich am Samstagabend Strassen in Flüsse.ZVG/Graf, Kocher

Am Samstagabend wurde es in Frenkendorf heikel: Der sintflutartige Regen schwemmte unterhalb des Bienenbergs Erde und Geröll den Hang hinunter in Richtung Rüttimattweg; drei Einfamilienhäuser wurden daraufhin evakuiert (bz von gestern). Am Tag darauf sagte Polizeisprecher Meinrad Stöcklin gegenüber Radio DRS, dass ein Geologe zur Beurteilung der Situation zugezogen worden sei. Wer nun mit diesem Geologen reden will, stösst nach etlichen Umwegen auf Rolf Mosimann.

Mosimann ist Stellvertretender Leiter des Wasserbaus beim Kanton und von Beruf nicht Geologe, sondern Bauzeichner mit Zusatzausbildung und langjähriger Erfahrung im Wasserbau. Er sagt zu seinem Einsatz am späten Samstagabend: «Ich habe die Situation in Frenkendorf angeschaut und dem Krisenstab mitgeteilt, dass aus meiner Sicht die Situation nicht dramatisch sei. Ich habe aber auch gesagt, dass ich kein Geologe bin und deshalb nicht Entwarnung geben kann.» Mosimann vermutete, dass das Erdmaterial aus einem frisch gepflügten Acker ausgespült worden sei. Doch die Lichtverhältnisse hätten eine Beurteilung zusätzlich erschwert.

«Begriff Geologe ist nicht korrekt»

Trotzdem verzichtete der Krisenstab auf das Aufgebot eines Geologen; und die evakuierten Familien konnten etwa gleichzeitig mit Mosimanns Einsatzende in ihre Häuser zurückkehren. «Entschieden hat das die Einsatzleitung der Feuerwehr vor Ort im Zusammenarbeit mit weiteren Experten unter anderem des Geschäftsbereichs Wasserbau und des Kernstabs des kantonalen Krisenstabs», sagt Doris Walther. Sie ist dessen Informationschefin.

Und sie stellte gestern auf Nachfrage richtig: «Der Begriff Geologe ist im Zusammenhang mit dem Ereignis vom Samstag nicht korrekt.» Es sei aber ein Experte aus dem Geschäftsbereich Wasserbau – eben Mosimann – aufgeboten worden und dieser Fachmann könne die Lage auch unter Berücksichtigung der Naturgefahrenkarte des Kantons beurteilen, so Walther. Aber weder Mosimann noch die Leitung der zuständigen Feuerwehr wussten am Wochenende, ob der Hang oberhalb des Rüttimattwegs ein Risikogebiet ist. (Er ist es nicht.) Auch eine andere Spur des Unwetters führt zu Rolf Mosimann: In Giebenach verstopfte Geschiebe den Ablauf des Zettelbachs bei einem Auffangbecken am Dorfrand. Darauf drückte das Wasser gegen eine Mauer, die barst. Als Folge wurden Strassen und Hausteile geflutet.

Mauer war nur Geländerersatz

Auffangbecken samt Mauer gehören dem Kanton; und Mosimann sagt zum weitern Vorgehen: «Wir müssen die neue Mauer statisch anders ausrichten und armieren. Wir suchen jetzt einen Unternehmer, der das schnell machen kann.» Die eingestürzte Mauer habe keine stützende Funktion gehabt und sei nur ein Geländerersatz gewesen, damit keine Kinder in den Bach fielen. Als zweiter Schritt werde ein neuer, grossmaschigerer Rost erstellt und direkt an der Mauer befestigt, der das grobe Anschwemmmaterial auffangen soll. Wieder ein Thema ist für Georges Etienne, Vizegemeindepräsident von Giebenach, das alte Projekt «Wasserschloss» – ein Rückhaltebecken ein paar hundert Meter bachaufwärts, das bei Hochwasser einen Teil des Wassers auffangen könnte. Etienne: «Wir müssen das prüfen.»

Bei der Gebäudeversicherung sind laut Direktor Bernhard Fröhlich wegen des samstäglichen Unwetters bis gestern Abend 300 Schäden über rund drei Millionen Franken gemeldet worden.

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