Kommentar
Birsfelden will mehr sein als ein Ort der Durchfahrt

Das Ja der Gemeindeversammlung zum neuen Zentrum ist ein gutes Signal. Die Behörden haben sich diesen Sieg mit einer sorgfältigen und zeitgemässen Planung verdient.

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Visualisierung des Neuen Zentrums Birsfelden.

Visualisierung des Neuen Zentrums Birsfelden.

Bild: zVg/Harry Gugger Studio

Mit dem Begriff «historisch» wird heutzutage oft leichtfertig umgegangen. Doch was die Birsfelder Gemeindeversammlung beschlossen hat, verdient für einmal dieses Prädikat. Das überaus deutliche Ja zur Neugestaltung des Zentrums bekundet den Willen der anwesenden Einwohnerinnen und Einwohner, aus ihrem Wohnort mehr machen zu wollen als den über die Jahrhunderte gewachsenen Vorort, der mehr einer Einfahrts- und Ausfahrtsachse nach und von Basel gleicht denn einer Gemeinde mit einem eigenständigen Charakter.

Die Behörden um dem umtriebigen Gemeindepräsidenten Christof Hiltmann haben sich diesen Sieg durch eine sorgfältige Planung verdient. Städtebaulich wie auch aus sozialer Perspektive ist die Neugestaltung so durchdacht wie zeitgemäss - verdichtetes Bauen, günstiger Wohnraum, viele Grünflächen. Birsfelden hebt sich damit ab von den meist ideen- und gesichtslosen Ortskernplanungen aus dem vergangenen Jahrhundert, welche zahlreiche Gemeinden der Agglomeration Basel prägen.

Selbstverständlich weckt ein solch grosses Projekt auch Befürchtungen, da können noch so viele Mitwirkungsprozesse und Bevölkerungsanhörungen organisiert worden sein. In den vergangenen Monaten mussten sich einige Gemeinden rund um Basel nach einem Volksentscheid von ihren Areal- und Entwicklungsplänen verabschieden. Die Gründe für die Ablehnung sind vielfältig. Ihnen liegt jedoch oft ein Missverständnis zugrunde - nämlich die Vorstellung, eine Gemeinde in Stadtnähe liege «auf dem Land».

Die Birsfelderinnen und Birsfelder sind diesem Trugbild nicht erlegen, selbst die Gegner des Jahrhundertprojekts stellen dessen städtischen Charakter nicht grundsätzlich in Frage. Dass sie nun das Referendum ergreifen, ist zwar ihr gutes Recht, sie riskieren damit aber zu viel. Mit einem Nein zum neuen Zentrum würde über viele weitere Jahre ein Status quo zementiert, den eigentlich niemand will. Und Birsfelden bliebe weiter nur ein Durchfahrtsort.

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