Wintersingen
Geprägt von Heilsarmee und Woodstock

Der Bluesmusiker Markus Gisin hat in den letzten Jahren harte Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Diese versucht er in seinen Liedern zu verarbeiten.

Simon F. Eglin
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«I ha an d’Himmelstür grockt, niemer het mir Tür ufgmacht», startet der «Himmelstür Rock» auf der neuen CD «Hotel Mama» der Markus Gisin Blues Band (mgbb), die am Samstag in Pratteln getauft wird. Noch nicht lange ist es her, als Bandleader Gisin tatsächlich an die Himmelstüre geklopft hat.

Hätte ihn vor rund zwei Jahren seine Frau nicht bewusstlos am Boden im Bauernhaus in Wintersingen gefunden, wäre der Musiker an einer Meningokokken-Vergiftung gestorben. Zehn Tage wurde er ins künstliche Koma versetzt und verlor ein Bein, nicht aber die fast seit 50 Jahren anhaltende Passion für den Blues. Bereits 2004 war Gisin mit Leukämie im Endstadium ins Spital eingeliefert worden, wo er dann vier Monate gegen den Blutkrebs kämpfte und obsiegte.

Nicht nur Trübsal

Der wohl prägendste Schicksalsschlag war aber 2001, als er unschuldig von der Baselbieter Polizei-Sondereinheit Barrakuda niedergeschlagen wurde. Starke Rückenschmerzen und psychische Probleme sowie die Arbeitsunfähigkeit waren die Folge. «Der juristische Kampf gegen diese Ungerechtigkeit ist auch zehn Jahre danach noch nicht abgeschlossen», sagt Gisin. Wohl aber der musikalische: Mit dem Song «Barrakuda-Blues» hat er seinen Schmerz auf die erste CD «Bluesmagie» gebrannt.

Der Wintersinger hat also allen Grund dazu, sich voll und ganz dem Blues zu widmen; jener Musikform, die in der Urform Schwermut und Traurigkeit zum Ausdruck bringt. «Unsere Band bietet zwar nachdenkliche Titel, versprüht aber durchaus auch Optimismus und Lebensfreude», wehrt er sich gegen die Melancholie-Schubladisierung. So sind die Songs auf der neuen Dialekt-CD «Hotel Mama» denn auch durchaus lebhaft und rockig. Seit zwei Jahren tragen zwei professionelle Bläser bei der mgbb dazu bei, dass die Stücke funkiger werden und im wahrsten Sinne des Wortes weniger Trübsal geblasen wird.

Kind eriner Heilsarmee-Familie

Gitarrist Markus Gisin ist in Birsfelden in einer Heilsarmee-Familie gross geworden und lernte von klein auf diverse Instrumente zu spielen. Inspiriert vom grossen Woodstock-Festival Ende der 60er-Jahre gründete er mit zwei Cousins die Band Calvary und widmete sich beeinflusst von Hendrix, Clapton und BB King mehr und mehr dem Blues-Rock. Anfang der 80er-Jahre gehörte Gisin zu den Mitgründern der Bluesband Checkin Blue, mit der er insgesamt 158 Konzerte in der Schweiz, Deutschland und Frankreich absolvierte.

Nach zahlreichen weiteren Gastspielen gründete der Wintersinger dann 2006 die mgbb, die sich aus sieben Musikern zusammensetzt, die mehrheitlich aus dem Baselbiet stammen. Dafür verantwortlich, dass bei der mgbb hauptsächlich im Dialekt gesungen wird, ist ausgerechnet der griechische Saxofonspieler Yiannis Papayiannis, der persönlich kaum ein Wort versteht. «Das Feeling kommt einfach authentischer rüber als in Englisch», habe er die Bandproben kommentiert, und Markus Gisin und Sängerin Manu Hartmann texten seither mehr auf Baselbieterdeutsch.

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