Holzdom
Gemeindeversammlung entscheidet nächste Woche: Aescher Volk soll das letzte Wort haben

Der Holzdom sei zu teuer, sagen zwei ehemalige Gemeinderäte. Nächste Woche entscheidet die Gemeindeversammlung.

Michel Ecklin
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Aesch will einen – Pratteln kriegt einen: Einen Holzdom. Hier ist der typenähnliche Saldome 2 von Häring in Riburg im Bau.

Aesch will einen – Pratteln kriegt einen: Einen Holzdom. Hier ist der typenähnliche Saldome 2 von Häring in Riburg im Bau.

az-Archiv/ach

Zwölf Seiten verwendet der Aescher Gemeinderat, um in den Unterlagen für die kommende Gemeindeversammlung das Dom-Projekt anzupreisen. Er organisierte zudem eine Ausstellung und diverse Infoveranstaltungen, um diese Sport- und Eventhalle aus Holz für 2000 Besucher in ein gutes Licht zu rücken. Und in den vergangenen Wochen diskutierte Aesch vor allem darüber, ob trotz Corona die Gemeindeversammlung über den 19-Millionen-Baukredit abstimmen soll. Kaum zu hören waren bisher die Kritiker.

Megabau sei «jenseits von Gut und Böse»

Doch jetzt werden sie langsam lauter. Zwei ehemalige Gemeinderäte exponieren sich nämlich öffentlich gegen das Projekt, unabhängig voneinander. «In einer unsicheren Zeit wie jetzt einen derartigen Megabau hinzustellen, ist jenseits von Gut und Böse», sagt Paul Svoboda, bis 2017 für die SP im Gemeinderat. Schliesslich wisse man noch nicht, wie sich Corona auf die Steuereinnahmen auswirken werde.

Zudem stellt er den Bedarf nach einer Halle in Frage. «Es waren nicht die Vereine, die gesagt haben, dass sie mehr Raum brauchen. Es war der Gemeinderat, der aktiv auf sie zuging und ihnen eine zweite Dreifachhalle anbot.» Die Vereine hätten dazu natürlich nicht Nein gesagt. Dabei habe keine andere Gemeinde im Baselbiet zwei solche Hallen. Svoboda ist deshalb überzeugt: «Hier wollen sich einige Gemeinderäte selber verwirklichen.» So weit würde Markus Lenherr, bis 2016 im Gemeinderat, nicht gehen. «Aber der Betrag, den wir für den Dom zahlen müssten, wäre sicher denkmalwürdig», sagt er. «Denn wir werden lange daran denken müssen.»

«Egal, wie man es berechnet: Das wird die Rechnung über Jahre belasten»

Ein solches überregionales Projekt solle nicht eine einzelne Gemeinde tragen, findet er. Denn eine Investition von fast 20 Millionen Franken bei einem Umsatz von rund 40 Millionen pro Jahr hält er für überrissen. «Egal, wie man es berechnet: Das wird die Rechnung über Jahre belasten.»

Auch die Gemeindekommission empfiehlt der Gemeindeversammlung am 12. Dezember, den Dom nicht zu bauen. «Einige Mitglieder hatten Angst, wie sich Corona auf die Steuereinnahmen und das Budget der Gemeinde auswirken könnte», so erklärt Präsident Erich Wyss (SP) das Zustandekommen des Entscheids, der mit neun zu fünf Stimmen fiel. Eine gewisse Rolle hätten wohl auch Bedenken bezüglich Verkehr gespielt.

«Keine einheitliche Meinung» bei den Grünen

Voraussichtlich werden die Befürworter in den Vereinen für die Gemeindeversammlung mobilisieren. Ob die Gegner ihrerseits möglichst viele Stimmbürger motivieren wollen, ist noch offen. Jedenfalls setzen sie nach einem Ja am 12. Dezember auf ein Referendum. Dafür braucht es in Aesch 500 Unterschriften. Svoboda hat bereits mit vielen gesprochen, die möchten, dass der Dom an die Urne kommt. Sowohl er als auch Lenherr wollen gegebenenfalls selber Unterschriften sammeln und sich für ein Nein einsetzen.

Ob die beiden von einer Partei Unterstützung erhalten, ist noch unklar. Bisher hat sich die FDP für ein Ja ausgesprochen, laut Website «grossmehrheitlich». Die Idee für den Dom ausgetüftelt hatte die freisinnige Ex-Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger. Bei den Grünen gibt es laut Präsident Marco Agostini «keine einheitliche Meinung».

Fronten verlaufen nicht entlang der Parteigrenzen

In der SP hat sich, neben Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher, vor allem Landrat und Parteipräsident Jan Kirchmayr in den sozialen Medien für die Halle starkgemacht. Von den übrigen Parteien steht eine Empfehlung noch aus. Nur: Die Fronten verlaufen in der Dom-Frage nicht entlang der Parteiengrenzen, wie Erich Wyss in den Diskussionen der Gemeindekommission festgestellt hat: «Die Meinungen waren querbeet verteilt.»

Auch die SVP ist gespalten. Laut Präsident Ueli Siegenthaler wäre die Partei aber einem Referendum nicht abgeneigt, unabhängig von der Mehrheitsmeinung ihrer Mitglieder. Er ist nämlich überzeugt: Die Gemeindeversammlung werde eine «Lobbyistenveranstaltung» sein, bei der einige hundert Bürger über ein 19-Millionen-Projekt entscheiden würden, mit entscheidenden Folgen für Aesch. Er findet daher: «Eine Volksabstimmung bei einem so grossen Geschäft wäre sicher demokratischer.»