Liesberg
Firma will Mega-Solarpark bauen – doch Naturschützer stellen sich quer

Die Kelsag plant, auf einer früheren Deponie in Liesberg eine Photovoltaik-Anlage zu erstellen. Dagegen wehren sich der WWF und der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV): Der Solarpark würde die Fläche verschatten

Benjamin Wieland
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bz Basel

Der WWF Region Basel und der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV) sprechen sich gegen das Projekt einer freistehenden Fotovoltaik-Anlage auf einer ehemaligen Abfalldeponie in Liesberg aus. Die beiden Verbände schreiben in einer gestern verschickten gemeinsamen Medienmitteilung, das Vorhaben käme in einem bedeutenden «Natur-Hotspot» im Kanton Baselland zu stehen. Die Pläne würden damit gesetzlichen Vorgaben und behördlichen Entscheiden widersprechen.

Die zwei Umweltschutzorganisationen lehnen somit die entsprechenden Änderungen des Teilzonen- sowie des Zonenreglementes ab, die vorliegende Planung sei «abzubrechen oder abzuweisen».

Zuerst waren Renaturierungen vorgesehen

Derzeit läuft das Mitwirkungsverfahren für die Errichtungen der Solaranlagen. Zu stehen kämen sie im Gebiet Hinter Chestel im Ortsteil Liesberg-Riederwald. Dort betrieb die Kehrichtbeseitigung Laufental Schwarzbubenland AG (Kelsag) als Grundeigentümerin seit 1985 eine Deponie – zunächst für Haushaltsabfälle, zuletzt für Aushubmaterial.

Die ursprünglichen Pläne sahen vor, dass die Fläche nach der Auffüllung renaturiert wird. Statt der ökologischen Wiederherstellungsmassnahmen sollen nun jedoch der Teilzonenplan und das Zonenreglement so geändert werden, dass die Installation von Fotovoltaik-Anlagen möglich wird.

Der WWF und der BNV schreiben, sie würden Fotovoltaik unterstützen. «Aber nicht auf Kosten von Massnahmen zu Gunsten der Natur innerhalb eines derart wertvollen Umgebungsperimeters.»
Ausserdem würden freistehende Solaranlagen dem Grundsatz des haushälterischen Umgangs mit dem Boden widersprechen. «Sie sollen auf den in unmittelbarer Umgebung der Verfügung stehenden Industrie- und Gewerbedächern installiert werden», schreiben WWF und BNV. «Dies entspricht auch den Empfehlungen der zuständigen Bundesämter.» Die geplante Anlage würde das Areal beschatten und die «Entwicklung eines angestrebten sonnig-trockenarmen Standortes» verhindern.

Bund sieht für Solarzellen in erster Linie Dächer vor

Vier Bundesämter gaben 2012 ein Positionspapier zu freistehenden Fotovoltaik-Anlagen heraus. Es heisst, die Energiestrategie 2050 des Bundes stütze sich auch auf den Ausbau der Sonnenenergie. Die Infrastruktur solle jedoch in erster Linie auf Gebäuden und in der Bauzone gefördert werden. Ausserdem seien Fotovoltaik-Anlagen in den seltensten Fällen standortgebunden. «Insbesondere Anlagen auf Kulturland und auf ökologischen Vorrangflächen (...) führen zu Nutzungskonflikten und widersprechen einer haushälterischen und nachhaltigen Bodennutzung.»

Die geplante Anlage in Riederwald wäre rund 11 000 Quadratmeter gross. Das entspricht eineinhalb Fussballfeldern.