Demenzabteilung
Ferienresort «Vivo bene»: Paare schöpfen in Thailand Kraft

Seit drei Monaten ist das von einer Liestaler Firma geführte Ferienresort «Vivo bene» für Demenzkranke und ihre Partner in Thailand in Betrieb. Und das Angebot kommt gut an.

Andreas Hirsbrunner
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Blick auf das neu eröffnete Ferienresort «Vivo bene» im Norden von Thailand, das von einer Liestaler Firma betrieben wird. Fotos: zvg/Alberto Cosi/Khun Paen

Blick auf das neu eröffnete Ferienresort «Vivo bene» im Norden von Thailand, das von einer Liestaler Firma betrieben wird. Fotos: zvg/Alberto Cosi/Khun Paen

Alberto Cosi

Es war kein Start nach Plan und es kam zu Zeitverzögerungen und Kostenüberschreitungen. Doch seit letztem November ist das Resort «Vivo bene» in der Nähe der nordthailändischen Stadt Chiang Mai in Betrieb. Dass in der Vorbereitung nicht alles rund lief, erstaunt wenig, denn «Vivo bene» ist ein weitgehendes Pionierprojekt: Die sechs Pavillons, das Hotel, das Restaurant, die Bäckerei, das Personalhaus sowie die Freizeitanlagen auf dem 36'000 Quadratmeter grossen, eingezäunten Gelände, wurden für 60 Demenzkranke und ihre Angehörigen vornehmlich aus der Schweiz gebaut.

Bernhard Rutz, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der in Liestal beheimateten Vivo bene AG, sagt zur Startphase: «Unsere Erfahrungen mit den Gästen hier sind durchwegs positiv. Besonders überrascht sind diese von der hohen Qualität, Sensibilität und Liebenswürdigkeit unserer thailändischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.» Deren Mentalität – hilfsbereit, fröhlich, respektvoll – ist ein wichtiger Grund, dass «Vivo bene» gerade in Thailand steht. Dazu kommen natürlich auch die relativ tiefen Anlage- und Betriebskosten. So kostete die ganze Anlage rund neun Millionen Franken und ein Platz für einen Demenzkranken kommt bei Vollzeitbetreuung auf 5800 Franken im Monat zu stehen. Bis jetzt haben zehn Pflegebedürftige mit ihren Angehörigen jeweils bis zu einem Monat im «Vivo bene» verbracht.

Wieder ein bisschen Freiheit

Die ersten Gäste waren Marlis Nägeli (72) und ihr demenzkranker Mann (84) aus Gossau, die nächste Woche bereits zum zweiten Mal zur Erholung nach Thailand reisen. Wobei die Erholung vor allem Marlis Nägeli zugute kam: «Es ist ein riesiger Druck von mir gefallen, weil ich in Thailand gesehen habe, dass ich ruhig auch etwas für mich machen kann.» Denn ihr Mann, der auf Hilfe angewiesen sei, aber auch klare Momente habe, sei vom Personal auf eine sehr gute Art abgeholt worden - «behutsam, einfühlsam und mit einer gesunden Portion Charme». So habe sich ihr Mann geborgen gefühlt und sich nicht so an sie geklammert.

Ein «ruhiges Gefühl» gebe auch, dass dem thailändischen Personal «bestausgewiesene Schweizer Pflegefachfrauen» als Leiterinnen zur Seite stünden; derzeit sind acht der 70 Angestellten aus der Schweiz. Trotzdem ist für Marlis Nägeli ein Daueraufenthalt in Thailand kein Thema. Dies wegen ihrer sozialen Kontakte hier in der Schweiz. Sie kann sich aber vorstellen, in Zukunft die Wintermonate mit ihrem Mann in Thailand zu verbringen.

Diesbezüglich musste auch Bernhard Rutz seine ursprüngliche Idee zumindest vorübergehend revidieren: Er ging bei seinem Konzept davon aus, dass zwei Drittel der Gäste für den ganzen Lebensabend, die restlichen ferienhalber ins «Vivo bene» kommen. Rutz: «Die meisten Ehepaare ziehen einen Ferienaufenthalt mit Pflege vor. Deshalb konzentrieren wir uns nun darauf.» Viele Fachleute seien überzeugt, dass ein Monat pro Jahr im «Vivo bene», bei dem der pflegende Partner sich ohne Belastung erholen könne, die Einweisung des Demenzkranken in ein Heim wesentlich hinausschiebe.

Rutz hofft, dass solche von Hausärzten verschriebenen Erholungsaufenthalte bald von den Krankenkassen mitgetragen werden. Dazu Rutz: «Aus wirtschaftlicher Optik bedeutet jedes Pflegejahr länger zu Hause Einsparungen in sechsstelliger Höhe.» Zudem steige nach einem Aufenthalt im «Vivo bene» die Lebensqualität der Paare. Sie gewännen beidseitig wieder Vertrauen und erhielten vom Fachpersonal viele Tipps für ihren harten Alltag in der Schweiz.

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