Fangewalt
Hooligan-Konkordat: Landrat lehnt Beitritt nach emotionaler Debatte ab

Baselland bleibt zusammen mit Basel-Stadt der einzige Kanton, der nicht dem erweiterten Hooligan-Konkordat beigetreten ist. Sorgen um die Verletzung der Grundrechte aller Matchbesucher überwogen.

Michael Nittnaus 1 Kommentar
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Die Ausschreitungen im Joggeli am 13. Mai 2006 gelten als einer der Hauptgründe, weswegen die Kantone härter durchgreifen wollten.

Die Ausschreitungen im Joggeli am 13. Mai 2006 gelten als einer der Hauptgründe, weswegen die Kantone härter durchgreifen wollten.

Patrick Straub/Keystone

Acht Jahre ist es her, seit Baselland dem Beitritt zum erweiterten Hooligan-Konkordat eine klare Absage erteilte. Zusammen mit Basel-Stadt setzt der Kanton stärker auf Fanarbeit denn auf den erweiterten polizeilichen Handlungsspielraum, den die Mitgliedskantone des Konkordats haben.

Am Donnerstag doppelte der Landrat nach, indem er mit 42 zu 30 Stimmen bei sechs Enthaltungen eine Motion von Yves Krebs (GLP) ablehnte. Dieser forderte den Beitritt Basellands zum Konkordat, da sich die Gewaltbereitschaft der Fans zuletzt wieder verstärkt habe.

Was würde der Beitritt für Vorteile bringen?

Krebs konnte die Fraktion Mitte/GLP überzeugen, die EVP, grosse Teile der SVP sowie vereinzelte Grüne. Die klare Ablehnung durch SP und FDP sowie der Mehrheit der Grünen genügte jedoch für das Nein. Der Ablehnung voraus ging eine hochemotionale, teils gehässige Debatte. Krebs wurde vorgeworfen, keinerlei Argumente zu bringen, was für Vorteile das Konkordat für Baselland genau hätte. Dennoch hätte die Regierung die Motion entgegennehmen und den Beitritt einleiten wollen.

Am Ende überwogen aber die Befürchtungen, dass verschärfte Mittel wie Rayonverbot oder Leibesvisitationen zu stark in die Grundrechte aller Matchbesucher eingreifen. FDP-Landrat Balz Stückelberger hielt fest:

«Letztlich wird das Strafrecht ausgehebelt. Die Errungenschaften unseres Rechtsstaates mit der Unschuldsvermutung oder der Beweispflicht würden nicht mehr gelten. Das macht mir Angst.»

Und Tania Cucè (SP) zeigte auf, dass der FC Basel im Ranking der Vorfälle an Fussballmatches lediglich an sechster Stelle der Superligisten stehe – und das ganz ohne Konkordat.

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Ruedi Basler

Weil die Indentifikation der Gewalttäterschaft extrem schwierig bis unmöglich ist gab es in den vergangenen Jahren kaum Verurteilungen. Obwohl ein Teil der Kantone seit der Gründung 2007 des Hooligan-Konkordat beitraten änderte sich wenig. Wünschenswert ist, dass die wirksame Fanarbeit intensiviert und von der Politik und zugewandten Orten stärker unterstützt und geschätzt wird. Ich hörte aus der Politik kaum Forderungen, dass in den Kurven mehr FanarbeiterInnen sein müssten. Zum Glück machte der Baselbieter Landrat bei dieser sinnlosen Konkordanz-Hysterie nicht mit.