Petitio.ch
Einwohner wehren sich für ihre Post

Bereits in vier Baselbieter Gemeinden werden Unterschriften für den Erhalt der Poststelle gesammelt.

Julia Gohl
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Ein überparteiliches Komitee rund um Miriam Locher sammelt Unterschriften für den Erhalt der Poststelle Gartenstadt in Münchenstein.

Ein überparteiliches Komitee rund um Miriam Locher sammelt Unterschriften für den Erhalt der Poststelle Gartenstadt in Münchenstein.

Kenneth Nars

Es dauerte nur wenige Stunden, schon waren die notwendigen 100 Unterschriften für die Petition «Für unsere Poststelle Zwingen» auf der Onlinepetitionsplattform «petitio.ch» zusammen, obwohl sie noch 26 weitere Tage läuft. Gestern Nachmittag waren es bereits 120, dazu kommen noch über 60 Unterschriften auf Papier.

Stephan Feld (SP) vom Petitionskomitee zeigt sich wenig erstaunt. «Der Erhalt der Poststelle ist der Bevölkerung einfach ein grosses Anliegen», sagt er. Auch die Gemeinde habe sich schon bei ihm gemeldet. Sie brauche dringend Unterschriftenbögen, weil so viele Leute deswegen anfragen.

Grund für die Petition ist das im Oktober angekündigte Vorhaben der Post, schweizweit rund 600 Poststellen zu schliessen. Welche dies sein sollen, wird erst im Sommer kommuniziert. Syndicom hat im Januar aber schon einmal eine Gefährdungskarte erstellt mit den Poststellen, die betroffen sein könnten. Zwingen ist dabei nur eine von 24 Baselbieter Gemeinden, die von der Gewerkschaft als gefährdet eingestuft werden.

«Aufstrebende Gemeinde»

Für Feld wäre die Schliessung der Filiale in Zwingen besonders schlimm, weil in den umliegenden Gemeinden wie Brislach bereits Poststellen geschlossen worden sind. «Damals wurde das mit dem Verweis gemacht, dass man die Postgeschäfte in Zwingen erledigen kann», erinnert sich Feld. Da könne man diese Filiale nun nicht einfach schliessen. Ausserdem sei Zwingen eine aufstrebende Gemeinde. So sollen etwa auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik einmal gut 400 neue Einwohner leben. «Und der zusätzliche Verkehr, falls man künftig zur Post nach Laufen fahren muss, wird die bereits stark beanspruchten Strassen zusätzlich belasten.»

Nach der Fasnacht will das überparteiliche Komitee hinter der Petition auch auf der Strasse Unterschriften sammeln. Bereits zwei Mal gemacht hat das die SP Aesch-Pfeffingen, die im Baselbiet vor rund drei Wochen als erste eine Petition zur Erhaltung einer Poststelle lanciert hatte. Zweimal stand sie am Wochenende vor der Filiale in Aesch. «Die Leute standen Schlange, um zu unterschreiben», erzählt Komiteemitglied Jan Kirchmayr. «Und das ist nicht einfach eine Redewendung. Wir haben schon über 1000 Unterschriften zusammen.» Darunter seien nicht nur Aescher, die ihre Poststelle retten wollen, sondern vor allem auch viele Pfeffinger. Deren Poststelle wurde letztes Jahr bereits geschlossen und mit einem Hausservice ersetzt. «Dieser funktioniert offenbar schlecht, weshalb es für die Pfeffinger wichtig ist, wenigstens in Aesch weiterhin ihre Postgeschäfte erledigen zu können.»

Eine Petition zur Erhaltung ihrer Poststelle hat auch die SP Bottmingen lanciert. Sie sei noch am Anlaufen, sagt Parteipräsidentin Marie Anne Moser. Sammelaktionen seien für 31. März sowie 3. April vorgesehen. «Uns ist es wichtig, ein Zeichen gegen die Schliessung zu setzen.»

Münchenstein lanciert Petition

Gerade einmal fünf Unterschriften hatte die überparteilich getragene Petition zur Erhaltung der Poststelle Gartenstadt Münchenstein gestern Abend auf «petitio.ch».

Miturheberin Miriam Locher relativiert: «So weit nicht verwunderlich. Unsere Petition ist noch nicht offiziell lanciert. Ab Samstag sammeln wir ausserdem auf der Strasse, dann sieht es ganz sicher anders aus.» Denn egal, wen man darauf anspreche, dass die Poststelle Gartenstadt gefährdet sein könnte, sei für alle unverständlich.

«In Münchenstein wurde bereits eine Poststelle geschlossen, eine weitere durch eine Agentur ersetzt. Die Gartenstadt-Poststelle ist die letzte verbleibende. Dieser Abbau würde von Jung bis Alt alle empfindlich treffen. Dies mobilisiert» Ausserdem sollen auf der Achse Gartenstadt bis Dreispitz in den nächsten Jahren gut 2000 neue Einwohner dazukommen und in der Gemeinde befänden sich jetzt schon 10 700 Arbeitsplätze. «Da ist eine umfassende postale Versorgung einfach notwendig.»

Das sieht auch der Gemeinderat so. Man habe die Petition intensiv diskutiert, sagt Gemeindepräsident Giorgio Lüthi. «Selbstverständlich unterstützen wir das Anliegen.» Allerdings wird der Gemeinderat nicht von Amtes wegen zu den Erstunterzeichnenden gehören. «Wir sind mit der Post in Kontakt und die Signale, die wir von ihr erhalten, sind positiv. Ich bin überzeugt, dass der Standort Gartenstadt für die Post nicht wirklich zur Debatte steht.» Man sei deshalb aber nicht blauäugig und behalte die Entwicklung weiterhin im Auge.

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