Dornach
Gemeinderäte tragen Neubau-Streit über Leserbriefe aus

Wieder einmal wird ein Konflikt zwischen einzelnen Gemeinderäten in Dornach öffentlich ausgetragen. Dieses Mal geht es um den Neubau der Gemeindeverwaltung.

Tobias Gfeller
Drucken
Teilen
Die provisorische Gemeindeverwaltung von Dornach geht ins Geld.

Die provisorische Gemeindeverwaltung von Dornach geht ins Geld.

Roland Schmid

Eigentlich hätten im Mai 2018 die Umbauarbeiten für die Dornacher Gemeindeverwaltung beginnen sollen. Dafür genehmigte die Gemeindeversammlung vor fünf Jahren 880'000 Franken. Die Probleme begannen früh: Zuerst brauchte es einen Nachtragskredit über eine Million Franken, danach stellte sich heraus, dass nicht mal das zusätzlich gesprochene Geld reichen würde. Es wurden das Architekturbüro und der Planer ausgetauscht und das Projekt redimensioniert. Dann kam auf einmal ein Neubau an anderer Stelle ins Spiel, der aber auch wieder verworfen wurde.

Nach weiteren Diskussionen und Unstimmigkeiten im Gemeinderat genehmigte die Gemeindeversammlung im vergangenen August einen neuen Baukredit für ein neues Umbauprojekt des Gemeindehauses, das 2,8 Millionen Franken kosten soll. Nun kann Gemeindevizepräsident Daniel Müller (FDP) als Leiter der Steuergruppe zum Umbau der Gemeindeverwaltung verkünden: Seit der Gemeindeversammlung im August läuft alles nach Plan. Der Architekt und die Fachplaner hätten SIA-konform im September mit der Detailplanung begonnen.

Am 19. November wurde das Baugesuch eingereicht, Mitte Januar wurde die Baubewilligung erteilt. Gemäss Plan soll im April mit den Baumeisterarbeiten begonnen werden können.

Berechtigte Kritik oder Wahlkampf?

Der Umzug ist gemäss Daniel Müller für das vierte Quartal des laufenden Jahres geplant. Für die Bauarbeiten sei aktuell die Verfügbarkeit der Handwerker «coronabedingt» die grösste Herausforderung. Für den Umbau selber seien im Vorfeld viele Abklärungen getroffen und in den Planungen berücksichtigt worden. «Bei einem Altbau kann immer etwas Unvorhergesehenes auftauchen. Wir sind aber vorbereitet.» Am aufregendsten sei derzeit die Räumung. «Man hat den Eindruck, der Auszug damals sei fluchtartig erfolgt.»

Im lokalen «Wochenblatt» stritt sich der Dornacher Gemeinderat wegen der Gemeindeverwaltung wieder einmal öffentlich in den Leserbriefspalten. Angefangen hat es am 4. Februar, als ein Leser Daniel Müller vorwarf, für abermalige Verzögerungen seit 2020 verantwortlich zu sein.

Müller schoss eine Woche später zurück und stellte klar, dass es wegen Corona und der «teilweise fragwürdigen Rückweisungen des Vorprojekts durch die grüne Fraktion im Gemeinderat» zu weiteren Verzögerungen gekommen sei. Dem widersprachen seine Gemeinderatskollegen Daniel Urech und Thomas Gschwind (beide Freie Wähler) wiederum eine Woche später: Beim Ausbruch der Coronapandemie sei der Zeitplan bereits in Verzug gewesen.

«Die Bevölkerung ist sicher bereit, gewisse sachlich und transparent kommunizierte Verzögerungen zu akzeptieren. Falsche Schuldzuweisungen dienen aber weder dem Projekt noch der Gemeinde ganz allgemein.»

Der angegriffene Daniel Müller bezeichnet die Vorwürfe als «haltlos und unbegründet» und spricht von «Wahlkampf- und Ablenkungsmanövern».

Provisorium geht ins Geld

Die jahrelangen Verzögerungen gehen für die Gemeinde Dornach massiv ins Geld. Die Miete für die provisorische Gemeindeverwaltung in der Metalli kostet jeden Monat rund 10'000 Franken, wovon aber gut ein Drittel aufs Konto der Sozialregion Dorneck geht. Denn schon heute ist klar, dass die zusammengeführte Sozialregion in der Gemeindeverwaltung auch nach dem Umbau nicht Platz haben wird, erinnert Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler). Die Sozialregion braucht Raum für rund 25 Arbeitsplätze. Doch für einen solchen Umzug geeignete Objekte seien in Dornach «rar».

Aktuelle Nachrichten