Liestal
Die SBB prüfen einen Neubau des Bahnhofs in Liestal

Die SBB planen, den heutigen Bahnhof in Liestal druch einen Neubau zu ersetzen. Bis Sommer 2013 soll das Ergebnis einer Studie vorliegen, konkrete Pläne gibt es noch keine. So existiert auch noch keine Kostenschätzung für einen eventuellen Neubau.

Boris Burkhardt
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«Ich finde, der Bahnhof in Liestal passt nicht recht zur Stadt. Liestal ist Kantonshauptort und hat einen anderen, zeitgemässen Bahnhof verdient.» Der Wunsch des neuen Baselbieter Kantonsarchitekten Thomas Jung, den er gestern im Gespräch mit der bz äusserte, könnte schneller wahr werden, als er vielleicht gedacht hätte.

Denn in der Tat haben die SBB eine Studie in Auftrag gegeben, die laut Pressesprecher Daniele Pallecchi zeigen soll, ob eine Sanierung des altersschwachen Bahnhofsgebäudes genüge, «oder ob ein Neubau nötig sein wird». Mit der Arbeit an der Studie wird diesen Herbst begonnen; die Resultate werden im August 2013 erwartet.

Liestal von nationaler Bedeutung

Kostenschätzungen für einen eventuellen Neubau gibt es noch keine. «Das wird die Auswertung der Studie ergeben», sagt Pallecchi. Kantonsarchitekt Jung hielte ein neues Bahnhofsgebäude zusammen mit dem Staatsarchiv und der Kantonsbibliothek für eine «gute Visitenkarte für die Kantonshauptstadt». Laut Pallecchi werden die SBB auf Fragen des Stadtbildes ebenfalls erst nach Auswertung der Studie eingehen können.

Er gibt Jung aber Rückendeckung, wenn dieser ein repräsentativeres Gebäude für die Kantonshauptstadt fordert: «Jeder Bahnhof, der vom Fernverkehr bedient wird, geniesst nationale Bedeutung.»

In der Kantonshauptstadt selbst zeigt man sich einem neuen Bahnhofsgebäude gegenüber ebenfalls aufgeschlossen. Stadtverwalter Benedikt Minzer findet es «toll, dass der Kantonsarchitekt bereits in einem solch frühen Stadium seine Hilfe anbietet».

Es liegen keine aktuellen Pläne vor

Trotz einer Studie zur Weiterentwicklung des Bahnhofsareals vor einigen Jahren, gibt es auch auf der Stadt noch keine aktuellen Pläne für einen Neubau: «Das liegt noch viel zu weit in der Zukunft.» Ein Neubau wäre laut Minzer in jedem Fall ein gemeinsames Projekt von SBB, Stadt und Kanton.

Allerdings geht Minzer davon aus, dass beim vierspurigen Ausbau mit der geplanten Überwerfung (die bz berichtete) im Bahnhof «kein Stein auf dem anderen» bleiben werde. Pallecchi stellt jedoch klar: «Das Bahnhofgebäude ist von der Überwerfung nicht betroffen.»

«Ein wunderschönes Gebäude»

Zurückhaltend reagiert Michael Bischof, Marketingchef des kommunalen Gewerbeverbands KMU Liestal. Der Bahnhof sei noch nie so zur Geltung gekommen wie jetzt, sagt er, betont aber, dass dies seine persönliche Meinung sei, nicht die offizielle des Verbandes.

Persönlich hält Bischof auch eine Renovation des Palazzo für wichtiger: «Der Palazzo ist im jetzigen Zustand nicht repräsentativ für Liestal. Dabei sind er und die Bahnhofshalle beides wunderschöne Gebäude.»

Palazzo repräsentiert Hauptstadt

Brigitte Frei von der Kantonalen Denkmalpflege bestätigt die historische Bedeutung der Gebäude. Das ehemalige Post- und Telegrafenhaus, der heutige Palazzo, wurde 1891 vom Schweizer Architekt Hans Wilhelm Auer entworfen.

Auer war auch Architekt des Bundeshauses in Bern. Zum Bau des Liestaler Palazzos verwendete er laut Frei unterschiedliche Steinarten aus dem ganzen Land: «Das Gebäude sollte die ganze Schweiz repräsentieren.» Das Bahnhofsgebäude selbst ist nach SBB-Angaben aus dem Jahre 1948. Laut Frei steht es zwar in einer kommunalen Schutzzone, nicht aber unter kantonalem Denkmalschutz.

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