Landrat
Die Baujagd bleibt im Baselbiet erlaubt - doch nur als absolute Ausnahme

Die erste Lesung des Jagdgesetzes vor zwei Wochen täuschte: Die Jagd mit Hunden in Fuchs- oder Dachsbauten wird nun doch nicht verboten. Der Landrat führt aber eine Bewilligungspflicht ein. Regierungsrat Thomas Weber kündigt an, diese sehr restriktiv auszulegen.

Michael Nittnaus
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Füchse sind in ihren Bauten im Baselbiet weiterhin nicht ganz vor Jägern geschützt – aber besser als bisher.

Füchse sind in ihren Bauten im Baselbiet weiterhin nicht ganz vor Jägern geschützt – aber besser als bisher.

bz

Vor zwei Wochen noch stiessen die Baselbieter Jäger im Landrat auf taube Ohren. Trotz eines offenen Briefes der Jagdgesellschaft an alle Landrätinnen und Landräte, von einem Verbot der traditionellen Baujagd abzusehen, blieb das Parlament dabei. Nach der ersten Lesung der Totalrevision des kantonalen Jagdgesetzes wäre die Jagdart, bei der Füchse, Dachse oder Waschbären mit Hunden aus ihren Bauten gejagt, um dann erschossen zu werden, «grundsätzlich verboten» worden. Nur «ausnahmsweise zur Wahrung von überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen» hätte die zuständige Fachstelle eine Bewilligung erteilen können (die bz berichtete).

Eine Bewilligung ist keine Ausnahmebewilligung

Heute Donnerstag kippte eine hauchdünne Mehrheit das Verbot wieder aus dem Gesetz. Mit 43 zu 43 Stimmen per Stichentscheid des Landratspräsidenten Heinz Lerf wurde der Antrag von SVP-Landrat Markus Graf gutgeheissen. Neben der Nachsuche und auf der lauten Jagd dürfen zugelassene Jagdhunde nun explizit «zur Ausübung der Baujagd frei laufen gelassen werden».

Entscheidend ist aber der Zusatz im entsprechenden Paragrafen, dass die Baujagd künftig «nur mit Bewilligung der Fachstelle erlaubt ist». Für Verunsicherung sorgte im Plenum, dass nicht näher definiert ist, unter welchen Voraussetzungen die Bewilligung erteilt wird. «Wäre es nicht besser, von einer ‹Ausnahmebewilligung› zu sprechen?», fragte Simone Abt (SP). «Juristisch gesehen hat man grundsätzlich Anspruch auf eine Bewilligung, eine Ausnahmebewilligung bedingt hingegen klare Voraussetzungen», referierte Jurist Andreas Dürr (FDP) und warnte vor einem Schnellschuss. Nach etwas hin und her blieb es bei Grafs ursprünglicher Formulierung.

Baujagd kann Fuchs und Hund schwer verletzen

Wie das knappe Resultat zeigt, war es aber hoch umstritten. Die emotionalste Kritikerin war wie schon vor zwei Wochen SVP-Landrätin Jacqueline Wunderer: «Es macht mich traurig, mit welcher Beharrlichkeit man an der Baujagd festhalten will. Der Tatbestand der Tierquälerei ist gleich mehrfach erfüllt.» Ruhiger argumentierte Andrea Heger (EVP): «Ein Jäger versicherte mir, dass ein Verbot für sie kein Problem wäre, da ja Ausnahmen möglich geblieben wären.»

Die Bewilligung zur Baujagd werden wir nur sehr restriktiv und einzelfallbezogen erteilen.

(Quelle: Thomas Weber, Volkswirtschaftsdirektor BL)

Doch werden nun Bewilligungen en masse erteilt? Nein, hält der zuständige Regierungsrat Thomas Weber gegenüber der bz fest: «Die Bewilligung werden wir nur sehr restriktiv und einzelfallbezogen erteilen.» Es sei nicht gedacht, dass die Fachstelle Jahresbewilligungen oder für ganze Reviere erteile. «Es braucht übergeordnetes öffentliches Interesse», interpretiert Weber den Willen des Landrates. Er denke dabei etwa an Fuchsbauten unter einem Schulhaus, wodurch Kinder in Gefahr wären. Die genauen Kriterien würden in einer Verordnung festgehalten.

Nicht alles mit Verboten regeln

Hocherfreut mit dem Resultat zeigt sich Markus Graf: «Es kann nicht das Ziel sein, alles mit Verboten zu regeln», sagt er auf Anfrage. Graf ist überzeugt, dass Jäger «verantwortungsbewusst und tierschutzkonform handeln». Schon heute kommt die Baujagd kaum noch zum Einsatz. «Aber bei einem Verbot würden wir das Wissen ganz verlieren und keine Hunde mehr darin ausbilden. Was machen wir, wenn dann die Tollwut wiederkommt?», fragt Graf. Ausserdem sei die getroffene Lösung ein Kompromiss: Die Jagdgesellschaft akzeptiert im Gegenzug, dass ein Vertreter des Tierschutzes in der Kommission für Wildtiere und Jagd Einsitz nimmt.

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