Simsalabim
Der Baselbieter Jung-Magier, der durch Stahl geht

Der Muttenzer Nachwuchs-Zauberer Joël Dänzer präsentiert in Pratteln seine erste grosse Show.

Fabian Schwarzenbach
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Jahrelang hat Joel Dänzer seine Grossillusionen eingeübt. Das Resultat ist am Samstag zu sehen – unter anderem durchschreitet er eine Stahlplatte.

Jahrelang hat Joel Dänzer seine Grossillusionen eingeübt. Das Resultat ist am Samstag zu sehen – unter anderem durchschreitet er eine Stahlplatte.

Fabian Schwarzenbach

Wenn Ihr Sohn nach Hause kommt und Ihnen mitteilt, dass er eben die Dorfturnhalle Pratteln für eine Show gemietet habe, gefriert Ihnen das Blut in den Adern. Selbst wenn Sie längst wüssten, dass Ihr Sohn ein hervorragender Zauberer ist und bereits etliche Auftritte bei Firmen gemeistert hat. So ist es den Eltern von Joël Dänzer ergangen – ihr Sohn hat genau das getan: Er mietete die Prattler Dorfturnhalle. Diesen Samstag bringt er seine erste grosse Illusionsshow auf die Bühne, vor einem beachtlichen Publikum.

Die ersten Tricks zeigte ihm sein mittlerweile verstorbener Grossonkel an einem Familienfest. Von seinem Geburtstagsgeld kaufte er sich einen eigenen Zauberkasten. «Dann hat mich Fussball wieder mehr interessiert», erklärt Dänzer. Er legte den Zauberstab zur Seite, aber nur vorübergehend. Als 14-Jähriger sass er im Publikum einer Show der «Ehrlich Brothers». An dieser wurde in einer Illusion ein Stück Gleis abgeschnitten, das jetzt – von den Brüdern signiert – auf dem Schreibtisch des jungen Magiers steht. «Es ist ein Glücksbringer geworden», meint er. Und nicht nur das: Nach der Show kramte Dänzer seinen Zauberkasten wieder hervor und studierte die Tricks erneut ein. Dazu kaufte er sich Bücher und recherchierte im Internet. «Seitdem liess mich das Zauberer-Virus nicht mehr los», meint der Jung-Illusionist.

Zwei Jahre lang getüftelt

Der 18-Jährige übt zwei bis drei Stunden täglich an seinen Tricks. Er trainiert seine Fingerfertigkeit und die Abfolgen. Um kleinere Tricks einzuspielen, benötigt er rund zwei Monate. Das Einüben einer Grossillusion kann sogar bis zu zwei Jahren dauern. Dabei muss eine Idee durchdacht, der Trick entworfen und «gebaut» werden. «Am Samstag werde ich durch eine Stahlplatte gehen», verrät Dänzer. Er musste sie erst besorgen und senkrecht befestigen, damit sie für das Publikum einsehbar ist. Viele Tricks hat er aus Büchern oder von anderen Zauberern übernommen, führt sie aber nicht genau gleich vor. «Ich entwickle die Tricks und schreibe sie so um, dass man ihren Ursprung nicht mehr erkennt», erklärt er.

Dänzer bezieht das Publikum mit ein. So kann auch einmal ein Trick in den Händen eines Zuschauers aufgelöst werden. Der junge Magier möchte die Zuschauer wieder in ihre Kindheit zurückversetzen. «Ich vermittle, wie man als Kind gestaunt hat, als man eben nicht wusste, wie die Tricks funktionieren.» Ein verblüfftes Publikum sei für ihn die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben.

Geht Joël Dänzer durch die Stadt, schaut er immer in die Schaufenster. Dort sieht er beispielsweise einen Schuh an einem durchsichtigen Faden hängen. «Wie könnte man einen Gegenstand schweben lassen?», fragt er sich. Die Kunst der Illusion sei es, diese Ideen umzusetzen. Rund 80 Prozent seiner Einfälle scheitern, weil sie nicht so funktionieren, wie er es sich vorgestellt hat. «Dann lege ich die Idee zur Seite und nehme sie später wieder hervor», sagt Dänzer. 20 bis 30 Ideen, die es noch zu entwickeln gilt, lagern auf Papier in einer Schublade.

Es ist Ehrensache, dass ein Zauberer seine Tricks nicht verrät. «Daran halte ich mich», meint Dänzer und schweigt. Einzig mit seiner Familie bespricht er die Details. «Es gibt immer wieder Zuschauer, die mich nach der Show fragen, wie es geht», erzählt er. «Es ist sehr gut gegangen», antworte er dann. Seinen Utensilienkoffer schliesse er gleich nach der Vorstellung wieder zu.

Auftritte sind immer ein Risiko

Neben grösseren Shows bietet Dänzer vor allem kleinere Vorstellungen für Firmen oder Kindergeburtstage an. Für die Kleinen macht er Tricks, an denen sie sich beteiligen können. Jeweils am Schluss zaubert er – zur Freude seines Publikums – mit den Kindern Bonbons hervor. «Bei Firmenanlässen wird oft der Wunsch geäussert, den Chef verschwinden zu lassen. Der kam am nächsten Tag aber immer wieder zur Arbeit!»

Dänzer arbeitet mit Humor. Mit dunkler Magie und Ernsthaftigkeit hat er nichts am Hut. Die Show am Samstag wird erstmals Grossillusionen enthalten, an denen er Jahre gearbeitet hat. «Klar wäre ich enttäuscht, wenn die nicht ankämen», meint er. Allerdings habe er schon so viel Zeit in sein Hobby investiert, dass er dennoch weitermachen würde. Auftritte seien immer ein kleines Risiko: «Wenn ich an einem Firmenanlass einen schlechten Witz erzähle, spricht sich das schnell herum.» Dann könne es sein, dass er nicht mehr gebucht werde.

Im Sommer beginnt Dänzer eine Lehre als Fachmann Gesundheit. «Ich werde dann mehr Zeit in die Lehre stecken», erklärt er. «Ich kann nicht alles auf die Karte Zaubern setzen.»
Was seine eigene Zukunft angeht, ist der junge Magier alles andere als ein Illusionist.

Magic Hero «Zauberwelt»: 23. Februar, 20 Uhr, Alte Dorfturnhalle Pratteln; mehr Infos unter www.magic-hero.jimdo.com

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