Hölstein
Das Wasser ist ihnen viel wert: Stimmberechtigte winken Grossprojekte durch

Simon Tschopp
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Hölsteins Wasserversorgung soll zusätzlich gestärkt werden.

Hölsteins Wasserversorgung soll zusätzlich gestärkt werden.

Keystone

Die Hölsteiner Gemeindeversammlung bot zwar viel Flüssiges, dennoch verlief sie langfädig. Erst nach knapp drei Stunden konnte Gemeindepräsident Gabriel Antonutti zum Schluss kommen: «Eine schöne Adventszeit und gute Nacht.»

Nicht weniger als fünf von neun Geschäften drehten sich um das liebe, teure Wasser. Insgesamt 3,7 Millionen Franken standen zur Debatte. Grossprojekte lösen in der Regel erschöpfende Diskussionen aus – nicht so in Hölstein. Rolf Tschudin, der zuständige Gemeinderat, hatte es in der bz vom 27. November auf den Punkt gebracht: «Wasser brauchen wir alle. Jeder ist froh, wenn er den Hahn aufdrehen kann und Wasser fliesst.» Damit hatte er wohl auch dem Souverän aus dem Herzen gesprochen. All diese Traktanden passierten mit grossem Mehr ohne Gegenstimme.

Ehrungen

Ein Hort von Talenten

Für ausserordentliche Leistungen in diesem Jahr hat der Hölsteiner Gemeinderat vier Personen und einen Verein geehrt. Der 24-jährige Markus Siegrist schwang als Confiseur an einem Berufswettbewerb obenaus, an dem er Pralinés zum Thema Schweiz kreierte. Tischtennisspieler Cédric Tschanz (19), Mitglied des Nationalliga-A-Teams TTC Rio-Star Muttenz, setzte sich national und international erfolgreich in Szene. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Geschwister Lynn (11) und Yael (10) Grossmann für ihre hervorragenden Resultate – Lynn als Mittelstreckenläuferin und Triathletin, Yael als Schwimmerin, Läuferin und Triathletin. Und wiederum starke Auftritte hatte heuer die Rhönrad-Equipe der STG Rondo Hölstein.

Hölstein will künftig selbst verantwortlich sein für Haushalte und Betriebe auf seinem Gemeindegebiet. Um dies zu realisieren, steigt es aus der Wasserversorgung Waldenburgertal AG aus und übernimmt von dieser mehrere Leitungsabschnitte in der Gewerbezone Bärenmatte sowie in den Gebieten Kapf und Bachmatten. Kosten: 1,13 Millionen, zuzüglich zehn Jahrestranchen von gut 55 000 Franken für aufgeschobenen Unterhalt.

Im kommenden Jahr entsteht zwischen der Bärenmatte und dem Pumpwerk Schneckenmatt in Bubendorf eine Verbindungsleitung von 1350 Metern Länge. Damit soll Hölsteins Wasserversorgung zusätzlich gestärkt werden. Die Leitung hat einen Innendurchmesser von 20 Zentimetern und eine tägliche Kapazität von 1500 Kubikmetern. Kosten: 1,83 Millionen.

Dank eines Kniffs kann das 2500 Einwohner zählende Dorf diese Investitionen aus eigenen Mitteln stemmen. Die Kasse für Abwasserbeseitigung ist mit über vier Millionen Franken derart prall gefüllt, dass nun drei Millionen in die Spezialfinanzierung Wasserversorgung transferiert werden können. Bargeld fliesst keines. Die dafür erforderliche Zustimmung des Kantons liegt vor.

Noch nicht genug Wasser. Für den Teilersatz der Wasserleitung Buechring, die sich in einem erbärmlichen Zustand befindet, hat die Gemeindeversammlung einstimmig Ja gesagt. Kosten: 171 000 Franken, die drei folgenden Etappen verschlingen weitere 780 000 Franken. Schliesslich musste das Abwasserreglement angepasst werden, um bei bestehenden Formulierungen Fehlinterpretationen zu eliminieren. Auch hier regte sich kein Widerstand.

Verschuldung steigt an

Beim Aufgaben- und Finanzplan bis 2023 wies Finanzchef Antonutti auf die bevorstehenden Investitionen hin. Für nächstes Jahr sind 2,7 Millionen Franken geplant, in den folgenden vier Jahren zehn Millionen. Damit steigt die Nettoverschuldung pro Einwohner von 1000 auf 3000 Franken. Das beunruhige ihn, sagte ein Stimmbürger, wofür der Gemeindepräsident Verständnis zeigte. Dieser schob nach, dass die Vorhaben beim aktuellen Steuersatz von 63 Prozent gedeckt werden könnten, wie eine Analyse ergeben habe.

Zum Versammlungsende wurde es noch ein wenig feierlich. Der Gemeindepräsident hat Simone Wisler verabschiedet, die seit 2012 der Exekutive angehört und seit zweieinhalb Jahren Gemeinderatsvize ist. Sie tritt auf Ende Monat zurück, ihre Nachfolgerin ist Melanie Stricker. Neuer Vizepräsident des Gemeinderats wird Andreas Appenzeller.

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