Märchen
Das Schneiderlein der Superlative

Das Märchen auf der Märchenbühne gibt dieses Jahr «Das tapfere Schneiderlein». Geschrieben von Jörg Schneider, frei nach den Gebrüdern Grimm.

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Die Fauteuil-Märchenbühne wurde 1965 von Roland Rasser, dem Vater der heutigen Theaterdirektoren Caroline und Claude, gegründet. Seit über vierzig Jahren wird jedes Jahr ein Märchen produziert, das sich im sechsjährigen Turnus wiederholt. Zum Repertoire gehören zum Beispiel «Frau Holle» und «Rumpelstilzchen»; dieses Jahr ist «Das tapfere Schneiderlein» dran.

Bekannt wie «Romeo und Julia»

Die Geschichte ist mindestens so bekannt wie diejenige von «Romeo und Julia», aber für Zeitgenossen, die schon lange kein Märchenbuch aufgeschlagen haben, sei der Inhalt kurz umrissen: Ein Schneider erschlägt mit seinem Holzlineal sieben Fliegen, die so frech waren, sich auf seinem Honigbrot niederzulassen, auf einen Streich. Stolz auf diese Leistung, näht er sich eine Schärpe mit folgendem Spruch: «Siebe uff ei Dätsch» und begibt sich anschliessend auf Wanderschaft. Unterwegs erfährt er, dass im Reich des Königs Kronenzack, besonders in dessen Wald, drei Landplagen umgehen: zwei Riesen, die eine Bäckerei samt Bäcker und Gehilfe verschlingen, ein Einhorn, das alles durchsticht, was ihm vor sein Horn kommt, sowie ein Wildschwein, stark wie ein Elefant, das alles niedertrampelt, was die Riesen und das Einhorn übrig gelassen haben. Selbstverständlich bietet der König dem zukünftigen Retter des Landes die Hand seiner hübschen Tochter an. Dies hört der selbstverliebte Oberhofmeister Hasenfuss nicht gerne, da er nach der Hand und der dazugehörigen Krone der Prinzessin schielt.

Mit Witz, Intelligenz und Charme gelingt es dem Schneider, die Heldentaten zu vollbringen. Aber Einhorn und Wildsau werden nicht Grimm-mässig umgebracht, sondern tierfreundlich dressiert und an einen Zirkus abgegeben. Was mit den Riesen passiert, sei nicht verraten. Die ganze Aufführung glänzt durch Tempo, Musik und das tragende Spiel des professionellen Ensembles. Hervorgehoben sei nur Roland Herrmann als Meister Fädeli. Grossen Erfolg haben auch seine artistischen Einlagen. Auch die zwei Riesen sind köstlich: Dieter Probst als Knorxel und Peter Portmann als Knurxel sind so gross wie dumm und so stark wie unbeholfen. Nicht nur die Kleinen lachen sich über ihre Tölpelhaftigkeit schief. Gekonnt wird traditionelle Märchenaufführung mit heutigem Basler Dialekt und zeitgenössischem Humor verbunden. Das Resultat ist eine unterhaltende, kindergerechte Aufführung, bei der sich auch die Erwachsenen nicht langweilen. (bcZ)

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