Wassernotstand
Das Baselbiet bereitet sich auf die Dürre vor

Die Hitze macht zurzeit den Menschen zu schaffen. Seit rund einem Monat hat es in der Schweiz nicht mehr geregnet. Die Äcker sind trocken. Fällt weiterhin kein Regen, so wird in der Region in zwei Wochen das Wasser knapp.

Thomas Immoos
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Die beiden Brunnenmeister Michael Tschudin (Langenbruck) und Martin Bader (Holderbank) nehmen die Wassernotleitung zwischen den beiden Gemeinden in Betrieb.

Die beiden Brunnenmeister Michael Tschudin (Langenbruck) und Martin Bader (Holderbank) nehmen die Wassernotleitung zwischen den beiden Gemeinden in Betrieb.

Kenneth Nars

Wie steht es um die Wasserreserven und den Grundwasserspiegel in der Region? «Bis jetzt haben wir eine normale Sommersituation», sagt Achim Benthaus, Leiter Wasserversorgung beim Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie. Sollte es aber noch länger trocken bleiben, so könnte ab kommender Woche eine ausserordentliche Situation eintreten. Im Moment seien aber in Sachen Wasserversorgung vonseiten des Kantons keine Massnahmen, etwa die Rationierung, erforderlich. Benthaus weist darauf hin, dass die Gemeinden die Situation in ihrer Umgebung gut kennten, um allenfalls geeignete Massnahmen treffen zu können.

Späte Kirschen verschrumpeln

Ebenfalls noch keine prekäre Situation sieht Andreas Buser, Leiter Obstbau beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. Die meisten Obstbauern hätten Bewässerungsanlagen, sodass sie ihre Kulturen regelmässig bewässern können. Zwar sei die Kirschernte beendet. Einzig die späten Sorten litten, bestätigt Franziska Hochstrasser vom Bauernverband beider Basel: «Die späten Kirschen verschrumpeln» – trotz Berieselung.

Für die Bauern mit Weide- und Ackerland ist die Lage ebenfalls noch nicht dramatisch. Sowohl am Ebenrain als auch bei Agroscope am Breitenhof in Wintersingen weist man darauf hin, dass die Landwirte meist über eigene Quellen verfügten. Diese liefern in der Regel genügend Wasser.

Dorfbrunnen abgestellt

Allerdings werden da und dort Vorkehrungen getroffen. Gemeinsam mit dem Brunnmeister haben Zivilschutzleute eine Wasserleitung von Holderbank nach Langenbruck erstellt. «Dabei handelt es sich lediglich um eine vorbeugende Massnahme», sagt Christian Burkhardt, Gemeindeverwalter von Langenbruck. Wenn der Wasserpegel, der erst leicht unter dem Pegel liegt, weiter sinkt, wolle man bereit sein, um die Wasserversorgung im Dorf sicherzustellen. Um den Wasserverbrauch zu senken, hat man jedoch die Dorfbrunnen abgestellt.

Der Langenbrucker Brunnmeister Michael Tschudin bestätigt, dass zurzeit in Langenbruck kein Wassernotstand herrscht. Hingegen bestehe – angesichts der Wetterprognosen mit weiterhin trockenem und heissem Wetter – die Gefahr, dass der Grundwasserspiegel unter eine kritische Grenze falle. Dies könnte zum einen Wasserquellen des Dorfes, aber auch der tiefer liegenden Gemeinden beeinträchtigen. Deshalb sei es richtig, «jetzt zu agieren als erst im Ernstfall zu reagieren». Während der kommenden Wochen werde man Fremdwasser aus der solothurnischen Nachbargemeinde zu beziehen.

Bei dieser vorbeugenden Massnahme handelt es sich um eine Premiere. Noch nie habe man in Langenbruck eine solche Leitung ziehen müssen, sagt Tschudin. Dass der Grundwasserspiegel in der Berggemeinde früher sinkt als andernorts, hängt auch mit der Lage in der Nähe der Hauenstein-Passhöhe ab.

Bereits vor einigen Tagen die Brunnen abgestellt hat die Gemeinde Ormalingen, nicht etwa aus akuter Wassernot: «Wir verstehen dies als Aufruf, mit dem Wasser verantwortungsvoll umzugehen», betont Gemeindeverwalter Felix Beyeler. Ausser Betrieb sind derzeit sieben der acht Brunnen. Einzig aus dem Dorfbrunnen fliesst weiterhin Wasser: «Das ist unsere Badi», sagt Beyeler zur Begründung. Die Kinder im Dorf liebten es, im Brunnen zu baden. Auch in Sissach ist die Lage noch im grünen Bereich, sagt Gemeindeverwalter Gody Heinimann. An der Gemeinderatssitzung nächste Woche dürften aber allfällige Massnahmen vermutlich diskutiert werden.

Feuerwerk-Verbot am 1. August?

Im jüngsten Bericht des kantonalen Krisenstabes heisst es: «Die Grundwasserstände liegen über dem langjährigen Mittelwert mit leicht sinkender Tendenz.» Erst wenn es noch länger als eine Woche keinen Regen gibt, müsse mit Wasserknappheit gerechnet werden. Alle Befragten geben sich gelassen: Die Lage sei noch nicht so dramatisch wie im Hitzesommer 2003; damals war es schon im Juni sehr trocken gewesen – anders als in diesem Jahr.

Sorgen bereitet dem kantonalen Krisenstab dagegen die Waldbrandgefahr. Deshalb ist das Feuern und Grillieren im Wald ebenso verboten wie das Steigenlassen von brennenden Himmelslaternen. Und ob die Höhenfeuer am Nationalfeiertag entfacht werden können ist derzeit noch ungewiss, wie auch das Abbrennen von Feuerwerk.

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