Liestal
Brunnmatt-Stiftungsrat zieht die Notbremse: Altersheim wird nicht ausgebaut

Im August kündete der Stiftungsrat den Neubau eines Teils des Liestaler Pflegeheims Brunnmatt an. Das Vorhaben hätte um die 20 Millionen Franken gekostet. Letzte Woche zog er nun die Notbremse und sistierte den Neubau auf ungewisse Zeit.

Andreas Hirsbrunner
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Das «Brunnmatt» bleibt vorläufig in seiner heutigen Form mit den drei alten Häusern (im Bild zwei davon) und dem Neubau rechts bestehen.

Das «Brunnmatt» bleibt vorläufig in seiner heutigen Form mit den drei alten Häusern (im Bild zwei davon) und dem Neubau rechts bestehen.

Juri Junkov

Der Stiftungsrat des Liestaler Pflegezentrums Brunnmatt hat innerhalb von einem Monat eine radikale Kehrtwende vollzogen: Am 21. August kündete er euphorisch an, den Altbau-Teil des Pflegezentrums an der Arisdörferstrasse per 2021 durch einen «modernen» Neubau mit mehr Zimmern, mehr Komfort sowie sechs Alterswohnungen zu ersetzen. Ende letzter Woche folgte unter dem Titel «Schlussendlich ein Entscheid der Vernunft» der Rückzug. Er, so liess der Stiftungsrat in einem erneuten Schreiben wissen, habe an einer ausserordentlichen Sitzung beschlossen, das Neubauprojekt «vorläufig auf Eis zu legen».

Wachsende Verunsicherung

Was ist in der Zwischenzeit passiert? Stiftungsratspräsident René Steinle begründet den Kurswechsel nicht mit einem einzelnen Ereignis, sondern mit einer wachsenden Verunsicherung. Der Stiftungsrat sei seit zweieinhalb Jahren am Planen. Doch das neue kantonale Altersbetreuungs- und Pflegegesetz (APG) habe die Rahmenbedingungen für die Heime enorm verändert.

Vor allem die angekündigten, aber noch völlig offenen Versorgungsregionen würden verunsichern, sagt Steinle. Trotzdem sah er Handlungsbedarf: «Wir mussten im August mit den Informationen zum beschlossenen Neubau raus, weil im Haus Unsicherheiten über die Zukunft aufkamen. Wegen der offenen Regionenbildung, die Einfluss aufs ‹Brunnmatt› hat, kamen dem Stiftungsrat und der Geschäftsleitung dann aber Zweifel. Denn wir sind eine private Stiftung ohne Gemeinden im Hintergrund und dürfen das Heim auf keinen Fall an die Wand fahren.»

Zuoberst auf Steinles Sorgenbarometer stehen die Heimbewohner mit Ergänzungsleistungen, die derzeit zwei Drittel der «Brunnmatt»-Belegung ausmachen. Was, wenn die Behörden innerhalb der zuständigen Versorgungsregion, die Liestal und die beiden Frenkentäler umfassen könnte, keine Leute mehr dem «Brunnmatt» zuweisen, weil es als Folge des Neubaus teurer würde?

Was aber auch, wenn dem «Brunnmatt» innerhalb der Versorgungsregion die Rolle eines Palliativ- oder Demenzzentrums zugedacht würde, was erneute Umbauten bedingte, fragt Steinle und fügt an: «Mit unserem Sistierungsentscheid zogen wir die Notbremse, um abzuwarten, was kommt. Wir werden jetzt die drei alten Häuser einer sanften Überholung unterziehen und können später jederzeit das abgeschlossene Vorprojekt aus der Schublade ziehen, wenn ein Neubau angezeigt ist.» Dieser würde rund 20 Millionen Franken kosten. Was die bisherige Planung gekostet hat, will Steinle nicht sagen.

Personal erleichtert

Auf Erleichterung stiess der Stiftungsrat mit seinem – einstimmigen – Sistierungsentscheid offenbar beim Personal des «Brunnmatt». Steinle: «Ich habe noch nie so viele Emotionen gesehen wie letzte Woche, als wir das Personal informierten.» Dieses hätte während der Bauzeit mit deutlich weniger Betten Pensenreduktionen in Kauf nehmen müssen, jetzt bleibt alles beim Alten.

Der Brunnmatt-Stiftungsrat hat alle Partner über den Bauverzicht informiert. Seitens der Stadt Liestal sagt René Frei, Bereichsleiter Sicherheit und Soziales, in Vertretung der abwesenden Stadträtin Regula Nebiker: «Wir können den Entscheid aufgrund der offenen Fragen bezüglich des neuen APG und der Bildung der Versorgungsregionen nachvollziehen.» Für die Bildung dieser Regionen haben die Gemeinden Zeit bis Ende 2020.

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