Liestal
BMW-Plakat wirbt für Fahrfreude - direkt neben Gedenkstätte

An der Gitterli-Kreuzung in Liestal prangt eine BMW-Werbung. Ausgerechnet vor dem Mahnmal für eine verunglückte Velofahrerin. Wie konnte es dazu kommen?

Claudia Maag
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«Fahrfreude ist jetzt.» Mit diesem Slogan wirbt BMW an der Gitterli-Kreuzung in Liestal – direkt neben der Gedenkstätte für eine verunglückte Velofahrerin.

«Fahrfreude ist jetzt.» Mit diesem Slogan wirbt BMW an der Gitterli-Kreuzung in Liestal – direkt neben der Gedenkstätte für eine verunglückte Velofahrerin.

Kenneth Nars

Eigentlich ist es eine Automobilhersteller-Werbung wie manch andere. Die Rede ist vom BMW-Slogan: «Fahrfreude ist jetzt», dem auf den ersten Blick nichts Spezielles anmutet. Wäre der Standort nicht an der Gitterli-Kreuzung in Liestal, wo vergangenen August eine Velofahrerin tödlich verunglückte. Das Plakat ist auch nicht eben klein, sondern ein sogenanntes F12 Breitformat (268,5×128 cm). Unübersehbar davor auf dem Boden sind bunte Blumen, Fotos und ein Velo mit weissem Rahmen: ein Ort des Gedenkens.

Die bz hat sich gefragt, wie es zu einer so unglücklichen Platzierung kommen konnte, und fragte bei der Allgemeinen Plakatgesellschaft AG (APG/SGA) in Basel nach. Auf die eingangs genannte Platzierung in Liestal angesprochen, stimmt Slavica Leci zu, dass dies «sehr unglücklich» sei. Sie gehe davon aus, dass es sich dabei um ein Plakatnetz handle, das automatisch zugewiesen werde.

Zufällig ausgewählt

Wie funktioniert denn eine Platzvergabe für ein Plakat? Gemäss Leci gibt es zwei Varianten, nach denen entschieden wird, wo ein Plakat aufgehängt wird.

Bei der ersten möchte ein Kunde eine Plakatkampagne auf einer sogenannten Einzelfläche machen. Der Kunde erhält von der APG eine Übersicht der Standorte und wählt jenen Standort, an dem er seine Werbung platziert haben möchte. Bei der zweiten Variante ist ein Kunde beispielsweise national tätig und möchte in der ganzen Schweiz eine grösstmögliche Reichweite erreichen.

In diesem Fall werden die Standorte durch das APG-System – per Zufallsprinzip – ausgewählt. Zudem gibt es hier noch die Möglichkeit, ein sogenanntes Plakatnetz zu buchen. Innerhalb eines Gebiets, insbesondere einer Stadt, ermöglicht das eine bestmögliche Verteilung. «Das ist sehr beliebt», so Leci.

Eine weitere Restriktion für die Platzierung ist beispielsweise die Einschränkung von Werbung und Sponsoring gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG). Alkohol- und Tabakwerbung, die sich gezielt an Jugendliche richtet, ist verboten. So darf in einem gewissen Umkreis einer Schule keine solche Werbung platziert werden. Hier ist keine Meterzahl definiert, sondern bei einer Neuaufnahme eines Standortes ins APG-System wird die Örtlichkeit angeschaut und der zu beachtende Umkreis definiert.

Wie würde die APG reagieren, wenn sich die Hinterbliebenen der Velofahrerin, entsetzt und verletzt, bei ihnen meldeten und um Abnahme der Werbung böten? Gemäss Leci würden sie Rücksprache mit dem Kunden nehmen und «wären bereit, das Plakat woanders zu platzieren.»

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