Birsfelden
Wasserstoff-Fabrik auf der Kraftwerkinsel: Jetzt wird das Projekt konkret

IWB und Fritz Meyer AG reichen das Baugesuch für eine Wasserstoff-Produktionsanlage neben dem Kraftwerk Birsfelden ein. Ab 2022 wollen die beiden Unternehmen dort Wasserstoff produzieren. Bereits regt sich Widerstand.

Bojan Stula
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So könnte die Wasserstoff-Produktionsanlage auf der Kraftwerkinsel dereinst aussehen. Die Visualisierung stammt von den künftigen Betreibern.

So könnte die Wasserstoff-Produktionsanlage auf der Kraftwerkinsel dereinst aussehen. Die Visualisierung stammt von den künftigen Betreibern.

Bild: Zvg

Zuerst war es eine Absichtserklärung, dann regte sich lokaler Protest und ein Hickhack um angeblich irreführende Visualisierungen: Jetzt wird das Projekt konkret. Noch in diesem Herbst wollen die Industriellen Werke Basel IWB und die Avia-Tankstellen-Betreiberin Fritz Meyer AG auf der Birsfelder Kraftwerkinsel den Spatenstich für eine Wasserstoff-Produktionsanlage samt Befüllstation vornehmen. Bereits ein Jahr später sollen die neuen Anlagen in Betrieb gehen.

In einer Medienmitteilung teilten die beiden Unternehmen am Donnerstagmorgen mit, dass sie das Baugesuch für das Projekt eingereicht haben. Im Amtsblatt ist das Baugesuch im Namen der IWB als Bauherrin publiziert. Als künftige Betreiberin haben zudem IWB und Fritz Meyer AG die Joint Venture greenH2 AG gegründet.

Wasserstoff für 3,2 Millionen Lastwagen-Kilometer

Die Zahlen zum künftigen Produktionsumfang sind auf den ersten Blick eindrücklich: Auf einer Fläche von 550 Quadratmetern sollen in den beiden geplanten Gebäuden jährlich über 250 Tonnen Wasserstoff hergestellt werden, welche die Brennstoffzellenenergie für 3,2 Millionen Lastwagen-Kilometer liefern. Der CO2-neutrale Treibstoff für die LKW-Bernnstoffzellen wird dann wiederum über speziell dafür umgerüstete Avia-Tankstellen verkauft werden.

Allerdings ist die Produktion des Zukunftsträgers Wasserstoff stromintensiv, weshalb die unmittelbare Nähe zu einem Kraftwerk Leitungskosten spart. Die künftigen Betreiber geben die vorgesehene Jahresleistung der Produktionsanlagen mit 2,5 Megawatt an. Zum Vergleich: Die Jahresproduktion des angrenzenden Wasserkraftwerks beträgt rund 550 Gigawattstunden.

«Beim Kraftwerk Birsfelden sind alle Voraussetzungen gegeben, um Wasserstoff klimafreundlich und effizient zu produzieren», wird Sascha Jäger, Direktor des Kraftwerks Birsfelden, in der Medienmitteilung zitiert. Die Kraftwerk Birsfelden AG ist Eigentümerin der Fläche, die für die Produktionsanlage genutzt werden soll.

«Die beiden Gebäude werden sich geografisch und optisch an die bestehenden Gebäude des Kraftwerks anschliessen, womit der Charakter der Landschaft erhalten bleibt. Das besondere Natur- und Freizeiterlebnis der Kraftwerkinsel in Birsfelden wird durch die Wasserstoffproduktion nicht beeinträchtigt werden»,

heisst es in der Mitteilung weiter. Mit dieser Zusicherung wollen die künftigen Betreiber allfälliger Kritik vorzeitig den Wind aus den Segeln nehmen.

Widerstand und Einsprachen bereits angekündigt

SP Birsfelden wehrt sich gegen eine Wasserstoff-Produktion auf der Kraftwerkinsel und trägt ihren Widerstand auch in die sozialen Medien (hier Twitter).

SP Birsfelden wehrt sich gegen eine Wasserstoff-Produktion auf der Kraftwerkinsel und trägt ihren Widerstand auch in die sozialen Medien (hier Twitter).

Bild: Zvg / bz Zeitung für die Region

Dennoch überrascht es nicht, dass es gegen dieses Projekt, kaum wurde die Baueingabe öffentlich, Widerstand und Einsprachen hagelt. In einer Medienmitteilung hat die SP Birsfelden angekündigt, gegen das Bauvorhaben vorzugehen: «Die Anlage beim Kraftwerk ist nicht zonenkonform. Auch bringt sie vor allem mit täglich (anfäng­lich) zwei bis drei Fahrten viel Lastwagenverkehr ins Quartier Sternenfeld. Gemäss den künftigen Betreibern der Anlage sollen die Tanklastwagen vom Kraftwerk Birsfelden durch die Hofstrasse und da­nach durch die Friedhofstrasse (alternativ via Kirchstrasse) fahren», ärgern sich die Birsfelder Sozialdemokraten.

«Wir sehen in Wasserstoff einen erneuerbaren Energieträger mit vielversprechender Zu­kunft. Doch darf sein Transport nicht die Sicherheit des Sternenfeld-Quartiers gefährden»,

schreibt Heiner Lenzin, Präsident der SP Birsfelden, in der Mitteilung weiter. Immerhin handle es sich bei diesen Lastwagenfahrten um Gefahrenguttransporte. Stattdessen wäre es für Bevölkerung und Umwelt viel besser, die geplante Wasserstoffproduktion im Hafengebiet anzusiedeln, selbst wenn die dafür notwendigen zusätzlichen Stromleitungen den Unternehmen Mehrkosten verursachten.

Auf Nachfrage ergänzt Lenzin, dass die Ortspartei zunächst den benötigten Nachweis der direkten Betroffenheit abklären müsse, ehe sie selbst als Verein Einsprache einlegt: «Wir werden jedoch alle SP-Mitglieder bei deren Einsprachen unterstützen, die in der Nachbarschaft der Kraftwerkinsel wohnen.»

Bereits seit vergangenem Sommer laufen zudem Bemühungen von privater Seite, die gesamte Kraftwerkinsel unter Denkmalschutz zu stellen und somit jeglichen Bauvorhaben einen grundsätzlichen Riegel zu schieben. Die entsprechenden Anträge sind wegen der Pandemielage aber noch nicht zuhanden der Birsfelder Gemeindeversammlung gestellt worden.

Bauherrschaft bleibt zuversichtlich

Trotz all dieser Opposition sind die Bauherren IWB und Fritz Meyer AG zuversichtlich, am jetzt kommunizierten Zeitplan festhalten zu können und Ende 2022 die Produktion aufzunehmen. Bereits im vergangenen September wurden an einer Infoveranstaltung für die Anwohnerschaft die Fakten auf den Tisch gelegt. Eine extern in Auftrag gegebene Studie habe die Zonenkonformität «als gegeben» eingeschätzt, sagt IWB-Sprecherin Jasmin Gianferrari. Entsprechend gerüstet warte das Unternehmen nun ab, was an Einsprachen kommen mag.

Gianferrari betont, dass die IWB in der Planung grosse Anstrengungen unternommen hätten, um den zu erwartenden Lastwagenverkehr auf ein Mindestmass zu drücken und die Zufahrtsrouten möglichst verträglich zu gestalten. Die LKW-Fahrten würden ausserhalb der Stosszeiten ohne Fahrzeuge mit Übergrösse durchgeführt. Eine spätere Ausweitung auf zusätzliche Fahrten sei ebenso wenig geplant wie eine Vergrösserung der Produktionsanlagen vor Ort.

«Sollten wir dereinst tatsächlich die Wasserstoffproduktion wesentlich hochfahren, würden wir das an einem anderen Ort tun», sagt Gianferrari.

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