Baselbieter Strafgericht
Bauherrengelder für Villa zweckentfremdet: Architekt wegen Veruntreuung vor Gericht

Ein Architekt, der hohe Vorauszahlungen kassierte, muss sich vor dem Baselbieter Strafgericht wegen Veruntreuung verantworten.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Im Strafjustizzentrum in Muttenz muss sich ein Architekt wegen Veruntreuung verantworten. (Archivbild)

Im Strafjustizzentrum in Muttenz muss sich ein Architekt wegen Veruntreuung verantworten. (Archivbild)

Roger Lange, Keystone-SDA

«Es ist gang und gäbe in dieser Branche, Geld zu nehmen, um Löcher zu stopfen», erklärte der heute 65-jährige Architekt am Mittwoch in Muttenz vor dem Baselbieter Strafgericht. Dennoch tue ihm die Sache leid. Seit 2011 schrieb der Mann aus der Region Zürich fast jedes Jahr Verluste, was er vor seinen Kunden allerdings lange verbarg.

Von einem Ehepaar in Oberwil kassierte er im Oktober 2015 eine «Reservationszahlung» von 80'000 Franken für ein Einfamilienhaus in Nunningen. Später schloss man auch einen Generalunternehmervertrag ab, für einen pauschalen Werkpreis von 585'000 Franken sollte das Haus bis August 2016 schlüsselfertig erstellt werden. Die 80'000 Franken verwendete er laut Staatsanwaltschaft allerdings nicht für das Projekt, sondern für sich selber.

Zum Alkohol gegriffen und Überblick verloren

Der 65-Jährige betonte im Gerichtssaal, er habe durchaus Eigenleistungen für dieses Projekt erbracht. Umstritten ist allerdings, ob die Baubewilligung bereits abgelaufen war: Laut dem Ehepaar begründete der Architekt die Dringlichkeit der Zahlung damals damit, dass die Bewilligung bald ablaufe.

Ein Villenprojekt in Dornach sorgte ebenfalls für riesigen Ärger: Von Vorauszahlungen von über einer Million Franken flossen nur 354'000 Franken tatsächlich in das Bauprojekt, mit dem Rest hielt der Mann seine Firma über Wasser. Für die Vollendung der Dornacher Villa musste die Bauherrenfamilie schliesslich eine andere Firma beauftragen und über 600'000 Franken nachschiessen.

Schon länger finanzielle Probleme

Der Architekt bestätigte im Gerichtssaal, dass er bereits seit dem Jahr 2012 finanzielle Probleme hatte. Arbeiten von ihm seien damals von einem Baukonsortium nicht bezahlt worden, danach habe er die Löcher immer mit Folgeaufträgen überbrückt. Schliesslich habe er zum Alkohol gegriffen und den Überblick verloren.

«Ich wollte die Familie nicht bescheissen, das ist nicht mein Charakter. Es ist einfach passiert.» 2015 habe er dann einen Entzug gemacht, seither habe er keinen Schluck Alkohol mehr getrunken. Verteidiger Matthias Aeberli betonte, sein Mandant habe zuvor 30 Jahre lang erfolgreich Bauten realisiert.

Deliktsumme von 726'000 Franken

Gestritten wird diese Woche vor Gericht hauptsächlich um Details der Rechnung. So betonte der Mann, von den Schadenssummen müsse man sein Honorar für erbrachte Leistungen abziehen. Die Deliktsumme ist für die Strafzumessung relevant: Staatsanwältin Desirée Stramandino sprach von einer Deliktsumme von 726'000 Franken. Sie forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten wegen mehrfacher Veruntreuung und Betrugs.

Zivilrechtlich liegt der Knackpunkt in der Frage, ob der Mann seine zuvor nicht explizit vereinbarte Honorarforderung gegenrechnen darf. Zu holen ist bei ihm allerdings nichts mehr, er ist hoch verschuldet und lebt inzwischen von AHV und Ergänzungsleistungen. Das Urteil fällt heute Donnerstag.