Basler Weihnachtsmarkt
Glühwein mit Zertifikat: «Das war die letzte Möglichkeit, den Markt durchführen zu können»

Der Basler Weihnachtsmarkt ist eröffnet – mit Zertifikatspflicht und obwohl der Kanton am Donnerstag einen neuen Tageshöchstwert an Coronainfektionen verzeichnet. Im Baselbiet sind dagegen nicht alle zuversichtlich.

Sharleen Wüest
Drucken
In Basel geht es weihnachtlich zu und her.

In Basel geht es weihnachtlich zu und her.

Nicole Nars-Zimmer

Der würzige, süsse Duft von Glühwein erfüllt die Gassen. Rund zwei Dutzend Personen stehen am Barfüsserplatz an. Sie haben alle dasselbe Ziel: den Basler Weihnachtsmarkt. Die Zertifikate werden am Eingang kontrolliert und schon verschwinden die Masken. Wer eine trägt, fällt auf. Zwischen den Marktständen ist es auffällig ruhig, die Besucherinnen und Besucher verteilen sich gut. Oder sie stürzen sich auf die Verpflegungsstände – und retten sich unter den Schirmen vor dem Regen. Das Lichtermeer, die regen Gespräche und durchmischten Düfte verbergen fast, dass eine neue Normalität herrscht. Fast.

Der Basler Weihnachtsmarkt ist seit Donnerstag offiziell eröffnet. Doch wer an den Ständen vorbeischlendern möchte, muss am Eingang ein Zertifikat vorweisen. Denn das Schutzkonzept wurde vergangene Woche aufgrund der steigenden Fallzahlen angepasst. «Das war die letzte Möglichkeit, den Markt überhaupt durchführen zu können», sagt Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketing und zuständig für den Weihnachtsmarkt. Ein kurzfristig angepasstes Schutzkonzept bedeutet viel Aufwand und vor allem Umdenken. Horvath sagt:

«Wir hatten den Vorteil, dass wir bereits Erfahrungen mit der Zertifikatspflicht haben.»

Damit spricht sie die Herbstmesse an. Die Abläufe sind geläufig und auch das Sicherheitspersonal von der Herbstmesse konnte erneut aufgeboten werden. «Ohne diese Erfahrung wäre die Organisation in so kurzer Zeit schwierig gewesen», sagt sie. Auf eine Maskenpflicht wird verzichtet. Denn mit Glühwein und Gutzi wird das Einhalten der Pflicht unmöglich. Seitens Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer sei die Freude gross. «Sie sind dem Konzept gegenüber offen und haben viel Zeit in die Dekoration der Stände investiert», sagt Horvath und ergänzt: «Für viele ist es eine Erleichterung, dass wir den Weihnachtsmarkt überhaupt durchführen können.»

Am Donnerstag ging es in Basel los.
4 Bilder
Vor dem Eintritt müssen Zertifikate und ID's vorgewiesen werden.
Die Besucherinnen und Besucher verteilen sich gut.
Von Kerzen zu Engeln: Die Stände am Markt sind vielseitig.

Am Donnerstag ging es in Basel los.

Nicole Nars-Zimmer

Das Baselbiet vermeldet am Donnerstag 268 Ansteckungen mit dem Coronavirus, Basel-Stadt 263. Das ist ein neuer Höchstwert – und doch ist der Markt eröffnet. War absagen kein Thema? «Mit der Zutrittskontrolle haben wir eine gute Lösung gefunden. Wie immer gilt, dass wir den weiteren Verlauf gut beobachten», sagt Horvath.

Kalte Hände, Glühwein und heitere Stimmung – eigentlich auch der Plan im Baselbiet. Doch trotz ausgeprägtem Schutzkonzept fliegen in Allschwil dieses Jahr keine Engel. Der «Ängelimärt 2021» ist abgesagt. Das 25-Jahr-Jubiläum muss warten. Das OK schreibt in einer Mitteilung: «Den Ängelimärt in einen 3G-Anlass umzuwandeln, wäre von der Grösse und Ausweitung des Marktperimeters schlicht unmöglich gewesen.» Denn dies hätte eine Umzäunung des gesamten Marktes zur Folge gehabt, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Das OK schreibt weiter:

«Dies wäre aber nicht mehr der traditionelle Ängelimärt gewesen.»

Auch das Thema Maskenpflicht musste verworfen werden. Denn die Umsetzung hätte schnell an die Grenzen geführt. Doch komplett müssen die Interessierten nicht auf den Markt verzichten: Vom 27. November bis am 24. Dezember wird auf der Website des Marktes ein virtueller Ängelimärt aufgeschaltet.

Sechs Weihnachtsmärkte am Wochenende

Der Adventsmarkt in Arlesheim findet zwar nach aktuellen Angaben statt, stand jedoch auf der Kippe. Nach der Absage in Allschwil hat sich das OK erneut getroffen. «Uns war von Anfang an bewusst, dass es kritisch werden könnte», sagt die Mitverantwortliche Christine Kleewein. Doch das Team kam zum Schluss, dass der Markt mit Maskenpflicht durchgeführt werden könne. Diese werde an den Eingängen kontrolliert. Im Gegensatz zu anderen Märkten sei der Hauptfokus des Marktes Handwerkliches und nicht Verpflegung. Die Essensstände seien bewusst in einer Ecke des Marktes platziert worden. Dennoch: «Natürlich kann es immer sein, dass wir den Markt kurzfristig absagen müssen», sagt Christine Kleewein.

Dieses Wochenende finden im Baselbiet sechs Weihnachtsmärkte statt. Unter anderem auch derjenige in Aesch. Auch an den übrigen Wochenenden sind einige Weihnachtsmärkte angesagt – falls ihnen die Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht.

Aktuelle Nachrichten