Baselland
Wirrwarr bei der Sanität soll ein Ende haben

Die drei Rettungsdienste, die bei Notfällen im Baselbiet ausrücken, erhalten künftig mehr Geld vom Kanton. Damit sind einige, aber nicht alle Probleme gelöst. Die Hilfsfristen werden im ländlichen Oberbaselbiet weiterhin nicht eingehalten.

Hans-Martin Jermann
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Die Sanität in Liestal ist heute beim Kantonsspital stationiert. Sie soll neu in eine kombinierte Rettungswache mit der Feuerwehr integriert werden.

Die Sanität in Liestal ist heute beim Kantonsspital stationiert. Sie soll neu in eine kombinierte Rettungswache mit der Feuerwehr integriert werden.

Juri Junkov (5. Mai 2021)

Im Kanton Baselland sind drei Rettungsdienste tätig: Bei Notfällen im Raum Liestal, im Oberbaselbiet und Laufental rückt in der Regel ein Rettungswagen des Kantonsspitals Baselland (KSBL) aus. Für die an die Stadt grenzenden Agglogemeinden ist die Sanität der Rettung Basel-Stadt zuständig, für die übrigen Gemeinden des Bezirks Arlesheim die in Reinach domizilierte private Rettungsdienste Nordwestschweiz AG, die zudem auch Gemeinden des solothurnischen Dorneck bedient.

Einsätze wurden teilweise via Solothurn disponiert

Das Rettungswesen war im Baselbiet bisher umständlich organisiert. So wurden die Einsätze der Rettungsdienste Nordwestschweiz AG via Einsatzzentrale Solothurn disponiert. Zudem hat der Kanton die Vorhalteleistungen der drei Organisationen für Rettung und Notarztsystem uneinheitlich abgegolten. Noch 2021 hat nur das KSBL die Unterdeckung in der Rettung via gemeinwirtschaftliche Leistungen (GWL) des Kantons finanziert erhalten.

Die Rettungsdienste Nordwestschweiz AG hat ihre Vorhalteleistungen bisher zu einem grossen Teil durch andere Unternehmensbereiche querfinanziert, bei der Sanität Basel kam der Stadtkanton via Defizitgarantie für Leistungen im Baselbiet auf. Beide Organisationen gaben in Hearings an, ohne adäquate Abgeltung die Vorhalteleistung insbesondere bei der Notarztabdeckung nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Mehr Geld für die Sanität Basel, weniger fürs Kantonsspital Baselland

Das will der Kanton verhindern: Mit einer Vorlage zu den GWL, die übermorgen Donnerstag im Landrat behandelt wird, werden die drei Rettungsdienste künftig nach transparenten Kriterien finanziert. Dabei spielt auch die Anzahl Einsätze, welche die Organisationen leisten, eine Rolle. Das KSBL erhält für die Jahre 2022 bis 2025 1,4 Millionen Franken pro Jahr, 220'000 Franken weniger als bisher.

Demgegenüber steigt die Abgeltung des Kantons an die Sanität Basel (von 200'000 auf 440'000 Franken), an die Rettungsdienste Nordwestschweiz AG (von 170'000 auf 960'000 Franken) und an die Sanitätsnotrufzentrale beider Basel (von 940'000 Franken auf 1,3 Millionen Franken). Letztere wird ab Juli 2022 alle Dispositionen im Kanton übernehmen, die umständliche Alarmierung via Einsatzzentrale Solothurn entfällt. Für den Kanton führt dies zu Mehrkosten von 1,1 Millionen Franken pro Jahr.

Sissach und Waldenburg ungenügend bedient

Ein Problem lässt sich mit den vorliegenden Abgeltungen vorerst nicht aus der Welt schaffen: Laut den Richtlinien des Branchenverbands muss ein Rettungsdienst bei 90 Prozent der Notfalleinsätze mit Lebensgefahr innert 15 Minuten den Einsatzort erreichen. Diese Hilfsfrist wird im dicht besiedelten Unterbaselbiet eingehalten, nicht immer aber im Oberbaselbiet.

Diese Fristen werden laut dem Bericht der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission (VGK) in den Bezirken Sissach (mit 77 %) und Waldenburg (61 %) deutlich verfehlt. Das Oberbaselbiet liesse sich mit einem zusätzlich stationierten Rettungswagen besser abdecken. Dies würde aber jährliche Zusatzkosten von 440'000 Franken nach sich ziehen. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation der Alarmierung werden nun mit dem KSBL geeignete Lösungen diskutiert, heisst es im VGK-Bericht.