Baselland
Kantonsspital wartet nicht aufs Schiedsgericht: Personal bekommt rückwirkend mehr Lohn

Das KSBL und die Sozialpartner konnten sich nicht einigen, wie die 0,8 Prozent Lohnerhöhung aufs Personal verteilt werden sollen. Doch schon fünf Monate zieht sich die Zusammenstellung des Schiedsgerichts hin. Nun hat das Spital genug.

Michael Nittnaus Jetzt kommentieren
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Das KSBL möchte sein Pflegepersonal überdurchschnittlich belohnen. Die Gewerkschaften wollen, dass alle Angestellten gleich profitieren.

Das KSBL möchte sein Pflegepersonal überdurchschnittlich belohnen. Die Gewerkschaften wollen, dass alle Angestellten gleich profitieren.

Archiv: Keystone/Gaetan Bally

Eigentlich sind sich die Sozialpartner und das Kantonsspital Baselland (KSBL) einig: 2022 haben sich die 3370 Angestellten eine Lohnerhöhung verdient. Auch die Höhe steht fest: 0,8 Prozent der Gesamtlohnsumme werden zusätzlich ausgeschüttet. Dies teilte das KSBL am Donnerstag mit. Das war es allerdings dann auch mit der Einigkeit. Wie die bz bereits vor einem Monat aufdeckte, fordern die Gewerkschaften VPOD und Syna sowie die Berufsverbände des Pflegefachpersonals (SBK) und der Assistenz- und Oberärzte (VSAO), dass alle Angestellten gleichermassen profitieren.

Das KSBL hingegen möchte nur 0,4 Prozent an alle ausschütten, die andere Hälfte soll auf bestimmte Berufsgruppen verteilt werden. Konkret auf die pflegerischen Berufsgruppen – Stationspflege, medizinisch-technische Pflegeberufe wie Anästhesiepflege, OP-Pflege, Notfallpflege – sowie die Oberärztinnen und Oberärzte, heisst es auf Nachfrage.

Schiedsgericht hätte schon lang bereit sein sollen

Dass wegen dieser Differenzen, die in den seit vergangenem Herbst andauernden Verhandlungen nicht bereinigt werden konnten, ein Schiedsgericht entscheiden muss, ist den beiden Parteien eigentlich schon seit fünf Monaten klar. Und der Gesamtarbeitsvertrag schreibt diesen Schritt auch vor. In seiner Mitteilung bedauert das KSBL aber, dass das Schiedsgericht noch immer nicht zusammengestellt werden konnte. Mit einem Entscheid sei wohl erst im vierten Quartal 2022 zu rechnen – also wenn bereits die Verhandlungen für das kommende Jahr laufen sollten.

Dies sei eine unzumutbare Situation für die Mitarbeitenden. Der Verwaltungsrat habe deshalb heute Donnerstag entschieden, nicht auf das Urteil zu warten, sondern die vom KSBL bevorzugte Aufteilungsvariante «auf den frühest möglichen Zeitpunkt rückwirkend auf den 1. Januar 2022 umzusetzen».

Egal, wie Schiedsgericht entscheidet: Niemand muss Erhöhung zurückzahlen

Gegenüber der bz erklärt KSBL-Sprecherin Anita Kuoni: «Die Uneinigkeit mit den Sozialpartnern soll nicht auf dem Buckel unserer Mitarbeitenden ausgetragen werden.» Die geplante Verteilung korrigiere im Benchmarking ersichtliche Benachteiligungen von bestimmten Gruppen – eben der Oberärzte sowie der jüngeren Pflege. Kuoni:

«Wir sind sehr zuversichtlich, dass auch das Schiedsgericht dieses Modell im Sinne der Lohngerechtigkeit als fair gutheissen wird.»

Sei dies nicht der Fall, werde das KSBL dort Nachzahlungen leisten, wo das Schiedsgericht höhere Vergütungen vorsehe. Kuoni betont: «Wo aber eine tiefere Vergütung möglich wäre, würden wir keine nachträgliche Korrektur vornehmen, da der höhere Ansatz ja dem Wunsch des KSBL im Sinne einer fairen Entlöhnung entspricht.»

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