Baselland
Jugendsozialwerk wird zum SVP-Spielball im Abstimmungskampf

Die Prattler Tagesstruktur des Blauen Kreuzes «Take-off» muss ungefragt als Beleg für schlechte Integration im Baselbiet herhalten.

Bojan Stula 3 Kommentare
Drucken
Teilen
Der Abstimmungsflyer der SVP räumt dem Take-off-Programm mehr Platz ein, als dem Blauen Kreuz lieb sein kann.

Der Abstimmungsflyer der SVP räumt dem Take-off-Programm mehr Platz ein, als dem Blauen Kreuz lieb sein kann.

bos

Ungewollt wird die Prattler Tagesstruktur für Jugendliche Take-off in den Abstimmungskampf um das Kantonale Integrationsprogramm hineingezogen. Schuld daran ist ein zeitlicher Zufall.

Ausgerechnet vor dem Urnengang am 28. November befindet der Landrat über die Verlängerung der Leistungsvereinbarung mit Take-off; zum Entscheid stehen total 1,6 Millionen Franken Betriebsbeiträge für die Jahre 2022 bis 2025. Take-off bietet Schulabbrechern und straffälligen Jugendlichen vier verschiedene Programme zur Arbeitsintegration an und wird vom Jugendsozialwerk des Blauen Kreuzes getragen.

Hoher Ausländeranteil in der Take-off-Klientel

Was nun die Aufmerksamkeit der Politik erregt hat, ist der hohe Ausländeranteil der Take-off-Kundschaft: 2020 besassen 63 von 94 Teilnehmenden keinen Schweizer Pass. Für die Baselbieter SVP, die das Kantonale Integrationsprogramm mit einem Referendum bekämpft, ist das eine hoch willkommene Steilvorlage.

Einen Vorgeschmack bot bereits die Kommissionsberatung über die Take-off-Betriebsbeiträge Ende September. Der hohe Ausländeranteil sei in der Diskussion als «erschreckend» bezeichnet worden. So steht im jüngst publizierten Bericht der Justiz- und Sicherheitskommission: «Dies zeige, so wurde in der Kommission gesagt, dass man offensichtlich ein Integrationsproblem habe.»

Obschon die genauen Sitzungsverläufe dem Kommissionsgeheimnis unterliegen, ist es nicht schwierig zu erraten, dass solcherlei Wortmeldungen von rechter Seite getätigt wurden.

An der Medienkonferenz zum Nein-Kampagnenstart vom Montag in Liestal setzte die SVP dann noch einen drauf. Als Beleg für «aktuelle Folgen missratener Integration» musste wiederum das Prattler Sozialwerk herhalten: «Im Projekt ‹Take-off›, das sich um Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten kümmert und 400'000 Franken pro Jahr kostet, haben 67 Prozent einen Migrationshintergrund», heisst es im vierseitigen Abstimmungspamphlet der SVP. Als einziges anderes Beispiel neben Take-off wird darin die angeblich 70-prozentige Belegung von Spital- und Intensivbetten während der Coronapandemie durch Personen mit Migrationshintergrund angeführt.

Kommission ist einstimmig für die Verlängerung

Wenig glücklich über die Folgen dieses zeitlichen Zusammenfalls ist Hans Eglin, der Geschäftsleiter des Jugendsozialwerks des Blauen Kreuzes: «Inhaltlich reden wir von zwei unterschiedlichen Dingen.» Take-off sei nicht Empfänger von Geldern aus dem Kantonalen Integrationsprogramm, obschon es sich ebenfalls als integratives Angebot für ausländische Jugendliche verstehe. «Wir arbeiten eng mit der Sicherheitsdirektion und der Jugendanwaltschaft zusammen», sagt Eglin. Folglich müsse zwischen der Abstimmung und der Leistungsvereinbarung unterschieden werden.

«Letztlich haben aber auch die kritischen Stimmen in der Kommission die Bedeutung unserer Arbeit anerkannt und den Betriebsbeiträgen für die kommenden vier Jahre ohne Gegenstimme zugestimmt.»

Das ist für Take-off die gute Nachricht. Unabhängig vom Abstimmungskampf wird der Landrat am Donnerstag zweifellos die Weiterführung der Betriebsbeiträge für die kommenden vier Jahre bewilligen.

3 Kommentare
Fredi Jaberg

Ich finde es erschreckend wie hier eine der wenigen, auch  gut funktionierenden Angebote, die das BL hat,  für die SVP herhalten muss. Als Lehrperson der Sekundarschule war ich schon mehr mal froh um ihr Angebot, das in unseren Fällen meist CH Jugendliche echt Hilfe war. Gut das es so etwas wie die Tackoff gibt. 

Ruedi Basler

Bei vielen Themen der SVP hat diese Partei keine Ahnung von der Realität. Schlimmer noch, sie will es gar nicht wissen. Das hält sie aber nie ab den Senf dazu zu geben.

Aktuelle Nachrichten