Bildung
Baselbieter Schüler haben schlecht abgeschnitten – nun gibt’s mehr Deutschunterricht

Der Kanton Baselland will die Zukunftschancen für Jugendliche sichern. Von 2022 bis 2028 sollen der Kanton und die Gemeinden deshalb insgesamt rund 62 Millionen Franken für die Bildungsqualität der Volksschule investieren. Das teilt die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) am Mittwoch mit.

Kelly Spielmann
Drucken
Teilen
Monica Gschwind, Vorsteherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion hofft auf die Kooperation der Gemeinden.

Monica Gschwind, Vorsteherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion hofft auf die Kooperation der Gemeinden.

Martin Toengi

Es waren klare Worte, die Regierungsrätin Monica Gschwind an der gestrigen Video-Medienkonferenz zur Zukunft der Baselbieter Volksschule wählte: «Die Resultate haben den Anspruch, den ich als Bildungsdirektorin habe, nicht erfüllt.» Die Rede ist von den Ergebnissen der Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK), bei der Schülerinnen und Schüler der ganzen Schweiz in verschiedenen Fächern getestet werden.

Im Mai 2019 wurden die Ergebnisse präsentiert – in den Fächern Mathematik, Deutsch und Französisch waren sie im Baselbiet unbefriedigend. «Bei den Bildungskompetenzen streben wir nicht das Mittelfeld an», meint Gschwind, «sondern Ergebnisse, die deutlich darüber liegen.»

Dass sich etwas ändern muss, sei Gschwind schnell klar gewesen. Deshalb hat sich die Regierung ein Massnahmenpaket zur Verbesserung der Bildungsqualität an den Volksschulen gemacht – mit einbezogen wurden Schulen, Landratsfraktionen und der Verband der Baselbieter Gemeinden. Die Massnahmen hat Gschwind gemeinsam mit den beiden Co-Projektleitern Alberto Schneebeli, Leiter Stabstelle Bildung, und Beat Lüthy, Leiter des Amts für Volksschulen, an der Videokonferenz vorgestellt.

Mehr Deutsch, mehr Mathe, mehr Informatik

Der Fokus liegt, unterteilt in drei Schwerpunkte, auf den Fächern Deutsch, Mathematik, Medien und Informatik sowie der Berufsfindung und der Weiterbildung von Lehrpersonen.

Der erste Schwerpunkt, «Bildungserfolg für alle», beinhaltet eine zusätzliche Deutschlektion in der dritten Primarklasse und ein Leseförderungsprogramm für alle Schulen. Ebenfalls werden neu die Wahlpflichtfächer in der Sekundarschule ergänzt, sodass diese individueller für die berufliche Zukunft der Schülerinnen und Schüler ausgewählt werden können. Für die 4. bis 6. Klassen der Primar- sowie für Sekundarschulen soll es ausserdem «SOS-Ressourcen» geben – Lektionen, in denen für einzelne Schüler, Gruppen oder ganze Klassen spezifische Hilfe in Fächern oder Themen geleistet werden kann.

Im zweiten Schwerpunkt konzentriert sich das Massnahmenpaket auf Medien und Informatik: Auf Kosten einer Lektion «Natur, Mensch und Gesellschaft» findet das Fach nun schon in der 5. und 6. Primarklasse statt. In den ersten zwei Jahren der Sekundarschule kommt ebenfalls eine Lektion hinzu.

Auch Lehrpersonen werden besser geschult

Letztlich liegt ein Schwerpunkt in der Aus- und Weiterbildung für Lehrpersonen. Der Fokus liegt dabei auf den Kernfächern Deutsch und Mathematik, Medien und Informatik sowie auf der beruflichen Orientierung. Ziel der Weiterbildungen ist die Wirksamkeit der beschlossenen Massnahmen.

Für die Primarschulen bedeuten die Massnahmen keine Zunahme der Wochenlektionen, da die neuen Stunden auf Kosten anderer Fächer dazukommen. In der Sekundarschule jedoch wird sich die Anzahl der Wochenlektionen erhöhen.

50 Millionen für Kanton, 12,4 für Gemeinden

Das ganze Massnahmenpaket kostet sowohl Kanton als auch Gemeinden einen hohen Betrag: Der Kanton soll mit einmaligen und wiederkehrenden Kosten 50 Millionen ausgeben, die Gemeinden zusätzliche 12,4. «Das ist ein einzigartiger Umfang und die höchste Investition der letzten Jahre in die Volksschulen», so Monica Gschwind.

Die Gemeinden müssen noch vom Paket und den damit einhergehenden Kosten überzeugt werden – und das in Zeiten von Corona und roten Zahlen in vielen Gemeinden. Gschwind: «Wir denken, dass wir sie überzeugen können, dass es eine gute Sache und eine gemeinsame Sache von Kanton und Gemeinden ist.»

Umgesetzt werden sollen die Massnahmen auf das Schuljahr 2022/2023. Der Regierungsrat hat das Massnahmenpaket bereits abgesegnet. Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll der Landrat darüber abstimmen, damit der Bildungsrat bereits im kommenden November die Stundentafeln überarbeiten kann.