Liestal
Bahnhofneubau eröffnet der Stadt neue Möglichkeiten beim alten Spitalareal

Auf dem Martin-Birmann-Spitalareal sollen nun Wohnungen und neue Arbeitsplätze statt eines Verwaltungszentrums entstehen. Doch bis gebaut wird, könnte noch einige Zeit vergehen.

Andreas Hirsbrunner
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Der Kanton plante einst einen Grossbau für die kantonale Verwaltung im Gebiet Kreuzboden beim alten Martin-Birmann-Spital.

Der Kanton plante einst einen Grossbau für die kantonale Verwaltung im Gebiet Kreuzboden beim alten Martin-Birmann-Spital.

Nicole Nars-Zimmer (Archiv)

«Das ist ein Durchbruch, der ganz im Sinne der Stadt Liestal ist», kommentiert Liestals Stadtpräsident Lukas Ott die Pläne von SBB und Kanton, den Liestaler Bahnhof neu zu bauen und darin einen Teil der Verwaltung einzumieten. Otts Begeisterung hat eine Vorgeschichte, die den Liestaler Behörden Bauchweh machte: Vor etwas mehr als vier Jahren beschloss die Baselbieter Regierung, im Gebiet Kreuzboden, wo unter anderem das nicht mehr benötigte Martin-Birmann-Spital steht (siehe Kasten), ein Verwaltungszentrum für 760 Kantonsangestellte zu bauen.

Der Niedergang des Martin-Birmann-Spitals

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1877 galt das Martin-Birmann-Spital als Markstein in der Baselbieter Gesundheitspolitik und löste das nahestehende, völlig überfüllte Pfrundhaus ab. Ein paar Jahre später wurde ein Absonderungshaus für Patienten mit ansteckenden Krankheiten angebaut; im letzten halben Jahrhundert folgten drei ergänzende Pavillons. Heute ist vom einstigen Vorzeigebau nicht mehr viel übrig geblieben: Zwei Pavillons wurden vor sechs Jahren zugunsten von 160 Parkplätzen abgerissen, der Rest ist eine Bauruine. Initiant Martin Birmann, der auch Armeninspektor, Stände- und Landrat war, hat es sich wahrscheinlich anders vorgestellt. (hi)

Im Gegenzug wollte die Verwaltung die an über 50 Standorten über ganz Liestal verteilten Büros zu einem grossen Teil räumen. Diese seit diesem Frühjahr obsoleten Pläne hätten für Liestal zur Folge gehabt, dass viele zentrale Arbeitsplätze im oder unmittelbar ums Stedtli an die Peripherie verlegt worden wären, wovon das Liestaler Gewerbe Umsatzeinbussen befürchtete. Zudem sah Ott noch einen andern Nachteil: «Nach Arbeitsschluss wäre diese Verwaltungsmeile jeweils zu einem riesigen ausgestorbenen Gelände geworden, was nicht im Sinne der Stadt ist.»

Jetzt kommt also der Befreiungsschlag für Liestal. Ott sagt es so: «Das Areal rund ums Martin-Birmann-Spital wird frei für neue Überlegungen. Als erster Schritt zur Planung und Entwicklung des Areals bieten sich Studienaufträge an, wobei die Führung beim Kanton als grösstem Grundstückeigentümer liegt.» Die Planung erfolge in enger Zusammenarbeit mit der Stadt.

Für Ott wie auch für Kantonsarchitekt Thomas Jung steht eine Durchmischung von Wohnen und Arbeiten im Vordergrund. Allerdings dämpft Kantonsarchitekt Jung allzu schnelle Erwartungen. Bis im Kreuzboden gebaut werden könne, vergingen mindestens fünf Jahre. Im Moment sei das Gebiet noch in der Zone für öffentliche Werke und nebst dem Kanton besässen auch die Gebäudeversicherung und Private Landanteile.

Chancen tun sich für Liestal auch an jenen zwei Dutzend Standorten auf, wo der Kanton beim Umzug in den neuen Bahnhof Büros räumen wird. Wo das genau ist, kann Jung aber noch nicht sagen. Und nicht zuletzt dürfte sich der geplante Umzug von 540 Kantonsangestellten direkt an den Bahnhof auch positiv auf Liestals Verkehrsaufkommen auswirken. Denn nach jetzigem Planungsstand sind beim neuen Bahnhof keine Parkplätze vorgesehen.

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