Arlesheim
Nach 75 Jahren: Ermitage erhält historische Gartenlaube zurück

In der historischen Anlage oberhalb von Arlesheim haben Liebhaber die Sophienruhe wieder hergestellt. Sie ist 1812 erstellt worden, als Ort der Ruhe und Stille. Seit 1947 existierte sie nicht mehr.

Tobias Gfeller
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Die neue Sophienruhe in der Ermitage Arlesheim.

Die neue Sophienruhe in der Ermitage Arlesheim.

Zvg/Regine Nyfeler

Die Aufregung und Vorfreude ist Regine Nyfeler anzumerken. Die Präsidentin des Vereins Freunde der Ermitage ist gleich doppelt für die Rückkehr der Sophien­ruhe verantwortlich. Einerseits stammt die Idee, die Gartenlaube wieder zu errichten, vom Vorstand der Freunde der ­Ermitage, die dafür auch die ­finanziellen Mittel sammelten.

Andererseits war sie als Architektin haupt­verantwortlich für die Umsetzung – ehrenamtlich. 1812 wurde die nach Sophie von Andlau-Schackmin, der Ehefrau von Conrad von Andlau, genannte Sophienruhe auf der Südseite des mittleren Weihers errichtet.

Wiederaufbau war seit 20 Jahren ein Thema

Die Gartenlaube war ein Ort des Rückzugs und bot den Besuchern einen wunderbaren Blick auf den gegenüberliegenden Burghügel des Schlosses Birs­eck. Gartengebäude wie Lauben und Aussichtskabinette waren wichtige architektonische Elemente eines englischen Landschaftsgartens.

Die baufällige Sophienruhe wurde 1947 entfernt. Seitdem fehlen am mittleren Weiher eine Sitzgelegenheit, was immer wieder beanstandet wurde. Der Wiederaufbau der Sophienruhe war bei den Freunden der Ermitage seit 20 Jahren ein Thema. Die Stiftung Ermitage Arlesheim und Schloss Birseck um Präsident Karl-Heinz Zeller unterstützte diese Idee.

Da der Stiftung für solche Projekte die finanziellen Mittel fehlen, sei sie dankbar für die Initiative der Freunde der Ermitage, die nicht nur in der Realisation von Bauten, sondern auch in der Mittelbeschaffung grosses Know-how, ein Netzwerk und nicht zuletzt grosszügige Mitglieder haben.

Für Neuinterpretation entschieden

Für die Bewilligungsfähigkeit der kleinen Baute im eidgenössisch geschützten Kulturgut Ermitage war die Unterstützung zahlreicher Ämter notwendig, betonen Regine Nyfeler und Karl-Heinz Zeller. Bei Projekten wie der Sophienruhe, bei denen ein nicht mehr vorhandener Baustein der historischen Ermitage neu erstellt wird, gehe es auch immer um die Frage, ob man sie nachbaut oder neu interpretiert.

Bei der Sophienruhe entschied man sich für Letzteres, da Dokumente zur ursprünglichen Sophienruhe kaum vorhanden sind, erklärt Nyfeler.

«Die neue Sophienruhe soll als zeitgemässe kleine Gartenlaube daherkommen und sich nicht an Vergangenes anbiedern. Die Wahrung der Geschichte war uns aber trotzdem wichtig, indem das Bauwerk einfach gehalten werden soll.»

Fünf Tonnen Liesberger Kalkstein Die neue Sophienruhe steht an der ursprünglichen Stelle des Weihers. Eine einfache Holzbaute mit Bohlen als Stützen, einem räumlichen Fachwerk als Dachstuhl und Holzschindeln bildet den Rückzugsort.

Es bleibt ein Überraschungseffekt

Wie beim «Temple rustique» geht der Weg unverändert durch die Sophienruhe. An die Waldböschung anlehnend, lädt eine Steinbank zum Verweilen ein. Die Sitzbank besteht aus einem fünf Tonnen schweren Liesberger Kalkstein aus dem Laufental. Der beauftragte Steinbildhauer bearbeitete ihn nur ganz fein, um seine Ursprünglichkeit zu belassen.

Die Holzbaute aus Lärchenholz wurde von den Zimmerleuten mit grosser Sorgfalt aufgerichtet. Nyfeler schwärmt:

«Es sieht aus, als wäre das kleine Schmuckstück schon immer dort gewesen – perfekt integriert in die Umgebung.»

Damit habe man genau das erreicht, was man sich als Ziel gesteckt habe. Für Regine Nyfeler darf sich auch ein derart bedeutender Ort für die Geschichte wie die Ermitage weiterentwickeln. Vor der Sophienruhe haben die Freunde der Ermitage bereits den Holzstoss neu gebaut, sodass auch die heutigen Besucher wieder den Überraschungseffekt erleben können.

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