Referendum
Allschwiler Lindeplatz: Der Rasen soll unbedingt bleiben

Der Lindenplatz in Allschwil soll umgestaltet werden. Eine lose Frauengruppe hat nun dagegen das Referendum ergriffen. Dies ganz ohne Hilfe von Parteien.

Michel Ecklin
Drucken
Teilen
Lindenplatz
4 Bilder
...giessen die Pflanzen,
...sammeln Abfall auf,
...erfreuen sich an den alten Linden und Föhren.

Lindenplatz

Kenneth Nars

Der Umbau des Lindenplatzes in Allschwil droht nicht etwa an den Grünen zu scheitern, weil diese gegen das Fällen einiger alter Bäume dort wären; und auch nicht an den Bürgerlichen, denen die 3,14 Millionen Franken für den Umbau zu teuer wären. Denn im Einwohnerrat war das Vorhaben unbestritten. Das Referendum ergriffen hat eine lose Gruppe von älteren Anwohnern und vor allem Anwohnerinnen, die sich «Lindengrün» nennt.

Jeden Mittwochabend treffen sie sich vor Ort, giessen die Pflanzen, sammeln Abfall auf, erfreuen sich an den alten Linden und Föhren – und beobachten, was in «ihrem» Park alles läuft. Sie berichten zum Beispiel von einer Mutter, die ein Nickerchen machte, während ihr Kleinkind herumrannte. Da waren am Morgen die Teenies, die an einem Tisch irgendein Schulprojekt besprechen. Manch einer gönnt sich ein auf einer Sitzbank ein Glacé aus den anliegenden Läden. Und zu Feierabend treffen sich ältere Herren zu einigen Bieren. «Die Gemeinde hat neulich eine schöne Birke umgelegt», sagt eine Frau. Sie habe darum gebeten, dass der Stamm liegen bleibe. «Das ist gut für Kleinlebewesen», sagt sie. «Und heute sah ich, wie ein Bub darauf balancierte.»

Es stört einiges am Projekt der Gemeinde

Hört man den Frauen zu, merkt man: Auf diesem unscheinbaren Dreieck an der Baslerstrasse in Neuallschwil hat sich ein menschliches und biologisches Biotop entwickelt. «Lindengrün»-Vorkämpferin Rosemarie Imhof vermutet, dass vor allem Leute hierherkommen, die keinen eigenen Garten haben. «Sie haben diesen Park nötig», sagt sie. «Werden sie auch noch kommen, wenn alles clean-geschniegelt und offen ist, wie das die Gemeinde will?» Für sie «eine ungute Entwicklung».

Dabei sind sich die Frauen von «Lindengrün» nicht wirklich einig, was sie am Umbauprojekt der Gemeinde am meisten stört. Eine Mitstreiterin versteht die Absicht der Planer nicht: «Gesunde Bäume fällen, geht’s noch? Die neuen brauchen ja Jahre, bis sie Schatten spenden.» Eine Frau meint, der Heckenzaun dürfe nicht weg, «sonst rennen die Kinder auf die Strasse». Anwohnerinnen halten es für «unmöglich», dass der Platz für Anlässe herhalten soll, wie das die Gemeinde plant. «Wir haben doch schon genug Lärm.» Man solle «nicht zu viel reintun in diesen Park, das bringt nur Unruhe», findet eine. Eine andere wünscht sich hingegen «möglichst viel Leben». Gesagt wird auch, der geplante Kiosk sei viel zu gross.
Es gibt immerhin einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Man ist gegen den Mergelbelag, der den Platz durchgehend bedecken soll. Der Park solle grün bleiben, mit dem wuchernden Gebüsch an den Rändern, und vor allem mit dem Rasen – auch wenn der unter den Bäumen spärlich wächst. Nicht umsonst nennen die Frauen die Anlage nicht «Platz», sondern «Park». Man wünscht sich mehr Wildes, weniger Geplantes.

«Es macht doch nichts, wenn der Rasen nicht bis zu den Stämmen reicht», sagt eine Dame. «Das ist nur Erde, nichts Anrüchiges.» Eine ältere Dame meint: «Die Natur ist am Sterben.» Ein Mergelboden kühle im Sommer nicht, «wir müssen doch etwas gegen den Klimawandel tun». An den Giessabenden treffen die Damen auf Passanten, reden mit ihnen, zeigen ihnen das Projekt der Gemeinde. «Wir sind ein handgestricktes Grüppchen», sagt Imhof. «Wir haben keine Adressdatei. Aber ich merke: Wir haben viele Sympathisanten.»

Kommt es nach einem Nein zu einem Kompromiss?

Unklar bleibt allerdings, was «Lindengrün» im Falle eines Neins des Allschwiler Souveräns am 27. September vorhat. «Man muss eigentlich gar nichts ändern, nur das Ambiente behalten», findet eine Dame. Es gibt die Idee, dass Anwohner den Park auf eigene Faust pflegen und gestalten könnten, etwa mit grün gestalteten Baumscheiben. Das wiederum hält eine Mitstreiterin für «nichts Rechtes». Imhof kann sich vorstellen, dass man mit den Planern des Projektes der Gemeinde einen Kompromiss sucht. «Aber das wäre schwierig. Jedenfalls sind wir nach einem Nein gefordert.»

Aktuelle Nachrichten