Strafgericht

Zigarren im Wert von 200'000 Franken geklaut weil sie 20 Jahre rumstanden

Symbolbild

«In der Zeit, in der ich dort war, wurde keine einzige dieser Zigarren verkauft.»

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Ein Lagerarbeiter liess 1'900 kubanische Zigarren mitgehen und lagerte sie in seinem Keller. Das Diebesgut gab er zurück. Dennoch verurteilte ihn das Gericht. Weitere Urteile könnten folgen.

Nach der Verurteilung am Baselbieter Strafgericht könnten weitere Kosten auf den Mann zukommen.
«Ich dachte, die Zigarren haben null Wert. Die Paletten sind 20 Jahre lang im Weg gestanden, man musste sie immer wegräumen. Es hiess, sie würden vernichtet», erklärte der 59-jährige Mann aus Lörrach am Mittwoch in Muttenz im Gerichtssaal.

22 Jahre lang war er im damaligen Lager von Oettinger-Davidoff in Reinach beschäftigt, bis er im Juli 2016 einen grossen Fehler beging: Mit dem Gabelstapler bediente er sich an den vermeintlich wertlosen Paletten mit den Vermerken «Vintage» und «Kuba», packte die Kartons aus, lagerte die Zigarrenkistchen vorübergehend in anderen Räumen und stellte die leeren Kartons wieder zurück. Nach und nach nahm er die Kisten jeweils in kleinen Portionen nach Hause. «Ich hatte kein gutes Gefühl dabei», gab er Mann gestern zu.

Der Diebstahl flog auf, der Arbeitgeber erstattete Anzeige. Seinen Job ist der Lagerarbeiter inzwischen los. Es seien vergammelte, alte Zigarren gewesen, beteuerte er gestern. «Das hat aber so niemand bestätigt», erwiderte Gerichtspräsident Robert Karrer.

Tatsächlich wollte der Arbeitgeber von «wertlos» nichts wissen: Die 1900 Zigarren bezifferte er auf einen Wert von rund 200'000 Franken. «Es hat alles einen Wert», kommentierte der 59-Jährige daraufhin lakonisch. «In der Zeit, in der ich dort war, wurde keine einzige dieser Zigarren verkauft.»

Weil der Mann in Lörrach wohnt und damit keinen Wohnsitz in der Schweiz hat, sass er zwei Monate lang in Untersuchungshaft. Gesundheitlich hat ihm dies arg zugesetzt, er leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung, ist arbeitsunfähig und bemüht sich in Deutschland um eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Das Deliktsgut gab er unbeschädigt zurück, die Kisten lagerten in seinem Keller.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Strafe von zehn Monaten bedingt, Verteidiger Matthias Aeberli fand eine Strafe von sieben Monaten angemessen. Einzelrichter Robert Karrer setzte das Strafmass für den Diebstahl auf neun Monate fest. Das im Jahr 2016 geltende Strafrecht erlaubte noch die mildere Geldstrafe, somit blieb es bei einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 30 Franken.

Weitere Kosten könnten folgen

Allerdings muss er Verfahrenskosten von über 6'000 Franken übernehmen, ebenso die Anwaltskosten von Oettinger-Davidoff von über 4'000 Franken. Eine Schadenersatzforderung von Oettinger in der Höhe von 1,8 Millionen Franken wies das Gericht allerdings ab. Dabei ging es offenbar um weitere Werbeartikel, die beim Mann zu Hause gefunden wurden. Der 59-jährige Zigarren-Fan hatte allerdings immer beteuert, dass er diese rechtmässig erworben hatte. Die Strafverfahren dazu wurden eingestellt. Der Gerichtspräsident betonte, es gebe keine Hinweise auf ein widerrechtliches Verhalten des Mannes in diesen Punkten. Insbesondere die Zivilklage kann noch weiter gezogen werden.

Allerdings droht dem Mann noch von anderer Seite teures Ungemach: Auch der deutsche Zoll interessiert sich für den genauen Wert der damals nach Deutschland geschmuggelten Zigarren, denn auch die Rückgabe ändert nichts daran, dass keine Zollabgaben bezahlt worden sind. Das Baselbieter Strafgericht stufte die Wertangabe von rund 200'000 Franken als glaubhaft ein. Ob der Zoll dies so übernimmt, ist noch unklar.

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