Lehrmittel-Streit

Wegen Franzi-Schwäche bei Primarschülern: Starke Schule schiesst gegen «Mille feuilles»

(Symbolbild)

Vielen Primarschülern bereiten die Leistungs-Checks Mühe.

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Bei den Nordwestschweizer Leistungs-Checks zeigte sich, dass rund 60 Prozent der Schüler im Französisch nur eine der beiden tiefsten von vier Kompetenzstufen erreichten. Für die Starke Schule ist das Lehrmittel «Mille feuilles» daran schuld.

Die nackten Zahlen erschrecken: Bei den Leistungs-Checks der Sechstklässler in der Nordwestschweiz schneiden die Primarschüler im Französisch besonders schlecht ab. Auf einer Skala von vier Kompetenzstufen schafft es ein Grossteil nicht über Stufe zwei hinaus. Konkret sind dies in der Kategorie «Hören» 62 Prozent in Baselland, 56 Prozent in Basel-Stadt und 67 Prozent im Kanton Solothurn. Beim «Lesen» sind es 63 Prozent (BL) respektive 67 Prozent (BS und SO). Im Kanton Aargau wurde statt Französisch Englisch getestet, wobei auch hier 53 (Hören) und 55 Prozent (Lesen) die Stufe Drei nicht erreichten.

Diese Check-Resultate publizierte das Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich bereits im Januar. Durchgeführt wurden die Tests mit insgesamt 12'500 Primarschülern im August und September 2017. Das hielt das Komitee Starke Schule beider Basel nicht davon ab, sie gestern nochmals prominent auf seiner Website zu thematisieren – verknüpft mit einer glasklaren Kampfansage: «Schuld an diesem miserablen Ergebnis ist das unsägliche Lehrmittel ‹Mille feuilles›.»

Was muss ein Schüler können?

Der Grund liegt auf der Hand: Erst kürzlich hat die Starke Schule eine formulierte Volksinitiative lanciert, die die endgültige Verbannung der Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’Oeil» und «New World» aus den Baselbieter Schulzimmern verlangt. «Die Starke Schule nutzt im Moment alle Möglichkeiten, um Studien, Umfragen oder Testresultate in ihrem Sinne auszulegen. Ihre Argumente sind aber an den Haaren herbeigezogen», kritisiert Lukas Flüeler, Co-Präsident der Baselbieter Primarlehrerkonferenz.

Das Hauptargument des Komitees um Landrat Jürg Wiedemann ist, dass der Lehrplan Volksschule Baselland für die Sechstklässler die Kompetenzen der Stufe drei vorsehe. Dementsprechend erreichten fast zwei Drittel der Schüler die Lernziele nicht. Laut Definition der Uni Zürich bedeutet die Stufe drei bei «Hören»: «Die Schüler können einem einfachen, kurzen Text zu vertrauten Themen, in dem eine oder mehrere Personen sprechen, grundlegende Informationen entnehmen, sofern langsam und deutlich gesprochen wird und der Text Pausen aufweist.»

Flüeler aber sagt: «Diese Kompetenzstufe entspricht im Lehrplan dem Niveau A 2.1. Und dieses müssen die Primarschüler erst am Ende der sechsten Klasse erreicht haben. Der Check P6 fand aber Anfang des Schuljahres statt. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Schüler in dieser Zeit noch auf das nötige Niveau bringen.» Auch Beat Lüthy, Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen, hält fest: «Es stimmt nicht, dass Schüler beim Check P6 die Kompetenzstufe drei erreichen müssen.»

Test mit «Bonne Chance»?

Er geht noch weiter als Flüeler, wenn er sagt: «Der direkte Vergleich zwischen den Kompetenzstufen der Checks und den Lernzielen des Lehrplans ist nicht zulässig.» Diese Verknüpfung werde erst zu einem späteren Zeitpunkt angestrebt. Lüthy möchte denn auch keine Aussage machen, ob die Resultate der Checks auf schlechte Französisch-Kenntnisse schliessen lassen, so auffällig sie auch sind. Auch in Basel-Stadt heisst es beim Erziehungsdepartement auf Anfrage: «Die Ausführungen der Starken Schule sind polemisch und wenig zielführend.»

Sekundarlehrer Jürg Wiedemann hält am Vergleich fest. Nach Rücksprache mit einem am Check beteiligten Primarlehrer sagt er: Der Schwierigkeitsgrad der Fragen sei an das Niveau Anfang der sechsten Klasse angepasst. «Alle Zahlen und Fakten weisen darauf hin, dass «Mille feuilles» schlecht ist. Wie viel braucht es denn noch, dass man uns endlich glaubt?» Einen Haken hat Wiedemanns Argumentation allerdings: «Es gibt keine vergleichbaren Checks mit anderen Französisch-Lehrmitteln», sagt Lüthy. Ob Primarschüler zu Zeiten von «Bonne Chance» und Co. also wirklich besser abgeschnitten hätten, bleibt offen.

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