Fahrplanwechsel

Warum das Läufelfingerli wieder in die Erfolgsspur findet

Voller als auch schon: Eine Komposition der S9 auf dem Rümlinger Viadukt. (Archivbild)

Voller als auch schon: Eine Komposition der S9 auf dem Rümlinger Viadukt. (Archivbild)

Auf der S9 zwischen Sissach und Olten zeigt sich ein Aufwärtstrend: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember verzeichnen die SBB auf Kursen zu Stosszeiten massiv mehr Fahrgäste als zuvor. Der Grund dürfte vor allem in einem – gewünschten – Verlagerungseffekt vom Bus auf die Bahn liegen.

Das von der Stilllegung bedrohte Läufelfingerli könnte – endlich – in die Erfolgsspur finden: Seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember haben die Pendlerzahlen auf der S9 im Homburgertal teilweise massiv zugenommen, wie eine Anfrage bei der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) bestätigt. So zählten die SBB auf dem meistbenutzten Kurs am Morgen (Ankunft in Sissach um 7.24 Uhr) in der Woche vor Weihnachten jeweils zwischen 90 und 100 Fahrgäste.

2018 lag die durchschnittliche Belegung auf diesem Kurs bei «nur» 60 Personen. Wer zu Stosszeiten im Läufelfingerli unterwegs ist, muss neu damit rechnen, keinen Sitzplatz zu finden, die Züge sind brechend voll. Massnahmen zur Kapazitätssteigerung – etwa durch einen zusätzlichen Wagen – drängten sich aber noch nicht auf, sagt Dominic Wyler, öV-Planer in der BUD.

Takt-Drehung soll mehr öV-Fahrgäste bringen

Der Grund für den Boom dürfte vor allem im neuen Angebotskonzept liegen: Zum Fahrplanwechsel hin sind die parallel und gleichzeitig zur S9 verkehrenden Busse der BLT-Linie 108
(Sissach-Wittinsburg) aufgehoben worden, um mehr Fahrgäste auf den Zug zu bringen. Die frei werdenden Kapazitäten wurden zur Verlängerung einer anderen Buslinie genutzt. «Eine Verlagerung vom Bus auf die Bahn ist nötig, um das Läufelfingerli längerfristig zu erhalten. So wie es aussieht, tritt dieser Effekt nun ein», sagt Wyler.

Allerdings wäre es wünschenswert, zusätzliche Pendler auf den öV zu bringen. Dazu beitragen soll laut Wyler der lastrichtungsabhängige Fahrplan: Seit dem 15. Dezember wird der Takt jeweils um 14 Uhr gedreht. Morgens ist er darauf ausgerichtet, dass die Anschlüsse für Pendler aus dem Tal in Sissach Richtung Basel sowie in Olten Richtung Zürich/Bern gewährleistet werden. Dank Drehung profitieren sie neu abends von guten Anschlüssen zurück an ihren Wohnort.

Der Wermutstropfen

Der durchgehende Taktfahrplan muss aufgegeben werden, zudem fährt der letzte Zug abends ins Tal früher als bisher. Warum wurden diese Änderungen nicht früher eingeführt? «Wir haben das bei den SBB bereits vor Jahren und wiederholt eingebracht. Lange hiess es, eine Drehung des Fahrplans sei technisch nicht möglich», sagt Wyler. Grund war die Gleissituation im Bahnhof Olten. Für ein Fazit sei es vier Wochen nach Einführung zu früh. Kommende Woche ist ein Treffen mit der BLT anberaumt. In zwei Jahren werde man zum neuen Angebotskonzept Bilanz ziehen, sagt Wyler.

Klar ist bereits heute: Ohne die erwähnten Massnahmen wäre das Läufelfingerli bald wieder infrage gestellt. 2018 sank die Zahl der einsteigenden Personen auf knapp 297000 und damit den tiefsten Wert seit 2010. Dies notabene nur kurz nach der Volksabstimmung vom November 2017, in der sich eine Mehrheit des Baselbieter Stimmvolks gegen die Stilllegung der stark defizitären Bahnlinie ausgesprochen hatte. 2017 stiegen die Fahrgastzahlen gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent an – zu vermuten ist ein kurzfristiger Solidaritätseffekt.

Insgesamt haben die Zahlen auf der Bahn im Homburgertal seit 2010 aber um rund 15 Prozent ab-, in derselben Zeit jene auf der Buslinie 108 um über 40 Prozent zugenommen. Erstmals 2016 sowie 2018 nutzten mehr Menschen den Bus als die Bahn. Dies auch deshalb, weil der Bus für die Bewohner der Berggemeinden, aber auch für viele in den Dorfkernen der Talgemeinden das nähere, flexiblere Verkehrsmittel ist. Mit dem neuen Konzept wird versucht, die Vorzüge von Bahn und Bus zu kombinieren.

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