Gesundheitsversorgung

Laufner Spitalareal ist Millionen wert: Nun will der Kanton dieses der Stadt zurückgeben – gratis

"Ein Abbruch steht nicht im Vordergrund": Der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof möchte das Spital auch nach dessen Schliessung öffentlich nutzen.

"Ein Abbruch steht nicht im Vordergrund": Der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof möchte das Spital auch nach dessen Schliessung öffentlich nutzen.

Zur geplanten Schliessung des Spitals Laufen werden immer mehr Details bekannt: So will der Kanton das Spitalareal an die früheren Eigentümer, die Stadt und die Burgergemeinde Laufen, zurückgeben. Die Stadt möchte das Areal weiterhin öffentlich nutzen, etwa für Betreutes Wohnen. Allerdings: Bei einem Verkauf als Bauland brächte das Areal viele Millionen Franken ein.

Nun wird die geplante Schliessung des Spitals Laufen formell besiegelt: So sollen im entsprechenden Dekret künftig nur noch die Spitalstandorte Bruderholz und Liestal festgelegt werden, wie die Baselbieter Regierung dem Parlament beantragt. Die am Mittwoch veröffentlichte Vorlage enthält zudem weitere Informationen zum geplanten Gesundheitszentrum sowie zu den Umnutzungsplänen für das heutige Spitalareal.

Erstmals nun stellt der Kanton öffentlich in Aussicht, das Areal an der Lochbruggstrasse an die Burger- und Einwohnergemeinde Laufen als frühere Eigentümer allenfalls unentgeltlich zurückzugeben. Erste Gespräche über die Rahmenbedingungen wie etwa den Verwendungszweck seien bereits geführt, sagt Olivier Kungler, Generalsekretär der Baselbieter Gesundheitsdirektion. In bilateralen Gesprächen hätten bereits mehrere Parteien Interesse angemeldet, am bestehenden Spitalstandort Angebote der Langzeitpflege zu erbringen. Offiziell starten die Verhandlungen im Juli.

Kanton subventioniert Notfall im Gesundheitszentrum

Der am 30. Juni abtretende Laufner Stadtpräsident Alexander Imhof unterstützt diese Bestrebungen: Aus Sicht der Stadt wäre eine gemeinnützige Nutzung des Areals langfristig sinnvoll. "Ein Abbruch des heutigen Spitals steht nicht im Vordergrund der Überlegungen", betont Imhof. Zudem verfolge die Stadt mit dem Areal keine finanziellen Interessen. Allerdings könnten dies in Laufen einige - darunter Vertreter der Burgergemeinde - anders sehen: Das rund 28000 Quadratmeter Areal brächte bei einer entsprechenden Umzonung und anschliessendem Verkauf als Bauland einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Olivier Kungler betont, dass der Kanton nicht a priori gegen eine Umzonung sei.

Zudem will die Regierung dem Landrat im Herbst eine separate Finanzierungsvorlage für einen ambulanten 24-Stunden-Notfalldienst im geplanten Gesundheitszentrum in Bahnhofsnähe unterbreiten. Dieser soll das einzige Element sein, das nicht kostendeckend funktionieren und somit aus regionalpolitischen Gründen staatlich unterstützt wird. Vorgesehen sind Kantonsbeiträge von "unter einer Million Franken pro Jahr", wie Kungler verrät. Zudem seien die Kantonsbeiträge aufgrund des Staatsbeitragsgesetzes jeweils auf vier Jahre beschränkt. Dann werde man Bilanz ziehen und über eine weitere Finanzierung diskutieren.

Gerichtlicher Showdown zum Laufentalvertrag steht bevor

Wie kürzlich bekannt wurde, soll das Gesundheitszentrum vom Kantonsspital Baselland (KSBL) gemeinsam mit der Migros-Tochter Medbase betrieben werden. Das neue Zentrum soll Hausarztmedizin, Therapien, Diagnostik mit Radiologie, Spezialsprechstunden, Medikamentenversorgung und die Notfallversorgung mit ärztlicher Betreuung rund um die Uhr anbieten. Stadtpräsident Imhof ist angetan vom Konzept: "Wir haben mit dem Gesundheitszentrum nun eine Lösung auf dem Tisch, die der Laufentaler Bevölkerung langfristig mehr dienen wird, als wenn wir auf einem stationären Spital bestehen, das langfristig doch nicht überlebensfähig ist.“

Im Laufental sehen das allerdings nicht alle so: Erst vor Wochenfrist wurde bei der Baselbieter Regierung eine Petition mit 2000 Unterschriften eingereicht, welche die Beibehaltung eines stationären Angebots mit innerer Medizin am Spital Laufen fordert. Verwiesen wird dabei auf einen Passus im Laufentalvertrag, wonach der Bestand des Spitals mit mehreren genannten Disziplinen "dauernd gewährleistet" bleibe. Was das heisst, ist allerdings umstritten. Das von der Regierung nun vorgelegte Dekret, in dem der Spitalstandort Laufen nicht mehr genannt wird, bildet nun erstmals einen formellen Anknüpfungspunkt für eine gerichtliche Klärung des Laufentalvertrages. Beim Kanton würde man dies zwar nicht selber anstreben, aber man könnte dies aus Sicht einzelner Laufentalerinnen und Laufentaler durchaus nachvollziehen, wie Kungler betont: "Ohne klärendes Gerichtsurteil wird für diese die Frage nach dem Spital Laufen wohl immer zwischen dem Kanton und der Laufentaler Bevölkerung liegen", sagt Kungler. 

Meistgesehen

Artboard 1