Baselland

Gesundheitszentrum oder Spital? Der Widerstand wächst bei Demo fürs Spital Laufen

Marisa Hänggi nahm an der Demo kein Blatt vor den Mund.

Marisa Hänggi nahm an der Demo kein Blatt vor den Mund.

Gut 150 Laufentaler demonstrierten am Samstag im Stedtli gegen die Umwandlung des Spitals in ein ambulantes Gesundheitszentrum.

«Mich verjagts fast», schnaubt ein wütender Ueli Herrmann ins Mikrofon auf der kleinen Bühne vor dem Laufner Rathaus, «wir Steuerzahler werden im Laufental versecklet, angelogen und hintergangen.» Der Nenzlinger Herrmann ist einer von 150 bis 180 Personen, die sich vor malerischer Kulisse aufgebaut haben, um ein Stück Tradition im Tal zu behalten. Sie demonstrieren für den Erhalt des Spitals als ein vollwertiges sowie dagegen, dass es als abgespecktes Gesundheitszentrum von der Lochbruggstrasse an den Bahnhof zieht. Geladen hat die IG Pro Spital Laufen. Die Demo ist genehmigt.

Ueli Hermann ist nicht als Redner vorgesehen. Aber das musste er loswerden auf der Bühne. Und er setzt noch einen obendrauf: «Von Anfang an bestand die Idee, durch personelle Lösungen dieses Spital auf einen Rumpfhaufen herunterzubringen.» Er spricht von Misswirtschaft, wie es auch auf den Transparenten zu lesen ist. Weitere Transparente fragen, «Staatsvertrag, was bist du wert?» Oder: «Volkswille?»

Die Sache mit dem Laufentalvertrag

Vor allem der Staatsvertrag ist es, worauf sich die IG Pro Spital Laufen und die Demonstrierenden berufen. Marisa Hänggi von der IG verkündet: «Der Paragraf 45 garantiert die dauernde Gewährleistung unseres Spitals.» Simon Felix, Kopf der IG und Stadtrat in Laufen, legt noch einen drauf. «Am 26. September 1989 sagte das Schweizer Volk Ja zum Laufentalvertrag», so Felix vor dem Mikro, «am 17. Juni 2020 sagt der Baselbieter Regierungsrat, der Staatsvertrag gelte eigentlich nicht mehr. Und das in einem Rechtsstaat, einer Demokratie. Ich finde das unglaublich.»

Symbolisch Maulkörbe verteilte die Veranstalterin vor der Kundgebung. Hygienemasken mit einem X vor dem Mund. Es soll symbolisieren, dass die Belegschaft des Spitals sich politisch nicht äussern dürfe. Die Demo selbst ist an diesem Samstag Stadtgespräch. In den Strassencafés wird debattiert. Die IG sammelt Geld unter den Leuten vor dem Rathaus. «Nichts ist gratis», begründet Hänggi, «wir sind guter Hoffnung, dass wir das Ganze vor Bundesgericht ziehen können.»

Die Demo beginnt mit einer Schweigeminute für die Demokratie. Sie endet im Klatschen für die Belegschaft des Spitals.

Das Laufental wächst, nur das Spital schrumpft

Marisa Hänggi bezeichnet das Laufental als den Teil des Baselbiets, der aktuell das grösste Wachstum vorweise. Die Bevölkerung wachse, die Wirtschaft wachse. «Wir sind auf gutem Weg», ruft sie der Menge zu. Deshalb müsse alles vorhanden sein, was dem Grundbedarf zuzurechnen sei. «Dazu zählt auch ein Spital.»

Nicht nur den Laufnern selbst liegt das Spital am Herzen: «Das Laufental wird heute verkauft», wettert Edi Jermann, Gemeinderat in Dittingen. «Wo bleibt der Aufschrei der Wirtschaftsförderer?», fragt er rhetorisch, denn die Frage war einer Aufforderung gleichbedeutend. Das Spital sei einer der grössten Arbeitgeber im Tal.

«Das Gesundheitszentrum ist eine bessere Arztpraxis», urteilt Simon Felix. Es solle ins Zentrum, wo Migros-Tochter Medbase das Einkaufen mit dem Gang zum Arzt verbinden wolle. «Die Leute in die Läden bringen», nennt Felix das Prinzip, «irgendwann kommen da Angebote wie Darmspiegelungen, die fünfmal Cumulus-Punkte geben.»

Meistgesehen

Artboard 1