Dauerausstellung

Genug Dauerausstellung: Dichtermuseum plant Zeitsprung

Seit 18 Jahren zeigt das Liestaler Museum die gleiche Dauerausstellung. (Archivbild mit Peter Graf)

Seit 18 Jahren zeigt das Liestaler Museum die gleiche Dauerausstellung. (Archivbild mit Peter Graf)

Eine neue Dauerausstellung soll das Liestaler Museum modern und attraktiver machen – Knacknuss ist das Geld.

Eigentlich ist es in der Museumsszene ein No-Go, was das Dichter- und Stadtmuseum Liestal (Distl) bis jetzt praktiziert hat: Seit seiner Eröffnung vor 18 Jahren zeigt es die gleiche Dauerausstellung. Die Lebensdauer eines solchen Langzeit-Angebots wird ansonsten auf etwa zehn Jahre veranschlagt. Entsprechend klein ist der Besucheraufmarsch. Museumsleiter Stefan Hess sagt, dass es ohne Sonderausstellungen und Veranstaltungen schon Wochen mit nur ein bis zwei Besucher gegeben habe: «Die Interessierten kennen die Dauerausstellung, sie kommen nicht mehr.»

Es sind denn auch die Sonderausstellungen wie die gegenwärtige zu Carl Spitteler, die das kleine, dreistöckige Museum mitten im Stedtli füllen. Die während des ganzen 2019 laufende Spitteler-Ausstellung hat inklusive Veranstaltungen bis jetzt 2500 Personen angezogen.
Deshalb erfolgt jetzt der Befreiungsschlag: Das Distl plant auf August 2021 eine neue Dauerausstellung nach modernen museumspädagogischen Grundsätzen.

Burgunderschale und Herwegh-Pistolen im Fokus

Dabei sollen die eigenen Prunkstücke – notabene alles Originale – wie die Burgunderschale, der Baselbieter Freiheitsbrief von 1798, die Spitteler-Nobelpreis-Medaille oder Emma Herweghs zwei Pistolen, mit denen sie in die Revolution gezogen ist, ins Museumsschaufenster gerückt werden: in Vitrinen mit Spezialbeleuchtung gleich nach der ebenfalls ganz neu zu gestaltenden Einführungsshow im ersten Stock.

Dazu kommen Themenpfade mit Video- und Audioclips, die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, darunter auch wieder vermehrt Schulen, den Museumszugang ebnen sollen. Hess und seine einzige Mitarbeiterin Rea Köppel erwähnen etwa die Kombinationen Herwegh und Baselbieter Geschichte, Spitteler und Erster Weltkrieg, Jonas Breitenstein – Dichter und Pfarrer im 19. Jahrhundert – und Baselbieter Alltagsleben oder den Themenpfad «Liestal für Eilige» mit Geschichte, Literatur, aber auch den Stadtbränden.

Auf Interesse dürfte auch ein eigens herzustellendes Modell der Liestaler Altstadt und ihrer Umgebung stossen, in dem per Lichteffekt etwa die Route des Chienbäse-Umzugs oder die Wachstumsschübe seit der Römerzeit gezeigt werden sollen.

Erst Bürgergemeinde hat Geld gesprochen

An guten Ideen fehlt es also nicht – aber noch an Geld. Kommt die Dauerausstellung so zustande, wie sie Hess und Köppel zusammen mit den Ausstellungs-Spezialisten vom Büro Groenlandbasel in ein Konzept gegossen haben, so ist eine Million Franken von Nöten. Bis jetzt hat erst die Bürgergemeinde Liestal einen Beitrag von 100'000 Franken definitiv zugesagt. Gesuche liegen beim Swisslos-Fonds, diversen Stiftungen und der Stadt Liestal. Hess sagt: «Ich bin zuversichtlich, dass es klappt.» Zudem steuert das Distl selbst 185000 Franken bei, indem es die Hypothek aufstockt und seine Reserven anknabbert. Und der Gönnerverein des Museums weibelt ebenfalls um Beiträge.

Bis spätestens kommenden Mai müssen die grossen Posten zusammen sein, sonst seien Anpassungen notwendig, sagt Hess. So müsste etwa das inklusive Beleuchtung rund 15'000 Franken teure Modell von Liestal aus dem Konzept gekippt werden. Zu den Neuerungen gehören im Weiteren auch der Internetauftritt und die Fassadengestaltung.

Im Alltag lebt das Distl von den Leistungsbeiträgen der Stadt und der Bürgergemeinde Liestal, den Eintritten, vom Fundraising sowie den Mieteinnahmen vom «Poetenäscht» im Erdgeschoss. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört die Betreuung der städtischen Sammlungen von der Literatur (etwa Carl Spitteler, Georg und Emma Herwegh) über Gemälde (Otto Plattner) bis hin zu Waffen und Fahnen.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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