Nordwestschweiz

Frostnächte setzten der Ernte zu: Jetzt sind die Kirschenpflücker gefordert

Erntehelfer haben auf der Kirschbaumplantage des Reigoldswiler Obstbauern Hansruedi Wirz momentan alle Hände voll zu tun.

Erntehelfer haben auf der Kirschbaumplantage des Reigoldswiler Obstbauern Hansruedi Wirz momentan alle Hände voll zu tun.

Die strengste Phase für die Kirschenpflückerinnen und -pflücker läuft. 670 Tonnen Tafelkirschen dürften heuer in der Nordwestschweiz eingebracht werden. Die Frostnächte im Frühling minderten den Ertrag.

Jetzt haben die Kirschenpflückerinnen und -pflücker Hochsaison. In dieser und in den kommenden zwei Wochen werden gegen 70 Prozent der ganzen Tafelkirschenernte eingefahren. Die zweite Vorernteschätzung vom 8. Juni rechnet für diesen Sommer mit insgesamt 670 Tonnen Tafelkirschen in der Nordwestschweiz mit dem Baselbiet, Schwarzbubenland und Fricktal. Schweizweit werden 2150 Tonnen vorausgesagt.

Hansruedi Wirz, Präsident des Produktzentrums Kirschen/Zwetschgen des Schweizerischen Obstverbands und von Swisscofel, spricht von einer «mittleren Ernte» in der Region. In den vergangenen zwei Jahren fielen jeweils rund ein Drittel mehr Tafelkirschen an; 2018 waren es 1009 Tonnen, im Vorjahr deren 973. Die Schätzungen der Tafelkirschen hätten sie «sehr gut im Griff», letztes Jahr seien die Zahlen höchstens fünf bis zehn Prozent abgewichen, erklärt Wirz.

Frostnächte mindern den Ertrag

Der Grund für den mässigen Ertrag von heuer sind die Frostnächte im Frühling. Zwar war keine so kalt wie im April 2017, «aber die Summe dieser Nächte machte es aus. Jede Nacht ging ein Teil der Ernte drauf», analysiert Hansruedi Wirz. Vor allem Kordia, eine der Hauptsorten in der Schweiz, litt in der hiesigen Gegend stark. «Das zeigt sich dann bei der Gesamtmenge.» Wenn es Hauptsorten trifft, fällt das mehr ins Gewicht als bei Nebensorten, die dieses Jahr dafür vereinzelt mehr Kirschen abwerfen.
Laut dem Reigoldswiler Obstbauer stammen die Baselbieter Tafelkirschen aus gedeckten Kulturen, die in den vergangenen Wochen und Tagen geschützt waren. Die Qualität sei «sehr gut». Im Frühling war es zwar ein wenig trocken, aber in vielen Anlagen kann man bewässern. «Die Wärme im April und Mai tut den Bäumen gut», weiss der 63-Jährige.

Fast die Hälfte der anfallenden Tafelkirschen in der Nordwestschweiz weist das ansehnliche Kaliber 28 + auf. Das treffe für heuer zu, vergangenes Jahr seien die Verhältnisse anders gewesen, sagt Wirz und präzisiert: «Der Behang einzelner Sorten ist geringer. Dadurch werden die Kirschen grösser, damit kann man den fehlenden Ertrag ausgleichen oder gar verbessern.»

Brennkirschen:«Es ist eine Lotterie»

In der Nordwestschweiz sind heuer rund 1000 Tonnen Brennkirschen möglich. Entscheidend ist das Wetter während der Ernte. Ist es regnerisch, sind viele gesprungene und faule Kirschen die Folge. Sollte die Essigfliege als zusätzliche Spielverderberin dreinfunken, kann die Menge der Brennkirschen rasch einbrechen. «Es ist eine Lotterie», ist sich Hansruedi Wirz bewusst.

Mit geschätzten 500 Tonnen Industriekirschen kann die Nachfrage in der Schweiz nicht gedeckt werden. Die Verantwortlichen des Schweizerischen Obstverbands beobachten die Situation genau. Möglicherweise werden Brennkirschen in guter Qualität als Konservenkirschen verwendet. Umgekehrt verhielt es sich in den letzten Jahren, als eher zu wenige Brennkirschen anfielen.

Spirituosen liefen diesen Frühling schlecht

Derzeit sind die Brennereien jedoch eingedeckt. Wegen der Coronakrise liefen Spirituosen diesen Frühling schlecht: Gastrobetriebe mussten schliessen, Veranstaltungen wurden abgesagt, die Skisaison wurde frühzeitig abgebrochen. «Das spüren wir stark», seufzt Hansruedi Wirz.
Er selbst führt einen Obstbaubetrieb mit gegen sechs Hektare. Davon bedeckt die Kirschbaumplantage 1,2 Hektare, Zwetschgen und Mirabellen machen 1,4 Hektare aus. Der Rest ist mit Äpfel- und Birnbäumen bepflanzt. Das Präsidium des Produktzentrums hat Wirz seit zwei Jahrzehnten inne.

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