Buchvernissage

Ein Kreuzworträtsel aus dem Mittelalter

So sah das Kloster Schönthal im 12. Jahrhundert aus.

So sah das Kloster Schönthal im 12. Jahrhundert aus.

Im Kloster Schönthal wurde gestern dessen Geschichte in Buchform präsentiert.

«Das Schönthal ist heute ein Ort mit Strahlkraft, wo sich Menschen, Natur und Kunst verstehen», eröffnete John Schmid die Buchvernissage. «Höchste Zeit, dass diesem Ort eine würdige Monografie gewidmet wird.» Schmid, Präsident des Vereins Kloster Schönthal, hat keinen unwesentlichen Anteil daran, dass nun das neue Buch vorliegt. «Das mittelalterliche Kloster Schöntal – neu untersucht» heisst der Band und wurde möglich, weil Schmid im Schönthal zu wirken begann. Dem Hofgut verpasste er das Demeter-Label, ins und ums Kloster brachte er Kunst. Zuerst musste er dazu die Räumlichkeiten herrichten. An diesem Punkt kommt die Archäologie ins Spiel.

Im Jahre 1145 erstmals urkundlich erwähnt

«Archäologie untersucht nicht aus Lust und Laune, sondern sie reagiert da, wo sich etwas verändert und sich damit eine Chance auf einen Einblick eröffnet», erklärte Kantonsarchäologe Reto Marti, weshalb das Buch nicht schon längst erschienen sei. Die Chance kam, als John Schmid 1987 eine Galerie schuf. Das Buch entstand in den vergangenen zehn Jahren. Das Kloster ist das älteste des Baselbiets. 1145 wurde das Benediktinerkloster erstmals erwähnt. Felicia Schmaedecke, Autorin und freischaffende Archäologin, hat durch ihre Arbeit am Buch die kleine Klosterkirche entdeckt. Nicht erwartet habe sie, dass sowohl Mönche wie auch Nonnen im Kloster gelebt haben, strikt voneinander getrennt. Die Nonnen hätten wohl die gewichtigere Rolle gespielt, denn ihre Zahl übertraf jene der Mönche klar.

Trotz Routine immer noch viel harte Arbeit

«Die Schwierigkeit war, dass ich an den Grabungen nicht zugegen war, die Dinge also nicht aus der eigenen Anschauung kannte, sondern nur von Fotos, Plänen und wenigen Notizen der Ausgräber», sagte Schmaedecke. Deshalb sei es «unheimlich schwierig» gewesen, alles zu interpretieren und zu deuten. Schon viele Kirchen und Klöster habe sie ausgewertet. Doch sei es noch immer harte Arbeit. «Ich bin immer total angespannt», gestand sie. «Aber da ist auch dieser totale Reiz; es ist, als ob man ein Kreuzworträtsel löst.» Schaffe man das, «finde ich das wahnsinnig schön».

Das Buch spreche über eine wichtige Kulturerbe-Stätte, betonte Kantonsarchäologe Marti. Ein wesentlicher Ort sei das Kloster Schönthal, um den Menschen das Mittelalter greifbar zu machen, es ihnen zu erklären. «Um erklären zu können, wie die Leute hier lebten, wie so ein Kloster überhaupt funktionierte, muss man zuerst dahinter schauen und verstehen.»

Das neue Buch trage viel zum Verständnis der Klosteranlage bei. Um alles zu verstehen, müsste der Blick jedoch bis unter den Verputz reichen. Das werde erst möglich sein, wenn ein Umbau oder eine Sanierung Tatsache werden: «Mosaikstein für Mosaikstein wird sich das ergänzen, aber man hat jetzt eine solide Referenz.»

Felicia Schmaedecke et. al., Das Kloster Schöntal bei Langenbruck. Die Bau- und Nutzungsgeschichte vom 12. Jahrhundert bis heute. Schriften der Archäologie Baselland Bd. 54. 520 Seiten. 44.80 Franken.

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