Laufental

Doppelspur im Laufental: Verzögerung sorgt für neuen Ärger

Das Gebiet zwischen Grellingen und Duggingen soll in den kommenden Jahren auf Doppelspur ausgebaut werden.

Das Gebiet zwischen Grellingen und Duggingen soll in den kommenden Jahren auf Doppelspur ausgebaut werden.

Das zweite Gleis im Laufental kommt erst 2025. Die Erklärungen des Bundes empfinden Nationalräte als Hohn.

Bei Parlamentariern aus der Region sorgte eine Ankündigung der SBB kürzlich für Frust: Das Verkehrsunternehmen musste mitteilen, dass sich die Fertigstellung des Doppelspur-Ausbaus zwischen Duggingen und Grellingen um zwei Jahre auf Ende 2025 verschiebt. Die beiden Nationalräte Christian Imark (SVP, SO) und Daniela Schneeberger (FDP, BL) reichten daraufhin Interpellationen ein.

Nun liegen die Antworten des Bundesrats vor. Und diese sorgen bei den beiden Parlamentariern abermals für Enttäuschung. «Ich fühle mich als Volksvertreter unserer Region nicht ernst genommen. Beim Doppelspur-Ausbau im Laufental handelt es sich um ein bedeutendes Verkehrsprojekt für die ganze Schweiz. Da erwarte ich mehr als ein paar nichtssagende Sätze», ärgert sich der Schwarzbube Imark. Hinter vorgehaltener Hand habe er gehört, dass man beim Bund nicht zufrieden sei mit der Arbeit der SBB.

Auch seine Baselbieter Parlamentskollegin Daniela Schneeberger zeigt sich irritiert über die Rückmeldung des Bundesrats. «In den Antworten auf die Fragen meiner Interpellation wird betont, dass es sich um ein vielschichtiges Projekt handle. Dass ist aber nicht erst seit gestern so, sondern schon seit Jahren bekannt», sagt die Thürnerin. Sie befürchte, dass sich der Bund der Bedeutung des Doppelspur-Ausbaus nicht wirklich bewusst sei. «Sonst wären wir nicht mit solch laschen Antworten abgespeist worden.»

Die SBB hat die Leitung des Projektes verstärkt

In den Stellungnahmen auf die beiden Interpellationen von Imark und Schneeberger betont der Bundesrat, dass sich die Verzögerungen beim Doppelspur-Ausbau im Laufental «im Vergleich zu anderen Projekten im Rahmen» halten würden. Generell stellten das komplexe Bahnsystem, die Berücksichtigung vielfältiger gesetzlicher Vorgaben und Mitwirkungsrechte sowie die Abhängigkeit zu anderen Infrastrukturausbauten hohe Anforderungen an das Projektmanagement.

Die Gründe für die Verzögerung des Projektes um zwei Jahre sind vielfältig: «Die Planungsarbeiten für die Doppelspur konnten wegen noch offener Punkte nicht termingerecht abgeschlossen werden. Die grossen planerischen Herausforderungen sind das Gelände, die sehr engen Platzverhältnisse insbesondere entlang der Birs, und der kurvenreiche, einspurige Streckenverlauf», erklärt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi.

«Beim Doppelspurausbau im Laufental handelt es sich um ein bedeutendes Verkehrsprojekt für die ganze Schweiz.»

Christian Imark, Nationalrat und SVP-Kantonalpräsident.

«Beim Doppelspurausbau im Laufental handelt es sich um ein bedeutendes Verkehrsprojekt für die ganze Schweiz.»

Ebenso zeige der neueste Stand der Bau- und Fahrplanplanung, dass im Bahnknoten Basel bis Ende 2025 nicht genügend Kapazitäten bestünden, um die zusätzlichen Fernverkehrszüge stabil einzubinden.
Aufgrund der Erfahrungen hätten die SBB die Projektleitung verstärkt. Anfang 2021 soll ein ausgereiftes Bauprojekt vorliegen. Trotzdem meint SBB-Sprecher Pallecchi: «Dass das Projekt termingerecht fertiggestellt werden kann, liegt nicht allein in unserer Hand.» Einsprachen bei der öffentlichen Planauflage in den betroffenen Gemeinden könnten etwa das Projekt verzögern.

Der Doppelspur-Ausbau gehört zum Ausbauschritt 2035 des Bundes und geniesst dort erste Priorität. Das rund 100 Millionen teure Projekt würde einen Halbstundentakt der Schnellzüge zwischen Basel und Biel erlauben. Einmal pro Stunde wäre es möglich, ohne Umsteigen von Basel nach Genf zu reisen. Als Besteller bei den SBB fungiert das Bundesamt für Verkehr.

Kanton Baselland ist nicht erfreut über Verzögerung

Die Kantone können sich durch Gremien mit Bund und SBB einbringen. «Über die Verzögerung sind wir nicht erfreut», sagt Daniel Schoop, stellvertretender Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr beim Kanton Baselland. Man erwarte nun, dass der Realisierungstermin Ende 2025 eingehalten werde.
Dem pflichten Christian Imark und Daniela Schneeberger bei. Beide behalten sich vor, dem Bundesrat erneut Fragen zu stellen. Imark findet: «Es darf nicht sein, dass der Ausbau noch einmal verschoben wird.»

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