Das schöne Dörfchen Meltingen im Schwarzbubenland hat in den vergangenen Tagen nationale Bekanntheit erlangt. Das Schweizer Fernsehen widmete der 650-Seelen-Gemeinde einen Beitrag. Selbst der Zürcher «Tages-Anzeiger» schickte einen Reporter ins Thierstein.

Für die allermeisten Zuschauer und Leser war es das erste Mal, dass sie von der Existenz Meltingens erfahren haben. Und der erste Eindruck, den sie von der in einem Talkessel gelegenen Gemeinde kriegten, ist alles andere als schmeichelhaft. Als Ortschaft voller Sturköpfe, die sich nicht zusammenraufen vermögen, kommt das Dorf rüber. Damit werden die Vorurteile bestärkt, die häufig über Menschen in ländlichen Regionen herrschen.

Den Medien, die über die Geschehnisse in der kleinen Schwarzbuben-Gemeinde berichten, ist kein Vorwurf zu machen. Sie erfüllen ihre Aufgabe und rücken ungewöhnliche Entwicklungen in den Fokus. Es sind die politischen Akteure in Meltingen, welche mit ihrem Verhalten dem Ansehen ihres Dorfes schaden. Ihnen ist nicht gelungen, einen beschlussfähigen Gemeinderat zu stellen, um eine Zwangsverwaltung durch den Kanton zu umgehen. Dafür wären vier Personen notwendig gewesen, die bis zu den Erneuerungswahlen des Gemeinderats am 21. Mai eine Übergangsregierung gebildet hätten.

Dazu kam es nicht. Vergangene Woche entschied der Solothurner Regierungsrat, in Meltingen einen Sachwalter einzusetzen. Dieser führt in den kommenden Wochen die Geschicke der Gemeinde. Er bleibt mindestens bis zum Ende der aktuellen Legislatur im Amt und kostet Meltingen pro Stunde 250 Franken.

Die einzelnen politische Kräfte blieben bis zum Schluss stur

Vier Personen, die sich in Meltingen zu einem temporären Gemeinderat hätten zusammenschliessen können, wären durchaus vorhanden gewesen. Nur fehlte es den verschiedenen politischen Kräften am Willen, über ihren Schatten zu springen. Die FDP weigerte sich stur, weiter mit Gemeindepräsident Gérard Zufferey in der Dorfregierung zu politisieren. Der Unabhängige seinerseits erklärte sich nicht bereit, zurückzutreten. Die CVP, neben der FDP und den Unabhängigen dritte politische Kraft in Meltingen, solidarisierte sich mit dem Gemeindepräsidenten. Um jedoch eine Übergangsregierung bilden zu können, hätte auch die FDP ein Mitglied des Gemeinderats stellen müssen.

Die Bereitschaft aller drei politischen Lager, sich zusammenzusetzen und Gedanken zu machen, wie man eine Bevormundung hätte verhindern können, war nicht zu erkennen. Dass Gemeindepräsident Zufferey vom Rücktritt der drei FDP-Gemeinderäte durch ein an alle Haushalte in Meltingen verteiltes Flugblatt erfahren hat, ist bezeichnend. Bereits im Herbst waren die zwei CVP-Gemeinderäte aus der sechsköpfigen Dorfregierung zurückgetreten. Zuletzt war Zufferey einziges verbliebenes Mitglied der Exekutive.

Die Ereignisse, die zu den Verstimmungen im Meltinger Gemeinderat führten, bleiben indes weiterhin grösstenteils im Dunkeln. Dem Vernehmen nach soll FDP-Gemeinderat Thomas Spaar Dokumente mit der Unterschrift des Gemeindepräsidenten gefälscht haben. Dieser zeigte Spaar in der Folge an, woraufhin alle drei FDP-Mitglieder aus Protest kollektiv zurücktraten. Die gefälschten Dokumente sollen auch der Grund für den Rücktritt der CVP-Gemeinderäte einige Monate zuvor gewesen sein.

Gemeindepräsident lud die Medienschaffenden aus

Befragt man die Beteiligten zu diesen Geschehnissen, antworten sie sehr zurückhaltend oder verweigern gar die Aussage. An einer kürzlich durchgeführten Informationsveranstaltung des Gemeindepräsidenten, bei der er der Dorfbevölkerung seine Sicht der Dinge schilderte, wurde den Medien die Teilnahme verwehrt. Eine offensive Informationspolitik sieht anders aus.

Nun ist der Schaden angerichtet. Meltingen wird zwangsverwaltet und verliert Geld, das anderswo schlauer ausgegeben wäre. Grösster Verlierer der Streitigkeiten ist nicht einer der Politiker, sondern das Dorf selber. Die Ortschaft im Schwarzbubenland wird mit einem schlechten Image zu kämpfen haben. Bleibt zu hoffen, dass die Akteure die verbleibenden Wochen bis zu den Erneuerungswahlen nutzen, um sich endlich zusammenzuraufen.

Es wäre den Meltingerinnen und Meltingern zu wünschen, dass die nächsten Schlagzeilen über ihr schönes Dörfchen positiv ausfallen.