Chemie-Zwischenfälle

CABB wagt nach Pannenserie den Neuanfang

Fehlstart: Ein CABB-Monteur bei der Installation der neuen Anlage.

Fehlstart: Ein CABB-Monteur bei der Installation der neuen Anlage.

Vier Mal in zwei Monaten ist es bei der Chemiefabrik Cabb in Pratteln zu Lecks gekommen, gefährliche Stoffe traten aus – nun verlassen Standortleiter Robert Dahinden und ein Betriebsleiter das Unternehmen. Ein neues Management verspricht Besserung.

Die wiederholten Chemie-Zwischenfälle bei Cabb in Pratteln zwingen die Gruppenleitung in Sulzbach (D) zum Handeln: Der Prattler Standortleiter Robert Dahinden räumt seinen Posten. Auch Dietmar Faber, Betriebsleiter jener Anlagen, auf denen jeweils nur ein bestimmter Stoff produziert wird, muss gehen.

Die Trennung von Dahinden erfolge «im gegenseitigen Einvernehmen», betonte Cabb-CEO Peter Vanacker an der Medienkonferenz. Man sei gemeinsam zum Schluss gekommen, dass Cabb «ein Zeichen für einen Neustart» setzen müsse. Dahinden werde jedoch seinen Interimsnachfolger, Thomas Eizenhöfer, einführen. Eizenhöfer ist Leiter des Geschäftsbereichs «kundenspezifische Produktion» – Custom Manufacturing –, zu dem auch der Standort Pratteln gehört.

Faber wird ersetzt durch die Chemie-Ingenieurin Christine Sutter. Diese war bisher die Projektleiterin für den Bau der neuen Elektrolyse-Anlage.

Dahindens stufenweiser Abstieg

Wer da von «Neustart» spricht, ist selbst relativ neu bei Cabb: Vanacker wurde am 1. April 2015 CEO. Im August 2015 richtete er den Geschäftsbereich Custom Manufacturing neu aus und übernahm dessen Leitung kommissarisch gleich selbst. Für Robert Dahinden, zuvor Geschäftsbereichsleiter, wurde neu Position des Chief Operations Officer (COO) für diesen Bereich geschaffen. Im April 2016 wurde dann mit Eizenhöfer die Bereichsleitung permanent besetzt.

Als man dann im Sommer 2016 eine Struktur ohne die Funktion eines COO beschloss, war Dahinden nicht mehr Teil der Gruppenleitung. Stattdessen wird er in der gestrigen Pressemitteilung noch als «Standortleiter» bezeichnet. Zusammengefasst: Eizenhöfer übernahm im April Dahindens frühere Position im Gruppen-Management und nun übernimmt er interimsmässig auch dessen Funktion am Standort Pratteln.

Im Rahmen dieses Umbaus des Gruppen-Managements wurde zudem die neue Stelle eines Managers für den Bereich Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und Qualität (englisch HSEQ) geschaffen und im April 2016 mit Uwe Herfet besetzt.

Sicherheit wird Chefsache

Zu den personellen kommen organisatorische Veränderungen: Herfet erklärte gestern, das für die Optimierung der Anlagen verantwortliche Ingenieurs-Team unterstehe künftig direkt der Geschäftsführung. Bisher unterstanden die Ingenieure dem Produktionsteam, das naturgemäss andere Kriterien in den Vordergrund stellt: termingerechte, kostengünstige und qualitativ gute Abwicklung der Bestellungen. «Die für die Sicherheit Verantwortlichen können also künftig auf Augenhöhe mit den Zuständigen für die Produktion diskutieren», erläuterte Herfet das Ziel dieser Reorganisation. Kurz: Sie müssen bei Meinungsunterscheiden nicht mehr gegen die direkten Vorgesetzten antreten.

Zudem analysiere eine fünfköpfige Task-Force seit Oktober – anfang Oktober war es kurz hintereinander zu zwei Zwischenfällen gekommen – «systematisch alle sicherheitsrelevanten Prozesse im Werk». Weiter solle in den kommenden Monaten ein spezialisiertes Schweizer Ingenieurbüro die Anlagen in Pratteln «einer umfassenden technischen Überprüfung unterziehen», um allfällige Schwachstellen aufzudecken.

Neue Anlage soll sicherer sein

Wichtig für die Sicherheit sei auch die neue Elektrolyse-Anlage. Dass diese erst kurz vor dem Zeitpunkt fertig wird, in dem die Quecksilber-Technologie der alten Anlage verboten wird, stellte Vanacker als Vorteil dar: So habe man die neueste Technologie einkaufen und den besten Anbieter evaluieren können.

Dass der Neustart gleich mit einer Panne erfolgt, bezeichnete Projektleiterin Sutter als «bitter für mich und das Team, das zwei Jahre mit viel Herzblut an der Anlage gearbeitet hat». Zeitweilig seien 70 Ingenieure an der Planung beteiligt gewesen und 100 Personen hätten auf engem Raum die Anlage installiert.

Diese kann mit einer Jahreskapazität von 47 000 Tonnen den Bedarf des Prattler Standorts voll decken, wodurch Chlortransporte entfallen. Sie kostete 55 Millionen Franken. Gestern wurden weitere 60 Millionen Franken Investition in den Standort Pratteln angekündigt.

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