Seit 1941 duftet es in Allschwil bei Kolanda nach frisch geröstetem Kaffee. Mitte dieses Jahres ists damit vorbei: Die Kolanda-Regina AG verlegt ihren Firmensitz und die Produktion nach Burgdorf (BE). In Allschwil bleiben der Showroom und der Fabrikladen, der von der auf Kaffeemaschinen spezialisierten Pelluch GmbH weitergeführt wird.

Seit die Allschwiler Traditionsfirma vor zwei Jahren mit Regina – gemäss deren Website «die älteste Rösterei von Bern» – fusionierte, hat sie mehrere Produktionsstandorte. «Um weiterhin rund 75 Arbeitsplätze in der Schweiz zu erhalten, sind wir gezwungen, die Produktionsstandorte zu optimieren und das Lager zu zentralisieren», begründet Kolanda-Geschäftsführer Peter Gertsch den Umzug.

Sowohl in Allschwil als auch im Berner Mattenhofquartier sind die Röstereien von Wohnhäusern umgeben, was auch zu Reklamationen von Anwohnern wegen Geruchsbelästigungen führte. An beiden Standorten sind die aktuellen Räume zu klein und es habe sich «keine Möglichkeit für einen Top-Ausbau» geboten. Gegen einen Ausbau Allschwil – diese Möglichkeit wurde geprüft – sprach zudem, dass Kolanda einen grossen Teil der Produktion in die Westschweiz liefert, die von Burgdorf aus deutlich besser zu erreichen ist.

In der Qualitätsnische aktiv

In Allschwil gehen mit dem Umzug 15 Arbeitsplätze verloren, davon vier für Grenzgänger aus dem Elsass. «Wir haben allen angeboten, nach Burgdorf mitzukommen», berichtet Gertsch. Rund die Hälfte der Betroffenen nehme das Angebot wahr. Für sie werde ein Shuttlebus eingerichtet. Die bisherigen Produktionsräume an der Binningerstrasse in Allschwil werde Kolanda an kleinere Gewerbebetriebe vermieten. «Da entsteht im Kontakt mit KMU Allschwil ein Gewerbezentrum», sagt Gertsch.

In Burgdorf werde die Kolanda-Regina AG «über die derzeit modernste Röstanlage der Schweiz» verfügen, erklärt Gertsch. «Wir bleiben in der Schweiz und rüsten uns für die nächsten 20 Jahre.» Die bisherige, besonders langsame und damit schonende Röstmethode werde die Firma weiterhin pflegen. Die Ansprechpartner im Aussendienst und der eigene Lieferservice bleiben bestehen und werden ausgebaut. Denn als Anbieter mit einem kleinen Marktanteil müsse man sich durch besondere Qualität auszeichnen. «Wir sind die Einzigen, die sortenrein rösten», betont Gertsch. Die grossen bekannten Marken würden oft im nahen Ausland geröstet.

Kolanda-Regina vertreibt ihren Kaffee zum grössten Teil über das Gastgewerbe, ein Drittel gehe in den Export. Daneben bietet sie an, Hausmarken für andere Firmen zu rösten, selbst in so kleinen Mengen wie 80 Kilo. Daneben handelt sie mit Schokolade als Kaffee-Beilage und Tee.

Bis 2007 war Kolanda im Besitz der Gründerfamilie Urfer. Dann wurde die Rösterei an die Waadtländer Saprochi-Gruppe im Besitz der Familie Granelli verkauft. Saprochi sei nur die Holding. «Wir werden weiterhin im Stil einer Firma in Familienbesitz geführt», betont Gertsch.

«Wir sind nie glücklich, wenn eine Firma wegzieht», kommentiert die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. Da es sich jedoch um einen geschäftspolitischen Entscheid von Kolanda-Regina handle, habe die Gemeinde und ihre Arbeitsgruppe Wirtschaftsförderung da nichts machen können.

Nüssli begrüsst es aber, dass für die Weiterführung des Fabrikladens eine Lösung gefunden wurde und die Allschwiler Anwohner weiterhin den «hervorragenden Kaffee» direkt beziehen können.