Die ehemalige Zuger Grünen-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin geriet nach der Zuger Landammannfeier 2014 in die Schlagzeilen. Sie äusserte öffentlich den Verdacht, unter Drogen missbraucht worden zu sein, weil sie am nächsten Tag mit einem Filmriss, ohne Kater und mit Unterleibschmerzen aufgewacht war.

Eine Schändung wurde nie nachgewiesen, DNA des verdächtigen SVP-Präsidenten Markus Hürlimann hingegen schon. Dieser rang Spiess aussergerichtlich das Versprechen ab, das Thema nicht mehr anzusprechen. Das brachte der Grünen keine Ruhe – im Gegenteil. Übers Netz entlädt sich seither die blanke, machoide Wut über Spiess. Oftmals auch jenseits der Legalität.

Das lässt die Zugerin nicht auf sich sitzen und geht juristisch gegen diejenigen vor, die sie über die sozialen Medien beschimpfen. Am 20. August wird am Strafgericht in Muttenz der Fall einer «besonders krassen» Haterin behandelt, wie sie selber sagt. Auf dem Facebook-Profil von SVP-Nationalrat Andreas Glarner hatte die Frau aus der Klinik Birshof in Münchenstein geschrieben: «Jolanda Spiess-Hegglin, primitiver als primitiv, aber man kennt ja diese Person, kein IQ vorhanden.»

Die in Büren wohnhafte Rentnerin hat schon verschiedentlich gegen prominente Frauen geschossen, mehrfach beispielsweise gegen Bundesrätin Simonetta Sommaruga oder Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Spiess geht konsequent gegen Menschen vor, die sie im Internet beschimpfen. Insgesamt hat sie bereits rund 180 Anzeigen eingereicht, darunter auch gegen einen Riehener, wie die «Tageswoche» berichtete. In den meisten Fällen gewinnt sie. Nur einen von bisher über 50 Fällen, die verhandelt wurden, habe sie verloren, sagt Spiess. Trotzdem strebt sie meist einen Vergleich an. Sie scheut sich nicht, den Menschen ins Gesicht zu sehen, die ihr so viel Hass entgegenbringen.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sie von der Bürenerin beschimpft wird. Ein früheres Verfahren war im vergangenen Frühjahr eingestellt worden, weil die Haterin psychische Probleme geltend gemacht hatte. Seither hat sich ihr Verhalten nicht geändert. Sie hetzt weiter gegen Minderheiten – einfach unter anderem Profil. Jüngst postete sie unter einem Alias über die Bundesfeier in Muttenz, wo Sommaruga auftrat. «Wer will schon dieser Lügnerin, Volksverarscherin, zuhören – ausser natürlich Linke, Grüne und Leute, die an den Weihnachtsmann glauben.»

Anfangs war Spiess getrieben von Rachegelüsten, wie sie in einem Interview mit dem «Tagesanzeiger» sagte. Nun will sie einfach, dass die Hater, die im Netz so viel Leid anrichten, verstummen. Und wenn es ein aussergerichtlicher Vergleich tut, dann umso besser. «Es geht mir nicht darum, dass diese Menschen einen Strafregistereintrag bekommen und teure Bussen bezahlen müssen, sondern dass sie einsehen, was sie mit ihrem Verhalten anrichten», sagt Spiess.