Rochade
Zu schwache Böden im Berri-Bau – Das gefährdet nicht nur das Antikenmuseum

Der Umzug des Antikenmuseums in den Berri-Bau ist mehr als unsicher. Das stellt auch den Neubau fürs Naturhistorische Museum infrage.

Daniel Ballmer
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Die Umzugspläne für das Antikenmuseum bereiten Museumsdirektor Andrea Bignasca schon länger Sorgen.

Die Umzugspläne für das Antikenmuseum bereiten Museumsdirektor Andrea Bignasca schon länger Sorgen.

Juri Junkov

Die Überraschung im Basler Kantonsparlament ist gross: «Wenn noch so viele Fragen offen sind, kann der Grosse Rat das Projekt eigentlich nicht guten Gewissens absegnen», sagt ein Mitglied der Bildungs- und Kulturkommission (BKK). Immerhin geht es um viel Geld. Für rund 190 Millionen Franken soll beim Bahnhof St. Johann bis 2022 ein neues Naturhistorisches Museum gebaut werden. Gleiche Pläne bestehen für das Staatsarchiv. Demnächst soll die Kreditvorlage von der Regierung verabschiedet werden.

Beide Häuser leiden unter akutem Platzmangel. Auch ist der denkmalgeschützte Berri-Bau, in dem sich das Naturhistorische Museum heute befindet, sanierungsbedürftig. Bevor das Antikenmuseum samt Skulpturenhalle hier wie geplant einziehen kann, muss das Gebäude umfassend umgebaut und renoviert werden. Geschätzte Kosten: nochmals 70 bis 80 Millionen. Ob die Pläne der Regierung aber überhaupt möglich sind, ist noch alles andere als sicher.

Neue Sonderausstellung im Antikenmuseum

Ein eigener Pavillon für den Pharao

Bevor das Antikenmuseum an den Münsterhügel umziehen soll, leistet es an seinem heutigen Standort am St. Alban-Graben noch einmal einen Sondereffort. Nach dem Grosserfolg von 2007 ist für Oktober bis Mai 2018 eine neue Ägypten-Ausstellung geplant. Ihr Titel: «Scanning Sethos. Die Wiedergeburt eines Pharaonengrabes».

Das Felsengrab von Sethos I. zählt zu den grössten und schönsten seiner Art im Tal der Könige. 200 Jahre nach seiner Entdeckung aber befindet es sich wegen Plünderungen, unsachgemässer Erforschung, Massentourismus und geologischen Verschiebungen in einem schlechten Zustand und musste für die Öffentlichkeit geschlossen werden.

In Zusammenarbeit mit dem Antikenmuseum und der Uni Basel wird mit modernsten 3D-Scans in Madrid das Grab als detailgetreue Nachbildung auferstehen. Die zwei prächtigsten Grabkammern und der Sarkophag Sethos’ I. werden massstabsgetreu erstmals in Basel ausgestellt. Weil das Antikenmuseum dafür aber zu wenig Platz hat, wird im Innenhof eigens ein temporärer Ausstellungspavillon erstellt. Das dafür nötige Baugesuch ist soeben veröffentlicht worden.

Nach der Ausstellung in Basel soll die vollständige Grabanlage nahe dem Tal der Könige für Besucher zugänglich gemacht werden. (dba)

Böden können Last nicht tragen

Die Umzugspläne an der Augustinergasse stehen vor grossen Problemen, ist aus dem Antikenmuseum zu hören. Ein gravierendes Problem: Die Böden im Berri-Bau seien teilweise schlicht zu schwach. Es wird bezweifelt, dass sie die schweren Skulpturen tragen würden.

Aus denkmalschützerischen Gründen aber sei eine Verstärkung kaum möglich – «oder es würde ziemlich teuer». Die Herausforderung sei, ein zeitgemässes Museum in ein denkmalgeschütztes Gebäude zu integrieren, bestätigt Andrea Bignasca. Für den Direktor des Antikenmuseums gehört die Tragfähigkeit der oberen Geschosse «eindeutig zu diesem Themenkreis».

Seit rund zwei Jahren prüft eine Kommission zusammen mit der Denkmalpflege die Machbarkeit des Umzugs. Daran beteiligt ist auch Immobilien Basel-Stadt (IBS). Die Herausforderung liege darin, zwischen den unterschiedlichen Anforderungen von Denkmalschutz und modernem Museumsbetrieb eine vertretbare Lösung zu finden, sagt IBS-Sprecherin Barbara Neidhart.

Das betreffe neben der Tragfähigkeit auch Themen wie Raumklima, technische Erschliessung oder die Besucherinfrastruktur. Bignasca geht davon aus, dass die Machbarkeitsstudie erst im Sommer 2018 vorliegt. Oder anders: Bis dahin ist unklar, ob der Umzug überhaupt möglich ist.

Der Grosse Rat soll aber bereits in den kommenden Wochen und Monaten über die Museumspläne befinden. Die Bildungs- und Kulturkommission (BKK) zeigt sich über diese Ausgangslage irritiert: «Schwer zu sagen, ob die Vorlage so überhaupt verabschiedet werden kann. Ich höre von diesen Vorbehalten zum ersten Mal», sagt SVP-Grossrat Pascal Messerli. Auch für Kommissionskollege Stephan Mumenthaler ist das eine «durchaus berechtigte Frage». Das werde im Parlament wohl noch einige Diskussionen auslösen, schätzt der Freisinnige.

Kommissionspräsident Oswald Inglin befürchtet nicht, dass der Umzug des Antikenmuseums tatsächlich verunmöglicht werden könnte. «Allenfalls braucht es eben einen Mehraufwand», sagt der CVP-Grossrat. «Allerdings verstehe ich die Bedenken von Museumsdirektor Bignasca.» Der Neubau des Naturhistorischen Museums aber dürfe deswegen nicht infrage gestellt werden. «Das wäre ein Schildbürgerstreich.»

Andere Kommissionsmitglieder sind da skeptischer. Die Kreditvorlage sei wenig sinnvoll, weil der Umzug des Antikenmuseums direkt damit zusammenhänge. Auch sei es erstaunlich, dass die Machbarkeitsstudie noch nicht vorliege. «Das zeigt doch, dass es einige Knacknüsse gibt. Umso skeptischer sollte das Parlament sein.»

Das Neubauprojekt hätte wohl bessere Chancen, wenn die abgeschlossene Gesamtplanung vorliegen würde, findet auch SP-Grossrat Claudio Miozzari. Dieses Vorgehen sei sicher nicht geschickt. Einmal mehr fehle das Gesamtbild. Genau deshalb brauche es endlich die lange ersehnte Museumsstrategie, ergänzt Mumenthaler.

Studie sollte längst vorliegen

Das zuständige Präsidialdepartement scheint sich dazu nicht äussern zu wollen. Eine Stellungnahme war nicht zu erhalten. Schriftlich eingereichte Fragen blieben über mehrere Tage hinweg unbeantwortet. Gegenüber der bz hatte Basels Kulturchef Philippe Bischof allerdings schon 2016 erklärt, dass die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie für den Umzug nicht ewig dauern dürfe. «Der Zeitpunkt ist klar definiert: Wenn der Ratschlag für den Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs in die politische Diskussion geht, dann muss klar sein, wie es mit dem Berri-Bau weiter geht.» Das werde wohl ab Anfang 2017 der Fall sein, hatte er damals gesagt.

Und auch die Regierung hat die Bedeutung des Gesamtzusammenhangs schon eingeräumt. In einer Stellungnahme vom Dezember 2015 hatte sie erklärt, dass die Museumsstrategie zusammen mit der Kreditvorlage für den Museumsneubau vorgelegt werden soll: «Er erachtet es als sinnvoll, die Planung des neuen Naturhistorischen Museum Basel in einem grösseren Zusammenhang zu präsentieren.» Angekündigt wurde damals beides für Ende 2016.

Weil die Museumsstrategie aber noch immer fehlt, ist der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rats der Geduldsfaden gerissen. In ihrem Anfang Juli präsentierten Jahresbericht fordert sie das Parlament dazu auf, keine Beschlüsse zu den staatlichen Museen mehr zu fassen, bis die Strategie endlich vorliegt. Es brauche nun endlich diese grosse Auslegeordnung.

In der Kreditvorlage zum Neubau für das Naturhistorische Museum müsse die Ausgangslage nun zumindest transparent gemacht werden, heisst es aus der BKK. Alles andere werde der Grosse Rat kaum akzeptieren.