Neuer Bericht
Wohnen in Basel: Sozialkosten explodieren, sozial Schwache ziehen in die Stadt

Ein neuer Bericht zeigt, was in der Basler Wohnpolitik schief läuft – im Vergleich mit anderen Städten steht Basel in manchen Punkten aber noch gut da.

Benjamin Rosch
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Die Entwicklung der Familienmietzinsbeiträge

Die Entwicklung der Familienmietzinsbeiträge

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Es ist eines der Megathemen der Region: Wohnen. Basel und seine Umgebung wächst in rasantem Tempo, gleichzeitig steigert sich das Platzbedürfnis auf inzwischen über 40 Quadratmeter pro Person. Der Effekt: Wohnraum wird knapper, die Preise steigen. Seit 2012 beobachtet die Verwaltung die Entwicklung und Massnahmen dagegen in einer Wohnraumstrategie. Jetzt liegt der aktuelle Controlling-Bericht vor. Die bz hat die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Sozialkosten explodieren

Dieser Bereich ist das grösste Sorgenkind in der Wohnraumförderung: Unterstützung von sozial Schwächeren. Mehr Familienmietzinsbezüger und höhere Beiträge der Sozialhilfe – «die angespannte Situation im Tiefpreissegment des Wohnungsmarkts macht sich bemerkbar», hält der Bericht fest. Im Jahr 2016 bezogen 2,2 Prozent aller Haushalte Mietzinsbeiträge des Kantons, «alleine in den vergangenen fünf Jahren resultierte eine Zunahme von 83 Prozent». Das schlägt auch auf das Portemonnaie des Kantons: 2017 hat Basel-Stadt 10,7 Millionen Familienmietzinsbeiträge bezahlt. Das ist ganze 18-mal mehr als noch 2008.

Sozial Schwache ziehen nach Basel

Der Grund findet sich an anderer Stelle im Bericht: «Eine aktuelle Studie der Uni Genf kommt zum Schluss, dass mehrheitlich einkommensschwächere Haushalte aus der Agglomeration nach Basel ziehen.» Der Bericht kommt zum Schluss, dass in diesem Bereich das Wohnraumfördergesetz noch nicht genügend umgesetzt ist und sieht «Handlungsbedarf» beim Bereitstellen von Wohnungen für besonders benachteiligte Personen. Erst 14 sind bereit, weitere 45 geplant.

Agglo wächst – Pendlerstom auch

«Die ökologischen Zielsetzungen wurden nur teilweise erreicht», konstatiert der Bericht. Mittlerweile pendeln täglich 100'000 Personen in die Stadt, 25'000 aus ihr raus, «was negative ökologische Auswirkungen nach sich zieht».

Zufriedenheit sinkt

Höhere Mieten und weniger Auswahl: Die Bevölkerung ist seit zehn Jahren zusehends unzufriedener mit dem Wohnungsangebot. In einer Befragung gibt inzwischen jeder dritte Basler an, er sei sehr oder eher unzufrieden mit dem Wohnungsangebot. 2007 lag die Unzufriedenen-Quote noch bei 20 Prozent.

Nettomietzins: Basel liegt gut drin

Vergleicht man den durchschnittlichen Nettomietzins, steht Basel mit etwas über 1200 Franken im schweizweiten Vergleich nicht schlecht da. Unter den Städten nimmt Basel den sechsten Rang ein, noch hinter Winterthur, Luzern oder Bern, knapp vor Lausanne und Lugano.

Steuerziele übertroffen

Der Netto-Zuwachs an Steuererträgen steigt. Das ist hauptsächlich auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen. Das ist eine eher neue Entwicklung. «Bis ins Jahr 2008 war der Saldo des Steuerertrags zwischen Zu- und Wegzügern stets negativ. Seit 2009 hat eine merkliche Trendwende eingesetzt.» Basel-Stadt verzeichnet seither Netto-Zuwachs in Millionenhöhe.

Mehr Wohnungen, doch Ziel verfehlt

Seit 2012 sind viele neue Wohnungen entstanden. Das einst mittelfristig formulierte Ziel von 4400 zusätzlichen Wohnungen innert zehn Jahren «dürfte allerdings knapp nicht erreicht werden», hält der Bericht fest. Immerhin: Der Flächenkonsum ist leicht rückläufig und hat sich inzwischen auf 41,1 Quadratmeter eingependelt.

Mehr Genossenschaften

In diesem Bereich hat Basel-Stadt Aufholpotenzial, Massnahmen dazu wurden formuliert. In den nächsten Jahren sollen rund 1000 neue Genossenschaftswohnungen entstehen. «Damit wurde die gewünschte Dynamisierung bereits angeschoben.»

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