Operndiva
Wie sich Montserrat Caballé in Basel ein Trinkgeld verdiente

Das Staatsarchiv Basel spürt in seinem Blog dem Nebenerwerb der spanischen Opernsängerin nach.

Hannes Nüsseler
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Das – alkoholfreie – Café an der Theaterstrasse 10, in dem Montserrat Caballé kellnerte.

Das – alkoholfreie – Café an der Theaterstrasse 10, in dem Montserrat Caballé kellnerte.

Staatsarchiv Basel-Stadt

Ausser Tresen nichts gewesen? Auf die junge Frau, die in den Fünfzigerjahren im Basler Café du Théatre kellnerte, trifft das sicher nicht zu. Die spanische ­Sopranistin Montserrat Caballé (1933–2018) debütierte 1956 am Theater Basel, bevor aus Frau Ober eine Opern­diva wurde.

In Erinnerung ruft einem diese bemerkenswerte Tatsache der Blog des Staatsarchivs Basel, und das aus aktuellem Grund: «Darüber dreht momentan eine spanische Produktionsfirma einen Film», heisst es in dem Beitrag «Die singende Kellnerin» von vergangener Woche. «Sie gelangte an das Staatsarchiv mit der Frage nach Bildern eben ­jenes Cafés.»

Und das Archiv wurde fündig, wie Daniel Hagmann schreibt. Der Leiter Kommunikation und Vermittlung betreut den Blog, der regelmässig fas­zinierende Einblicke in die Forschungstätigkeiten der «Gedächtnisinstitution» gibt. «Un­sere Beiträge sollen mit historischem Wissen überraschen und eine breite Bevölkerung ansprechen», erklärt Hagmann. «Der Blog soll verdeutlichen, dass die Tore dieses Archivs allen ­offen stehen.»

Daniel Hagmann «Die Leute unterschätzen das Staatsarchiv und seine Angebote.»

Daniel Hagmann «Die Leute unterschätzen das Staatsarchiv und seine Angebote.»

zVg

Rund 2000 Mal im Jahr wird das Staatsarchiv um Recherchehilfe gebeten, «Tendenz steigend». Die Mitarbeitenden ­versuchen innerhalb von 14 Tagen, die gewünschte Auskunft zu beschaffen – zu unterschiedlichsten Fragen: So werden juristische Dokumente gesucht, Informationen zur eigenen Familie oder Daten für Forschungsprojekte. Die Bandbreite an Interessengruppen ist gross, bei manchen steht der Nutzwert klar im Vordergrund: «In die Bauplanaus­gabe zum Beispiel strömen jeden Tag Architektinnen, Bauherren und Eigentümer.»

22 Laufkilometer ­Unterlagen

Daneben gibt es aber auch eine wachsende Zahl von Anfragen allgemeiner Art, die – «sinnvollerweise» – an das Staatsarchiv gerichtet werden. «Wir haben 22 Laufkilometer Unterlagen, davon ist nur ein Bruchteil digitalisiert», sagt Hagmann. Manche Unterlagen sind der Öffentlichkeit aus Datenschutzgründen nicht zugänglich, andere findet man im Online-Katalog oder kann sie vor Ort einsehen.

«Geht es um Lebensdaten, fahren Mitarbeitende jeden Tag in eines unserer Aussenmagazine und blättern in den riesigen Registern.» Der Neubau des Archivs und die Zusammenlegung der Magazine werden hier einen deutlichen Effizienzgewinn mit sich bringen, ist Hagmann überzeugt.

Seit 2015 betreibt das Staatsarchiv einen eigenen Blog, «im Rahmen der Möglichkeiten», wie Hagmann betont. «Wir ­haben einen treuen Stamm an Abonnentinnen, der dank der sozialen Medien wächst.» Zudem suche man aktiv die Vernetzung, etwa mit dem Forschungsprojekt «Stadt.Geschichte.Basel», mit dem Basler Stadtbuch oder dem Historischen Museum.

«Wir unterstützen uns gegenseitig, um Inhalte und Potenziale sichtbar zu machen.» So werde das Archiv, das immer noch als «Backoffice der Behörden» gelte, immer besser als öffentliches Gedächtnis nutzbar. «Im direkten Gespräch stelle ich oft fest, dass die Leute das Staatsarchiv und seine Angebote unterschätzen», so Hagmann.

Die spanische Produktionsfirma hat das Angebot jedenfalls genutzt. Das Filmteam habe für die Bilder des Café du Théatre sicher Verwendung gefunden, sagt Hagmann, auch wenn Fotos von Montserrat Caballé selbst im Pressefotografie-Archiv fehlten. «Die Überlieferung von Bildmaterial aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ist nicht mit der heutigen Situation vergleichbar.»

https://blog.staatsarchiv.bs.ch

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