Basel
Wie sich die BVB-Chefs Schritt für Schritt ins Abseits manövrierten

Eigentliche wollte der designierte BVB-Präsident Paul Blumenthal CEO Jürg Baumgartner schon am Mittwochabend fristlos feuern. Sie taten es dann nicht, sondern erst am Donnerstagnachmittag. Das Zaudern passt ins Bild. Hier die Chronik des Versagens.

Elia Diehl
Drucken
Gewesene BVB-Verantwortliche: Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath nahm am Montag den Hut, CEO Jürg Baumgartner musste am Donnerstag fristlos seinen Sessel räumen.

Gewesene BVB-Verantwortliche: Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath nahm am Montag den Hut, CEO Jürg Baumgartner musste am Donnerstag fristlos seinen Sessel räumen.

Martin Töngi

12.12.2013 14 Uhr: Der designierte Verwaltungsratpräsident Paul Blumenthal und der amtierende Vizepräsident Paul Rüst teilen die fristlose Entlassung von BVB-CEO Jürg Baumgartner mit.

12.12. Vormittag: Der VR beschliesst, Baumgartner per sofort zu entlassen und informiert ihn umgehend. Er streitet die Anschuldigungen nicht ab.

11.12. 19.40 Uhr: Die BVB teilen den - freiwilligen - Rücktritt Baumgartners mit. Warum sie dies trotz Kenntnis der Vorwürfe und Bilder taten, bleibt offen.

11.12. 19 Uhr: Blumenthal und Rüst berufen eine ausserordentliche Verwaltungsratsitzung ein, um die fristlose Entlassung (!) des CEO zu beschliessen.

11.12. 18.30 Uhr: Blumenthal wird zum wiederholten Mal von einem Journalisten der «Basler Zeitung» angerufen, der «die Anschuldigungen in einer erhöhten Dramatik» wiederholt. Wenig später bekommt Blumenthal die besagten Bilder vorgelegt.

11.12. Später Nachmittag: Baumgartner kündigt per Ende Januar 2014. Sollten weitere Verstösse publik werden, wird der Vertrag per sofort aufgelöst.

11.12. Früher Nachmittag: Blumenthal wird von der «Basler Zeitung» erstmals mit den Anschuldigungen gegen Baumgartner wegen sexueller Belästigung konfrontiert. Er verlangt die Bilder als Beweis. Der Journalist lehnt ab.

11.12. Vormittag: Baumgartner denkt an Kündigung und teilt dies Blumenthal mit. Die gewünschte Abgangsentschädigung wird ihm nicht gewährt.

10.12.: Der bisherige Verwaltungsrat Paul Blumenthal wird neuer VR-Präsident. Direktor Jürg Baumgartner wird das Vertrauen ausgesprochen.

9.12.: Aufgrund des Berichts der Finanzkontrolle tritt VR-Präsident Martin Gudenrath per Ende 2013 zurück. Von acht Verwaltungsratmitgliedern werden 2014 deren Fünf ausgewechselt.

20.11.: Der Grosse Rat überweist die Forderung nach der Fusion von BVB und BLT an die Regierung.

September 2013: Politiker beider Basel fordern die Regierungen auf, das «Affentheater» zwischen BLT und BVB wegen des Betriebs der künftigen Linie durch den Margarethenstich zu beenden. Gudenrath und Baumgartner entschuldigen sich für Anzeigen-Debakel, mangelhafte Kommunikation und beim unzufriedenen Personal. Betreffend Verstösse hätten sie sich jedoch nichts vorzuwerfen; Rücktritt ist kein Thema.

August 2013: Die Finanzkontrolle wird beauftragt, zu prüfen, ob Verwaltungsrat und Direktion gegen Regeln betreffend Spesen und Anstellungen verstossen haben. Proteste des Personals: Radio-Verbot wird aufgehoben.

Mai 2013: Der Streit um den Margarethenstich entfacht: Die Führungen von BVB und BLT streiten darum, wer das 17er-Tram betreiben soll.

Mai 2013: Informationsschwäche: Die BVB stellen per September zusätzlich einen neuen Kommunikationschef ein.

März 2013: Gudenrath und Baumgartner gestehen Fehler zur Anzeigen-Misere ein. Es wird vier Millionen Franken teurer. Der VR zieht keine personellen Konsequenzen in der Direktion. Die SVP stellt erstmals Gudenrath infrage.

März 2013: Gudenrath rät Amtskollege André Dosé, von den BVB Flexity-Trams zu mieten, statt selber Trams zu kaufen.

Februar 2013: Baumgartner verbietet Chauffeuren das Radiohören. Und: Die Anzeigen funktionieren noch immer nicht richtig. Die Regierung greift ein.

September 2012: Anzeigen-Misere: Das veraltete Leitsystem wird erneuert.

Oktober 2011: Die BVB kaufen 60 Flexity-Trams für 220 Millionen Franken.

Juni 2011: Baumgartner beim Amtsantritt: «Wir wollen nicht nur Champions League spielen, wie der FCB, sondern diese gewinnen. Basel verdient das beste öV-System der Welt.»

Frühling 2010: Uneinig: BVB steigen aus gemeinsamer Trambeschaffung mit der BLT aus. Die BVB entscheiden sich gegen das Tango-Tram. (EDI)

Aktuelle Nachrichten