Weihnachtsshopping
Volle Strassen in der Innenstadt: Am Wochenende wurden die Läden überrannt

Der Ansturm auf die Geschäfte in Basel war am Samstag riesig. Die Strassen waren voll, vor den Läden bildeten sich teileweise lange Schlangen. Doch die Einkaufenden zeigten Disziplin, findet Epidemiologe Marcel Tanner.

Kelly Spielmann
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Leute besuchten die Innenstadt, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen.
Vor einigen Geschäften bildeten sich deshalb lange Schlangen.
Doch die meisten Menschen trugen ihre Masken.
Die Bevölkerung sei Disziplinierter geworden, findet Epidemiologe Marcel Tanner.

Juri Junkov

Durch die Freie Strasse zu gehen, grenzte am Samstag an eine unmögliche Mission: Hunderte Shopping-Willige füllten die Trottoirs und Strasse, riesige Tüten von Kleider- oder Spielzeuggeschäften hingen dabei an ihren Händen. Das Bild ähnelt zwar demjenigen, das am Wochenende vor Weihnachten jährlich zu sehen ist – und doch gab es wesentliche Unterschiede, wie es in diesem Jahr oft der Fall ist. Die angepassten Ladenöffnungszeiten und Zutrittsbegrenzungen beispielsweise sorgten dafür, dass sich vor einigen Geschäften lange Schlangen bildeten.

Fast alle halten sich an die Masken-Regel

Mathias Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel, war am Wochenende auch unterwegs. «Es waren wirklich extrem viele Leute in der Stadt», sagt er. Anders als erwartet waren in den vergangenen Tagen jedoch nur wenige Deutsche zum Einkaufen hier – das würden auch die Geschäftsinhaber bestätigen. Für die langen Schlangen sorgten hauptsächlich die Einheimischen.

«Es gab auch dort Schlangen, wo man es im Voraus vermutet hatte», sagt Böhm. Er nennt beispielsweise «Lush» oder «Rituals», die beide über eine eher kleine Ladenfläche verfügen und Kosmetik- und Wellnessprodukte verkaufen – beliebte Weihnachtsgeschenke. Auch vor dem Kleidergeschäft Zara, bei «Snipes», bei einem Schuhladen in der Steinenvorstadt, oder beim dänischen Shop Flying Tiger mussten Kunden anstehen, wie ein Augenschein zeigte.

Schön sei gewesen, dass sich fast alle an die Maskenpflicht gehalten hätten, so Böhm. Das bestätigt der Gang durch die Stadt am Samstag: Nur einige Menschen tragen auf der Strasse keine Maske oder haben diese unter den Mund gezogen, der Grossteil der Einkaufenden hat eine Maske aufgesetzt.

Leute verweilen nicht mehr in der Stadt

Dennoch wären die Sonntagsverkäufe der einfachere Weg gewesen, um die Massen etwas zu verteilen, meint Böhm. Auch die verkürzten Öffnungszeiten würden dazu führen, dass sich mehr Einkaufende gleichzeitig in der Innenstadt befinden. Doch diese bleiben nicht so lange in den Strassen Basels wie sonst: «Wir sind durch diese Krise vom Erlebniskonsum, bei dem man auch mal anhält und Kaffee trinkt, zum Bedarfskonsum zurückgekehrt», erklärt Böhm. Die Leute würden zielgerichteter einkaufen, besorgen, was sie brauchen, und die Stadt wieder verlassen.

Dass der Erlebniskonsum den Menschen fehle, sei aber zu spüren. «Dieser wird später umso schneller zurückkehren, weil Nachholbedarf herrscht.» Auch sei auffällig, dass die Verkäufe von Pro Innerstadt Gutscheinen, Reka-Checks und ähnliche Bons enorm angestiegen seien. Auch Firmen würden diese Art des Geschenks anstelle von Weihnachtsessen anwenden.

Der Support des lokalen Gewerbes ist immer noch extrem wichtig.

In den kommenden vier Tagen erwartet Böhm erneut viele Menschen, die in der Stadt einkaufen gehen. «Die Leute wollen noch einmal raus, bevor das nicht mehr geht.»

Mehr Disziplin in der Bevölkerung

Ähnlich sieht es der Basler Epidemiologe Marcel Tanner, der am Samstag ebenfalls in der Innenstadt war. «Es herrscht viel Unsicherheit in der Bevölkerung: Man weiss nicht, ob vielleicht doch noch alle Läden schliessen», sagt er. Es gebe zwei Einstellungen: Entweder man ärgert sich darüber und findet die Massnahme unnötig, oder man ist der Meinung, dass sie sein muss. Beide Varianten würden zum selben Ergebnis führen: Dass man nun noch die letzten Einkäufe erledigen will.

Tanner ist aber auch der Meinung, dass die Diskussionen der vergangenen Wochen sowie die neu beschlossenen Massnahmen, die morgen Dienstag in Kraft treten, in der Bevölkerung zu mehr Disziplin geführt haben: «Man bemerkt wieder verstärkt, dass wirklich jeder einzelne zählt und mitmachen muss.» Dies habe er auch am Wochenende beobachtet:

An die Regel, dass man eine Maske anziehen soll, wenn die Abstände nicht eingehalten werden, haben sich die meisten gehalten.

Dennoch können Problemzonen wie Einkaufsstrassen auch mit Maske ein Risiko darstellen: «Man trifft auf Bekannte, umarmt diese, zieht vielleicht sogar die Maske aus. Oder man fasst sich noch immer zu oft ins Gesicht – auch bei der Hygiene muss man diszipliniert bleiben», so Tanner.

Wichtig sei nun auch, dass die Disziplin und Solidarität bestehen bleibt und an Weihnachten nicht wieder vergessen geht: «Ob sie sich in den Zahlen niederschlägt, werden wir in zehn Tagen sehen.»