Corona-Massentests
Viele Heime weigern sich: Thomas Weber kritisiert Test-Verweigerer

Ein Drittel aller Heime im Baselbiet will Personal keinem Corona-Massentest unterziehen. Das sorgt beim Kanton für kritische Töne.

Nora Bader, Dimitri Hofer
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Ein Ausbruch des Coronavirus kann sich besonders in Heimen gravierend auswirken. (Symbolbild)

Ein Ausbruch des Coronavirus kann sich besonders in Heimen gravierend auswirken. (Symbolbild)

Chris Iseli

«Die Mitarbeitenden sollten sich bewusst sein, dass sie sich ethisch vielleicht nicht ganz korrekt verhalten, wenn sie in Kauf nehmen, das Virus zu verbreiten.» Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber wählte seine Worte am Rande der Eröffnung des Impfzentrums in Muttenz zwar mit Bedacht. Verhehlen, dass er mit einigen Alters- und Pflegeheimen im Kanton nicht zufrieden ist, konnte er aber nicht.

Ein Ausbruch des Coronavirus kann sich besonders in Heimen gravierend auswirken. In den Altersheimen in Birsfelden und Laufen starben in den letzten Wochen fast 30 Senioren am Virus. Im Baselbiet reagierte man und lässt seit vergangenem Wochenende das Pflegepersonal in sogenannten «repetitiven Reihentests» testen. Dabei werden die Mitarbeiter im Abstand von zwei Wochen dreimal getestet. Dies kann vor Ort im Heim oder im Muttenzer Testzentrum geschehen. Die Teilnahme der rund 30 Heime im Kanton ist freiwillig.

Ein Drittel weigert sich

Hier kommen die kritischen Töne von Regierungsrat Weber ins Spiel. Gemäss dem «Regionaljournal Basel» will nämlich rund ein Drittel aller Heime sein Personal nicht solchen Massentests unterziehen lassen. Andrea Bürki vom Informationsdienst des kantonalen Krisenstabs bestätigt auf Anfrage der bz diese Zahlen. «Wir haben den Heimen dringlich empfohlen, die Tests durchzuführen. Da häufig die Mitarbeiter das Virus in die Heime tragen, wären die Tests wichtig», sagt sie. Bei Heimen, die nicht mitmachen wollen, habe man mehrfach die Begründung erhalten, dass sich ein Grossteil des Personals gegen die Tests ausgesprochen habe. «Wir werden nochmals auf die Heime zugehen.»

In Basel-Stadt setzt man nicht auf Massentests

Im Baselbiet setzt man auf Massentests in Heimen – sofern diese mitmachen. Anders ist das Vorgehen in Basel-Stadt. «Aktuell sind flächendeckende Tests in Alters- und Pflegeheimen nicht vorgesehen», sagt Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement. In einem Pilotprojekt sei festgestellt worden, dass sich Neuinfektionen am ehesten in den Tagen nach einem Krankheitsausbruch beziehungsweise nach der ersten dann folgenden Querschnittstestung finden würden. Deshalb bietet der Kanton Basel-Stadt den Heimen die freiwillige Zusatztestung nach einem Ausbruch aufgrund der Erfahrung in der Pilotuntersuchung an.

Beim Pilotprojekt, das täglich freiwillige Schnelltests für Pflegeheim-Mitarbeitende anbot, wurde nach drei Wochen Bilanz gezogen. Untersucht wurde, ob mit dem Angebot von freiwilligen Schnelltestungen nach der schon erfolgten, breiten Testung der Mitarbeitenden noch weitere positive Fälle gefunden werden können. Rund 80 Prozent der 109 Mitarbeitenden des Pilot-Pflegeheims liessen sich mindestens einmal testen, 186 Schnelltests wurden durchgeführt. Im Rahmen des Pilotprojekts gab es sieben positive Testresultate bei Mitarbeitenden. Die sieben positiv getesteten Personen waren zum Zeitpunkt der Testung alle asymptomatisch.

Es ist denkbar, dass die Anwendung von Schnelltests künftig jeweils bei steigenden Ansteckungszahlen in betroffenen Pflegeheimen als zusätzliche Massnahme eingesetzt wird.

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